Exklusiv
DTM

DTM: Deshalb hat R-Motorsport keine Aston-Martin-Werksfahrer

Maxime Martin und Nicki Thiim galten lange als Kandidaten für DTM-Neueinsteiger R-Motorsport. Motorsport-Magazin.com weiß, warum es keiner der beiden wird.
von Robert Seiwert & Arno Wester

Motorsport-Magazin.com - Zwei Fahrer hat das Schweizer Rennteam R-Motorsport, das mit der exklusiven Lizenz von Aston Martin in der DTM-Saison 2019 erstmals an den Start geht, bereits verkündet. Wer sind die beiden anderen Fahrer und wie stark ist das Fahrerquartett? Motorsport-Magazin.com gibt exklusive Antworten.

Mit Paul Di Resta, dem DTM-Champion von 2010, hat das Konstrukt aus R-Motorsport, AF Racing AG, Vynamic und Aston Martin den wohl besten Fahrer verpflichtet, der auf dem Markt zu haben war. Der 32 Jahre alte Schotte kennt das Team. Und die Mannschaft aus Affalterbach, die für den Renneinsatz verantwortlich zeichnet, weiß um die fahrerischen Qualitäten von Di Resta, der im Oktober 2018 beim Saisonfinale in Hockenheim um seinen zweiten DTM-Titel gekämpft hat.

Auch beim Briten Jake Dennis könnte man den Daumen heben. Der 23-Jährige hat sowohl im Formel- als zuletzt auch im GT-Rennsport mit starken Leistungen überzeugt. Allerdings muss ein guter GT-Fahrer noch lange kein guter DTM-Pilot sein, so die Meinung von Skeptikern. Andererseits zeigt das Beispiel René Rast, dass man mit viel Talent sogar bis an die Spitze kommen kann.

R-Motorsport vor gewaltiger Herausforderung

Zurück zu einem anderen DTM-Einsteiger, R-Motorsport: Die beiden Firmengründer Florian Kamelger und Andreas Baenziger, die sich vor allem als Orthopäden und Unfallchirurgen einen Namen gemacht haben, wollen ab dieser Saison nicht nur gegen die Werksteams von Audi und BMW antreten, sondern sie auch schlagen. Ein gewaltiges Ziel, das laut Kamelger aber durchaus zu realisieren ist.

Dabei wird es dem 42-Jährigen und seinen Mitstreitern aber alles andere als leicht gemacht. Als der DTM-Einstieg von R-Motorsport nach dem zuvor verkündeten Aus von Mercedes-AMG endgültig feststand, wurde das Schweizer Duo als Retter der DTM gefeiert - zu Recht. Schon zu diesem Zeitpunkt gab es aber aus den eigenen Reihen gehörigen und völlig unverständlichen Gegenwind.

Kein Geringer als David Richards (66), der Gründer und Vorsitzende von Prodrive Ltd. sowie Miteigentümer und Chef des Verwaltungsrates von Aston Martin, versuchte das ehrgeizige Projekt der Schweizer, die den einzigen exklusiven Aston Martin Händlerstützpunkt in der Schweiz in Niederwil bei St. Gallen betreiben, zu verhindern.

Am Rande des 24-Stunden-Rennens in Le Mans 2018 behauptete Richards, ein solches DTM-Projekt werde es nicht geben. Was er nicht sagte, aber wohl meinte: Wenn es tatsächlich so kommen sollte, dann nur mit Prodrive als Einsatzteam. Und genau hier liegt auch der Haken bezüglich der Fahrer, die für das DTM-Programm möglich und wohl auch gesetzt waren.

Fakt: Keine Aston-Martin-Werksfahrer bei R-Motorsport

Fakt ist, kein Aston-Martin-Werksfahrer kommt bei R-Motorsport in der DTM-Saison 2019 zum Einsatz! Nach Meinung von Experten ist das eine klare Schwächung des Fahrer-Quartetts von R-Motorsport.

Die möglichen und in vielen Medien bereits spekulierten Kandidaten wie der ehemalige BMW-DTM-Pilot Maxime Martin und auch Nicki Thiim haben ihre Aston-Martin-Werksverträge allerdings bei Prodrive unterschrieben. Und hier hat Richards das Sagen...

