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DTM

DTM-Wahnsinn! Auer und Glock sorgen für BMW-Doppelsieg

Völlig kurioses Sonntagsrennen der DTM auf dem Lausitzring: Lucas Auer und Timo Glock lassen BMW nach über einem Jahr jubeln. Favoriten straucheln.
von Robert Seiwert
DTM 2020 Lausitzring, Rennen 2: Zusammenfassung und Highlights: (04:00 Min.)

Sensation in der DTM! Lucas Auer gewann völlig überraschend das Sonntagsrennen auf dem Lausitzring nach einem kuriosen Verlauf. Ebenso verrückt: BMW feiert durch den Österreicher und Timo Glock einen Doppelsieg - der erste Erfolg für die Münchner in der Tourenwagenserie nach mehr als einem Jahr und zwölf sieglosen Rennen.

Pole-Setter Robin Frijns erkämpfte sich in der letzten der 34 Runden den dritten Platz auf dem Podium. Der Audi-Pilot setzte sich in den letzten Kurven gegen Jamie Green durch, der den vierten Platz belegte. Die Favoriten Nico Müller und Rene Rast mussten sich in einem Strategie-Poker mit den Plätzen fünf und sechs begnügen.

Auer-Wahnsinn in der Lausitz! Der Neffe von DTM-Chef Gerhard Berger gewann sein erstes Rennen für den neuen Arbeitgeber BMW und sein erstes seit dem 09. September 2017. Dabei profitierte der 25-Jährige von einem vergleichsweise frühen Boxenstopp in der zehnten Runde, währen die eigentlichen Favoriten Rast, Müller und Frijns in den Runden 17 bis 19 die Reifen wechselten.

Gleiches Spiel bei Glock, der die Pace nach seinem Pflichtstopp bereits in Runde 10 ebenfalls unerwartet über die komplette Renndistanz halten konnte, sich seinem BMW-Markenkollegen aber im letzten Umlauf geschlagen geben musste. Für den früheren Formel-1-Fahrer war es der 15. Podestplatz in der DTM sowie der erste seit Oktober 2018.

Glock, Auer und Green führten das Feld im Schlussdrittel an. Das Trio hatte vergleichsweise sehr frühe Boxenstopps eingelegt und war dadurch an die Spitze gekommen. Dahinter drängelten Rast, Frijns und Müller, kamen über viele Runden hinweg aber trotz wesentlich frischerer Reifen aber nicht vorbei.

Dabei machte vor allem Green gegen seinen Rosberg-Kollegen Rast bei dessen Überholversuchen dicht, während sich die beiden BMW an der Spitze sechs Minuten vor dem Rennende mit einer Sekunde Vorsprung etwas Luft verschafften. An der Spitze sollte sich an diesem Bild nichts ändern, nur Green büßte im heißen Schlussspurt den Podestplatz ein.

"Wir haben uns zu sehr auf uns selbst und den Meisterschaftskampf konzentriert", analysierte Rast. "Keiner von uns wollte nachgeben. Ich glaube, ich hätte gewinnen können, wenn ich an Jamie vorbeigekommen wäre. Ich hatte gehofft, dass er nicht ganz so hart kämpft."

Beim Zieleinlauf hatte Auer 1,2 Sekunden Vorsprung auf Glock und errang seinen fünften DTM-Sieg. "Mir fehlen die Worte, was für ein Rennen", konnte auch Auer das Kunststück kaum fassen.

Auer später am Sat.1-Mikro: "Der Speed war von Anfang an da, aber es dauert noch ein bisschen, bis ich zurück bin in der DTM. Jetzt ist alles zusammengekommen und ich bin riesig stolz. Das war ein gutes Ausrufezeichen für uns. Das Rennen hat viel Spaß gemacht und war eine Challenge. Ich habe gedacht, dass ich von hinten von den Audis aufgefressen werde, aber die Reifen haben gehalten."

Glock: "Drei Runden vor Schluss habe ich gemerkt, dass der Hinterreifen eingeht und ich nicht mehr das Momentum aus der letzten Ecke hatte. Ich hätte dagegenhalten können, aber dann hätten beide verloren. Ich habe an das große Ganze gedacht und Lucas vorbeigelassen, damit er das Rennen gewinnen kann. Ich habe da eins und eins zusammengezählt und versucht, den zweiten Platz zu halten."

