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DTM-Analyse: Das macht Mercedes 2018 so stark

Mercedes dominiert die DTM vor dem Ausstieg zum Saisonende. Motorsport-Magazin.com, warum der Hersteller aus Stuttgart dieses Jahr so stark auftritt.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Mercedes dominiert das Geschehen in der DTM-Saison 2018. Die Meisterschaft führt in allen drei Wertungen nur über die Stuttgarter - und das in der vorerst letzten Saison des Herstellers in der Tourenwagenserie. Motorsport-Magazin.com erklärt, warum Mercedes dieses Jahr so stark ist.

#1 - Die Regeländerungen

Ausgangspunkt für die Mercedes-Stärke waren die Regeländerungen über den Winter. Um den dreifachen Meister Audi einzubremsen, gab es Einschränkungen im aerodynamischen Bereich. So wurde Audi vor allem seiner großen Stärke, der Aero in den Radkästen, beraubt.

Dass sich Audi in der Saison nach dem dreifachen Titelgewinn mit den neuen Einheitsteilen so schwer tun würde, war schon bei den Testfahrten in Hockenheim vor der Saison abzusehen gewesen.

Dabei betonte selbst Mercedes-Teamchef Uli Fritz vor dem Saisonstart, dass ein möglicher Abfall der Performance eines Herstellers nicht darauf zurückzuführen sei, ob gute Arbeit geleistet wurde. "Die Herausforderung an die Hersteller wird sein, wie jeder mit dem neuen Paket klarkommt", sagte Fritz im März. "Das hat überhaupt nichts mit den Fähigkeiten der Hersteller zu tun, sondern damit, wie das bestehende Konzept - man darf ja nicht das ganze Auto verändern - diese neuen Teile annimmt." Beim Mercedes C-Coupe passten sie offenbar wie die Faust aufs Auge.

#2 - Das Qualifying

Im Gegensatz zu Audi in den letzten Jahren, dominiert Mercedes das Geschehen nicht unbedingt im Renntrim. In den Rennen ist BMW nur leicht unterlegen und das zunächst abgeschlagene Audi konnte zumindest ein wenig aufholen. Auch, wenn es seitens einiger Fahrer wie Timo Glock immer wieder heißt, dass der Mercedes-Motor am stärksten sei.

Der große Pluspunkt für Mercedes ist das Qualifying. Gary Paffett erzielte am Sonntag in Brands Hatch die achte Mercedes-Pole in Folge - DTM-Rekord! In den bisherigen zwölf Saisonrennen startete zehn Mal ein Mercedes-Fahrer von der Pole. Nur Timo Glock (Hockenheim) und Philipp Eng (Lausitzring) konnten die Mercedes-Dominanz zwei Mal durchbrechen.

Es sind aber nicht nur die Poles, sondern die Gesamtleistungen von Mercedes im Qualifying, die den Unterschied ausmachen. In elf von zwölf Rennen starteten jeweils mindestens zwei Mercedes-Fahrer aus den ersten beiden Reihen.

Noch krasser: Am Hungaroring qualifizierten sich fünf Mercedes auf den ersten fünf Plätzen, auch am Norisring-Sonntag standen fünf Mercedes ganz vorne. Am Zandvoort-Samstag erzielte die Marke mit dem Stern eine Vierfach-Pole, zuletzt in Brands Hatch Doppel- respektive Dreifach-Pole.

Gary Paffett hat 2018 schon 4 Pole Positions erzielt - Foto: LAT Images

#3 - Die Renn-Strategien

Die absolute Dominanz im Qualifying lässt Mercedes großen Spielraum bei den Renn-Strategien. Selbst bei Fahrern auf den sowieso schon vorderen Plätzen können die Strategen die Taktik splitten und beispielsweise einen Fahrer aus dem Pole-Quartett früh an die Box beordern. Das sichert Mercedes gegen ein Safety Car ab, ohne den jeweiligen Fahrer komplett opfern zu müssen.

Und da Überholmanöver in der DTM weiterhin ein Kunststück sind, kann sich Mercedes mit seiner Armada in den vorderen Reihen perfekt gegen die Konkurrenz absichern. Bei vier Mercedes auf den vorderen Plätzen muss schon einiges schiefgehen, um zumindest den Doppelsieg zu gefährden.

Und tatsächlich lief sogar einiges anders als geplant. In Ungarn (Mercedes-Fünffach-Pole) siegten dank des Wetter- und Boxengassen-Chaos letztendlich drei BMW. Am Norisring (Mercedes-Fünffach-Pole) schnappte erneut Marco Wittmann den Stuttgartern den sicher geglaubten Sieg vor der Nase weg. In Zandvoort (Vierfach-Sieg) sowie Brands Hatch mit dem Sieg beziehungsweise Doppelsieg ließ Mercedes dann nichts mehr anbrennen.

