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DTM

DTM Zolder: Rast großer Sieger nach Feuer und Gegner-Debakel

Vom Feuer in der Startaufstellung bis zum riesengroßen Sieg beim DTM-Rennen in Zolder: Rene Rast ist zurück im Titelkampf. Müller und Frijns erleben Debakel
von Robert Seiwert
DTM 2020 Zolder: Sonntags-Rennen als Zusammenfassung: (03:03 Min.)

In einem schon vor dem Start dramatischen Sonntags-Rennen der DTM in Zolder war Rene Rast der riesengroße Gewinner. Der Titelverteidiger errang seinen zweiten Sieg auf dem belgischen Kurs und profitierte im Titelkampf von Rückschlägen seiner Rivalen Robin Frijns und Nico Müller.

Der Niederländer Frijns fiel nach einem Fahrfehler aus, als er nach einem frühen Reifenwechsel bei der Boxengassenausfahrt in die Leitplanken einschlug. Die daraus folgende Safety-Car-Phase warf Müller zurück, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht seinen Pflicht-Boxenstopp absolviert hatte und nach dem Re-Start auf den neunten Platz zurückfiel.

In der Meisterschaft übernahm Rast (249 Punkte) bei noch drei ausstehenden Rennen den zweiten Platz in der Gesamtwertung vor Frijns (243 Punkte) und hinter Spitzenreiter Müller (259 Punkte).

Feuer-Drama um Rast

Dabei war kurz vor dem Rennen nicht einmal sicher, ob Rast überhaupt würde starten können. In der Startaufstellung qualmte es plötzlich aus seinem Motorraum heraus, sogar Feuer war zu sehen. Der 33-Jährige hatte Glück und konnte das Rennen unbeschadet aufnehmen.

Rast: "Wir wussten nicht, ob das Auto beim Brand Schaden genommen hat, zum Glück nicht. Danke an die Crew, die das Feuer unter Kontrolle hatte. Wir sind wieder da, auf so ein Rennen haben wir gewartet. Das Gute ist: Wir haben noch zwei Rennen in Zolder, mal schauen was da noch so alles passiert."

Und damit noch nicht genug: Beim Start übernahm Rast vor der ersten Kurve die Führung und schaute nie mehr zurück. Pole-Setter Timo Glock erlebte unterdessen eine absolute Achterbahnfahrt. Der frühere Formel-1-Fahrer hatte BMW nach 428 Tagen Durststrecke die erste Pole Position in dieser Saison beschert, kam aber nicht vom Fleck und fiel durch eine Kollision mit Ferdinand Habsburg bis ans Ende des Feldes zurück.

Glock nach Crash im Glück

Glocks daraus folgender, früher Boxenstopp in Hoffnung auf ein Safety Car erwies sich als goldrichtig: Nach dem Frijns-Debakel rutschte der BMW-Pilot immer weiter nach vorne, weil andere Fahrer ihre Reifen noch nicht gewechselt hatten. Glock überquerte die Ziellinie hinter Mike Rockenfeller und Lucas Auer - die ebenfalls vor dem Safety Car ihre Pflicht-Stopps absolviert hatten - als Vierter.

In einem Rennen mit verrücktem Rennverlauf gelang dem Audi-Kundenteam WRT ein Achtungserfolg, auch dank risikoreicher Boxenstopp-Strategie: Fabio Scherer und seine Teamkollegen Harrison Newey sowie Ferdinand Habsburg errangen die Plätze fünf, sechs und sieben. Vor Müller fuhr der zweifache BMW-Champion Marco Wittmann auf die achte Position.