Hinter Müller, der Rast in der letzten Runde für Platz fünf überholen konnte, fuhren Jonathan Aberdein, Loic Duval, Marco Wittmann und Sheldon van der Linde auf die Plätze sieben bis zehn. Der Südafrikaner legte nach einem Patzer beim Start von P4 als erster Fahrer seinen Pflicht-Boxenstopp ein und wurde für den Mut mit einem Punkt belohnt.

BMW-Rennleiter Rudi Dittrich: "Der Doppelsieg war ein wichtiges Zeichen für uns. Timo und Lucas waren mit einer sehr guten, konstanten Pace unterwegs. Entscheidend war aber auch unsere Strategie mit dem richtigen Zeitpunkt der Boxenstopps. Lucas hat recht früh gestoppt und ist entsprechend gut zusammen mit Timo nach vorne gekommen. Zusätzlich spielte das Reifenmanagement die nächste entscheidende Rolle."

Nach zwei aufeinanderfolgenden Rennwochenenden auf dem Lausitzring legt die DTM eine kurze Verschnaufpause ein. Weiter geht es mit der vierten Veranstaltung in Assen vom 04. bis 06. September 2020. Auf dem niederländischen Kurs sind zum ersten Mal in dieser Saison Zuschauer vor Ort zugelassen. 10.000 Fans können die beiden Rennen auf dem TT Circuit besuchen.

DTM Lausitzring: So lief das Rennen am Sonntag

Die Startaufstellung: Robin Frijns erzielte für Audi saisonübergreifend die 13. Pole Position in Folge sowie seine vierte in der laufenden Saison. Die Dauerrivalen Nico Müller und Rene Rast folgten auf den Startplätzen zwei und drei - damit fuhren in bislang jedem Qualifying 2020 mindestens drei Audi-Piloten auf die vorderen Positionen. Sheldon van der Linde erzielte mit P4 zum vierten Mal in diesem Jahr das beste Quali-Ergebnis eines BMW-Piloten. Rookie Robert Kubica errang mit dem elften Startplatz sein bislang bestes Ergebnis in der DTM.

Das Wetter: Nach dem regnerischen Samstag blieb es zum zweiten Rennen trocken beim zweiten aufeinanderfolgenden Rennwochenende in der Lausitz. Bei 23 Grad Außen- sowie 30 Grad -Strecken-Temperatur - kühler als am Freitag, wärmer als am Samstag - startete das Rennen unter wolkenbedecktem Himmel um 13:30 Uhr.

Der Start: Pole-Setter Robin Frijns behauptete die Führung vor Rene Rast, der vor Kurve 1 den zweiten Platz von Nico Müller übernahm. Der von P4 gestartete Sheldon van der Linde kam aus seiner Startbox nicht vom Fleck und fiel bis ans Ende des Feldes zurück - Hintermann Marco Wittmann konnte im letzten Moment ausweichen, verlor aber die fünfte Position an Timo Glock, der vom siebten Platz gestartet war. Robert Kubica beendete die erste Runde auf Platz zehn und damit in den Punkterängen.

Die Boxenstopps: Sheldon van der Linde (Runde 8) nach seinem verpatzten Start, Mike Rockenfeller (Runde 9) sowie Timo Glock, Loic Duval und Lucas Auer (alle Runde 10) entschieden sich für Pflicht-Boxenstopps zu einem frühen Zeitpunkt im Rennen. Jamie Green bog im 11. Umlauf von Platz vier in die Boxengasse ab und konnte sich nach der Ausfahrt gegen die Verfolger mit wärmeren Reifen zur Wehr setzen.

Rene Rast von P2 und Marco Wittmann von P4 legten in der 17. Runde ihren Pflicht-Reifenwechsel ein. Die Abt-Mannschaft reagierte und beorderte Nico Müller von Platz zwei in Runde 18 an die Box. Nach der Ausfahrt ordnete sich der Schweizer hinter Rast ein. Spitzenreiter Robin Frijns absolvierte als letzter Fahrer aus der Spitze in Runde 19 seinen Boxenstopp auf einen frischen Satz Hankook-Reifen. Rast und Müller überholten im Anschluss den Niederländer mit seinen ungeheizten Slicks.


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