#4 - Die Rennstrecken

In der DTM gibt es seit jeher Rennstrecken, die einem Hersteller besser liegen als dem anderen. Oder schlechter, wie BMW in der Vergangenheit immer wieder am Lausitzring unter Beweis gestellt hatte. Diesmal lief es für die Münchner wesentlich besser in der Lausitz, dafür strauchelten sie zuletzt in Zandvoort und Brands Hatch.

Mercedes hingegen konnte bislang auf jeder Strecke überzeugen. Bei allen sechs Veranstaltungen erzielten die Stuttgarter mindestens einen Sieg. An jedem Rennwochenende, mit Ausnahme des Budapest-Chaos, erzielten sie mehr Punkte als der jeweils zweitstärkste Hersteller. Das schlägt sich in der Hersteller-Wertung nieder: Mercedes hat mit 677 Punkten mehr als BMW (404) und Audi (2013) zusammen.

Mit Misano folgt in gut einer Woche eine absolute Unbekannte für alle Hersteller - und dazu noch das erste Nachtrennen in der Geschichte der DTM. Anfang September folgt der Nürburgring, wo Mercedes seit 2012 drei von neun Rennen gewann. In Hockenheim beim Finale ist Mercedes traditionell stark, knifflig werden könnte es nur beim vorletzten Rennwochenende in Spielberg: Mercedes gelang seit 2011 kein einziger Sieg auf dem Red Bull Ring. Diesmal erhält der Hersteller zumindest moralische Unterstützung in Form von Gaststarter Sebastien Ogier in einem siebten Mercedes-Rennwagen.

#5 - Die Fahrer

Das Auto-Paket allein reicht nicht zum Gewinn einer Meisterschaft. Auch die Fahrer müssen passen. Hier ist Mercedes mit den drei Champions Gary Paffett, Paul Di Resta und Pascal Wehrlein sowie Lucas Auer und Edo Mortara bombenstark aufgestellt. Nur Dani Juncadella fiel bislang ab, doch selbst der Spanier gewann in Brands Hatch sein erstes DTM-Rennen im 66. Anlauf.

Das Mercedes-Sextett führt die ewigen Statistiken im Vergleich zu Audi und BMW in den Kategorien Rennen, Siege und Podestplätze an. Und während Audi (Robin Frijns) und BMW (Philipp Eng, Joel Eriksson) in dieser Saison auf Rookies setzen, kommen bei Mercedes ausschließlich Fahrer mit reichlich DTM-Erfahrung zum Einsatz. Ein weiterhin wichtiger Vorteil in der DTM, trotz Vorjahres-Rookiemeister Rene Rast und dem in dieser Saison starken Österreicher Eng.

Wenn das Auto dann noch passt, blühen Haudegen wie Paffett und Di Resta so richtig auf. Vor allem Erstgenannten gelingt es wie schon lange nicht mehr, die großen Highlights zu setzen: Paffett hat die meisten Poles und Siege aller Fahrer auf dem Konto. Di Resta überzeugt hingegen seit Jahren mit Konstanz: In dieser Saison fuhr er mit Ausnahme eines Rennens stets in die Punkte.

Mercedes eilt 2018 vonm Sieg zu Sieg - Foto: LAT Images

#6 - Die Risiken

Große Aufgabe für Mercedes: Den Team-Spirit bei den kommenden vier Rennwochenenden hochzuhalten. Ultra-ambitionierte Fahrer wie Wehrlein, Mortara und Auer haben mit dem starken natürlich eigene Ansprüche und kämpfen gleichzeitig um ihre Zukunft.

Ersten Ärger gab es schon, als Wehrlein in Zandvoort am Mikro Qualifying-Strategien ('Paffett muss eine freie Runde bekommen') ausplapperte. Zuletzt in Zandvoort schien die Stimmung bei Mercedes allerdings gut zu sein. Geht es so weiter, steht den Titelgewinnen zum Abschied aus der DTM nichts mehr im Wege.

Einziges Manko in den Rennen: die Boxenstopps. Schon mehrfach dauerten die Reifenwechsel in wichtigen Situationen zu lange. Etwa beim Sonntags-Rennen in Zandvoort, als Gary Paffett länger als nötig auf seinem Boxplatz warten mussten. So gelang es Noch-Meister Rene Rast, die Führung zu übernehmen und den ersten Sieg für Audi einzufahren.

Mercedes-Fahrer im Statistik-Check 2018

Fahrer Siege Podestplätze Poles Punkte
Gary Paffett 3 7 4 177
Paul Di Resta 2 4 1 148
Lucas Auer 0 4 2 110
Edo Mortara 2 3 1 101
Pascal Wehrlein 0 1 0 84
Daniel Juncadella 1 2 2 57

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