Aston-Martin-Werksfahrer Maxime Martin kehrt 2019 nicht in die DTM zurück - Foto: LAT Images

Thiim und Martin wären gern DTM gefahren

In einem Gespräch mit Motorsport-Magazin.com bestätigt Thiim, dass er gerne DTM gefahren wäre, "es gibt leider aber keine Möglichkeit". Über die Hintergründe wollte der Aston-Martin-Werksfahrer aus nachvollziehbaren Gründen nicht sprechen. Wie Motorsport-Magazin.com aus Aston-Martin-Kreisen erfahren hat, soll Richards sein Veto eingelegt haben.

Was auf Thiim zutrifft, gilt auch für Maxime Martin! Der Belgier hätte in der DTM nach eigenem Bekunden gerne ein Comeback gegeben. Stattdessen fährt Martin nun im ADAC GT Masters einen Aston Martin Vantage GT3 im Team PROsport Performance.

Werksfahrer Martin: ADAC GT Masters statt DTM

"Wenn wir unseren Werksfahrer Maxime Martin in diesem Team neben Daniel Keilwitz platzieren, so ist das ein starkes Signal, dass wir dieses Programm in der Tat sehr ernst nehmen. Deutschland ist ein wichtiger Markt für Aston Martin", erklärt David King, Präsident von Aston Martin Racing, den überraschenden Deal. "Mit dem neuen Vantage GT3 wollen wir ganz klar unsere Kernelemente Sport, Ausdauer und Leistung demonstrieren, die unseren Ruf als Hersteller in Verbindung mit zahlreichen Meisterschafts-Erfolgen begründen."

Diese Sätze eines Verantwortlichen von Aston Martin sind ein Schlag in das Gesicht aller Beteiligten des DTM-Projektes und kaum zu erklären. Hinter den Kulissen hat sich offenbar über Monate hinweg eine Schlammschlacht abgespielt, die von Richards initiiert wurde und bei der es letztendlich fast nur Verlierer gibt.

Die Sache mit Habsburg...

Apropos Verlierer: Dazu gehört offenbar auch das neue Audi-DTM-Team WRT. Die Belgier und auch Audi Motorsport hatten Ferdinand Habsburg bereits als Fahrer für den Young-Driver-Test im Dezember in Jerez verkündet. Kurz bevor er auf dem spanischen Kurs sein Können im Audi RS 5 DTM demonstrieren sollte, wechselte Habsburg allerdings völlig überraschend zu HWA.

Wie Motorsport-Magazin.com aus Audi-Kreisen erfahren hat, ist die kurzfristige Absage sogar juristisch geprüft worden. Angeblich spielt dabei die finanzielle Mitgift von Habsburg nur eine untergeordnete Rolle, vielmehr soll das von HWA angebotene Paket besser als das von WRT gewesen sein. Die Beteiligten schweigen zu diesen Spekulationen.

Ferdinand Habsburg hätte beim DTM-Test in Jerez eigentlich für Audi testen sollen - Foto: FIA F3 / Suer

Mindestens ein deutschsprachiger Fahrer

Wie Motorsport-Magazin.com aus gut informierter Quelle exklusiv erfahren hat, soll bei R-Motorsport neben Di Resta und Dennis mindestens ein deutschsprachiger Fahrer zum Einsatz kommen. Neben Habsburg wurden immer wieder Dominik Baumann oder Marvin Kirchhöfer ins Spiel gebracht.

'Deutsch sprechend', das würde auch auf Daniel Juncadella zutreffen. Der Spanier fuhr zwischen 2013 und 2018 für Mercedes-AMG respektive HWA 76 Rennen in der DTM - und verfügt neben großer Erfahrung über exzellente Deutschkenntnisse.

Das komplette DTM-Programm stellt R-Motorsport am kommenden Mittwoch bei Aston Martin St. Gallen im schweizerischen Niederwil vor.


Wir suchen Mitarbeiter
Mitarbeiter Motorsport Designer Journalismus Programmierer Video