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Nach Audis WRX-Aus: Mattias Ekström kündigt Optionen an

Audi fokussiert sich künftig auf DTM und Formel E - kein Wort mehr von Rallycross. Bitter für Mattias Ekström, doch der Schwede hat spannende Optionen...
von Robert Seiwert & Arno Wester

Motorsport-Magazin.com - Audi hat am Mittwoch sein Motorsport-Programm 2019 präsentiert. Dabei fällt auf, dass von dem erst Ende Januar dieses Jahres angekündigten Engagement mit EKS Audi Sport in der FIA Rallycross-Weltmeisterschaft keine Rede mehr ist.

Auf Nachfrage bei Audi Sport betont ein Sprecher, dieses Projekt sei kein Werks-Engagement der Audi AG, sondern ein von Audi Motorsport unterstütztes Projekt für das Team des zweimaligen DTM-Champions Mattias Ekström. Stimmt! Denn genauso ist es in einem am 31. Januar 2018 herausgegebenen Newsletter offiziell kommuniziert worden. Dabei wurde auch die Änderung des Teamnamens in EKS Audi Sport mitgeteilt.

Nach seinem Ausstieg aus der DTM hatte Ekström insgeheim auf einen längerfristigen Einsatz seines Teams in der WRX gehofft, zumal zukünftig Elektrofahrzeuge zum Einsatz kommen sollen. Nach nur sieben Monaten ist das gemeinsame Projekt nun klammheimlich von Audi beendet worden.

Was sind dafür die Gründe?

Nach Informationen von Motorsport-Magazin.com muss der Volkswagen-Konzern massiv Geld sparen - und das betrifft auch die Audi AG. Diese Tatsache hat nun wohl dazu geführt, dass die Verantwortlichen ein Programm neben der Formel E und DTM für 2019 streichen mussten. Betroffen ist das werksunterstützte Projekt von Mattias Ekström in der FIA-Rallycross-WM (World RX).

Bitter zwar für Ekström, aber aus Sicht der Ingolstädter nachvollziehbar. Dabei könnten folgende Dinge eine Rolle gespielt haben: Die offizielle Verschiebung des Einsatzes von Elektroautos (E-WRX) von 2020 auf 2021, die schlechte Vermarktung der WRX durch den Serienpromotor International Management Group (IMG) sowie der mögliche Entzug des WM-Prädikats durch den Automobil-Weltverband FIA.

Wie wichtig E-Mobilität für die 'Herren der vier Ringe' ist, wird nicht nur durch das aktuelle und weiterhin bestätigte Werks-Engagement in der Formel E unterstrichen, sondern auch durch eine Aussage von Audi-Motorsportchef Dieter Gass zu Jahresbeginn, er sei vom Wachstumspotenzial der WRX überzeugt. "Mittelfristig hoffen wir auf den Einsatz von Elektroautos in der Rennserie. Denn das Thema Elektrifizierung steht bei Audi auch im Motorsport im Fokus."

Trotzdem wurde das WRX-Projekt gestrichen, was deutlich macht, wie sehr auch bei Audi gespart werden muss. Das betrifft im Übrigen auch die DTM.

DTM-Ikone Mattias Ekström: Das große Interview zum Rücktritt: (14:55 Min.)

Und was macht Ekström?

Nach Informationen von Motorsport-Magazin.com befinden sich Mattias Ekström und Dieter Gass im Dialog - eine Entscheidung ist aber noch nicht gefallen. Es wäre allerdings verwunderlich, wenn Ekström dem Volkswagen-Konzern nicht in irgendeiner Form erhalten bleibt - fraglich nur in welcher Funktion. In Rente wird der 40-Jährige wohl noch nicht gehen.

Von einem der möglichen Szenarien dürfte sich der äußerst beliebte Schwede, der 2016 in der WRX in einem Audi S1 EKS RX quattro beide WM-Wertungen (Fahrer und Team) gewann und der im vergangenen Jahr immerhin Vize-Weltmeister sowie mit seiner Mannschaft Dritter der Teamwertung wurde, wohl schweren Herzens verabschieden: Sein Wunsch, mit seinem eigenen EKS-Team in der WRX weiterzumachen, macht allein schon aus finanzieller Sicht keinen Sinn. Wenn Ekström nicht wie schon geschehen, erneut eigenes Geld in die Hand nehmen will, kann er nur auf einen finanzkräftigen Sponsor wie beispielsweise Red Bull hoffen.

Der Brausehersteller könnte ihn und sein Team aber auch bei einem anderen Projekt unterstützen, nämlich seiner möglichen Rückkehr in die DTM. Mit der offiziellen Bekanntgabe, dass sich die Audi AG auch weiterhin werksseitig in der DTM engagiert, fehlen nach dem angekündigten Ausstieg von Mercedes zum Saisonende nach wie vor professionelle Kundenteams, die das DTM-Teilnehmerfeld 2019 von zwölf Werksautos (je sechs von Audi und BMW) auffüllen. Und da wäre Ekström sowohl als Teameigner wie auch als Fahrer eine wohl nicht zu toppende Kombination.

"Ich habe Optionen", sagt Ekström zu Motorsport-Magazin.com. "Allerdings weiß ich sehr wohl und genau, dass ich alles was ich heute bin und habe, auch Audi maßgeblich zu verdanken habe. Dafür bin ich wirklich dankbar."

Vielleicht wechselt er aber nach dem für ihn plötzlichen und unerwarteten Audi-WRX-Ende aus purem Frust auch den Hersteller - interessante Angebote dürfte es geben. Wie Motorsport-Magazin.com weiß, hat beispielsweise BMW Motorsport schon einmal seine Fühler nach dem sehr vielseitig (Tourenwagen, GT, 24h-Rennen, Rallye- und Rallycross, Race of Champions) einsetzbaren Schweden ausgestreckt.

Angeblich beschäftigt sich der Münchner Autobauer mit der E-WRX. Darauf spekuliert auch Ekströms früherer Audi- und ABT-Rennfahrerkollege Timo Scheider, der bekanntermaßen von Audi zu BMW gewechselt ist. Ekström wäre mit all seiner Erfahrung zweifelsohne der richtige Mann für die Bayern - als Fahrer und auch als Teameigner!

Mattias Ekström wäre nicht das erste äußerst erfolgreiche Renn-Ass (u.a. Siege in der DTM, bei 24h-Rennen, in der Rallycross-WM und beim RoC), das Audi den Rücken kehrt. Walter Röhrl und Hans-Joachim Stuck sind prominente Beispiele.

Eine weitere mögliche Option dürfte für Ekström ebenfalls eine Überlegung wert sein: Nämlich ein konzerninterner Wechsel von Audi Sport zu Volkswagen Motorsport, die aktuell in der WRX das schwedische Volkswagen-Team PSRX werksseitig unterstützen. Dem Allrounder dürften also viele Türen offen stehen. Man kann ihm nur wünschen, dass er die richtige Entscheidung trifft...


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