DTM 2020: Meisterschaft nach 14/18 Rennen (Top-5)

Position Fahrer Hersteller Punkte
1. Nico Müller Audi 259
2. Rene Rast Audi 249
3. Robin Frijns Audi 243
4. Mike Rockenfeller Audi 109
5. Timo Glock BMW 102

DTM Zolder: So lief das Rennen am Sonntag

Der Start: Das Drama ging am Start munter weiter. Timo Glock kam von der Pole überhaupt nicht vom Fleck und musste mitansehen, wie Rene Rast von P3 zwischen ihm und Sheldon van der Linde durchhuschte und die Führung übernahm! Glock fiel nach einem Kontakt mit Verfolger Ferdinand Habsburg bis auf den letzten Platz zurück. In der chaotischen Startphase schnellte Mike Rockenfeller von der sechsten bis auf die zweite Position nach vorne. Robin Frijns verbesserte sich vom achten bis auf den dritten Platz. Nico Müller beendete die erste Runde nach Start von P7 auf der fünften Position.

Die Boxenstopps: Timo Glock war nach seiner Start-Kollision mit Ferdinand Habsburg bis auf den letzten Platz zurückgefallen und entschied sich für den Pflicht-Boxenstopp schon in der 5. Runde. Auch sein österreichischer Crash-Rivale wechselte im Anschluss die Reifen.

In der Folge legten Lucas Auer, Fabio Scherer und Harrison Newey frühe Boxenstopps ein. Robin Frijns verunfallte nach seinem Reifenwechsel in Runde 12 ausgangs der Boxengasse - das Safety Car bog auf die Strecke ab. Die Führenden Rene Rast und Mike Rockenfeller schafften es noch rechtzeitig in die Boxengasse.

Zu diesem Zeitpunkt hatten Sheldon van der Linde, Nico Müller, Jonathan Aberdein, Jamie Green, Loic Duval und Robert Kubica noch nicht ihren Pflicht-Boxenstopp absolviert. Marco Wittmann und Philipp Eng nutzten das Safety Car für einen Wechsel auf frische Reifen, was per Reglement aber nicht als Pflicht-Stopp gewertet wird.

Nach dem Re-Start legte Müller in Führung liegend in Runde 23 seinen Pflicht-Boxenstopp ein. Der Schweizer fiel bei der Rückkehr auf die Strecke bis auf den neunten Platz zurück. Marco Wittmann folgte in der 26. Runde, um seinen regulären Pflicht-Reifenwechsel zu absolvieren und kehrte auf P8 direkt vor Müller zurück auf die Strecke.

Die Zwischenfälle: Pole-Setter Timo Glock erhielt für die Start-Kollision mit Ferdinand Habsburg eine Verwarnung. Jonathan Aberdein kassierte kurz nach dem Start von P9 und auf Platz sechs fahrend eine 5-Sekunden-Boxenstopp-Strafe. Der BMW-Neuzugang hatte zuvor nicht die korrekte Position in seiner Startbox eingenommen.

In Runde 12 kam das Safety auf die Strecke. Kurios: Robin Frijns schlug nach seinem Reifenwechsel in der Boxengassenausfahrt plötzlich in die Leitplanken ein. Der Audi-Pilot beschädigte sich dabei offenbar die rechte Vorderradaufhängung und musste das Auto ausgangs der Boxengasse abstellen. Während Frijns' Audi am Streckenrand qualmte, legte das Führungsduo Rast/Rockenfeller rechtzeitig vor dem Boxenstopp den Pflicht-Reifenwechsel ein.

Beim Re-Start zur 19. Runde übernahm Müller die Führung von van der Linde und Aberdein, die alle noch auf ihren Startreifen fuhren. Eng kassierte eine Durchfahrtstrafe, weil er beim Re-Start unerlaubt von der linken auf die rechte Seite gewechselt war.

Die Ausfälle: Robin Frijns konnte das Rennen nach seinem Unfall in der Ausfahrt der Boxengasse nicht fortführen. Der Lokalmatador zerknirscht am Sat.1-Mikro: "Ich bin gecrasht und in die Mauer eingeschlagen. Ich habe eingelenkt, es ist aber nichts passiert. Das war ein Fahrfehler. Ich bin nur von mir selbst enttäuscht. Bis dahin lief es gut, aber dann kam es leider so."


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