DTM

DTM 2018: ARD wohl raus - Berger druckst bei TV-Zukunft herum

Offiziell ist es nicht, aber die ARD soll ab 2018 nicht mehr TV-Partner der DTM sein. Gerhard Berger will sich nicht klar zur Fernseh-Zukunft äußern.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Top-Stimmung und beinahe Zuschauerrekord beim DTM-Finale in Hockenheim. Nach einer stark politisch geprägten Saison fand die Tourenwagenserie einen versöhnlichen Abschluss. Die Demofahrten der Super GT-Rennwagen trugen ihr Übrigens dazu bei, dass in der DTM eine positive Grundstimmung herrscht wie schon lange nicht mehr. Hinter den Kulissen ist aber nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen.

Gerhard Bergers größte Baustelle neben der Zukunft ab 2019, wenn Mercedes die Serie verlassen hat, ist brandaktuell. Es geht um die Fernseh-Zukunft der DTM, nachdem der Vertrag mit Langzeitpartner ARD zum Saisonende ausläuft. Es verdichten sich die Anzeichen, dass der öffentlich-rechtliche Sender die DTM ab 2018 nicht mehr live übertragen wird.

ARD: Kein Angebot für Live-Rechte

Bei der Ausschreibung der TV-Rechte soll das Erste kein Angebot für die Live-Übertragungsrechte abgegeben haben. Stattdessen nur für die Zweitverwertung, um die DTM künftig in der Sportschau oder den dritten Programmen platzieren zu können. Weder von der ARD noch von der ITR gibt es derzeit offizielle Aussagen, doch im Fahrerlager von Hockenheim hieß es hinter vorgehaltener Hand: Die ARD ist raus nach 18 Jahren TV-Zusammenarbeit.

Gab Moderator Claus Lufen nach dem Sonntagsrennen gar einen dezenten Hinweis? "Damit sind wir durch in der ARD mit der DTM", sagte der Moderator zum Abschluss, ohne auf ein Wiedersehen in der kommenden Saison oder Ähnliches hinzuweisen.

TV-Zukunft: Berger druckst rum

Auch Berger, bislang ein Mann klarer Worte, druckste zum Thema TV-Zukunft der DTM herum. Auf die Frage von Motorsport-Magazin.com, bis wann er mit einer Entscheidung rechne, antwortete er scherzhaft: "Am Freitag vor dem ersten Rennen." Solange wird es sicherlich nicht dauern, bis die DTM einen neuen Fernsehpartner gefunden hat. Doch die Zeit drängt, gilt die Einschaltquote schließlich als wichtigster Gradmesser für Hersteller und Sponsoren, die ebenfalls planen müssen.

Wer den Job künftig übernehmen soll, ist unklar. Die Pro-SiebenSat-1-Mediengruppe soll sich ebenso beworben haben wie Red Bulls Haussender Servus TV. Beide Sender - in dem Fall kabel eins und Servus TV - haben in der Vergangenheit mit ADAC GT Masters oder der MotoGP gezeigt, dass sie die Anforderungen, die der Motorsport stellt, erfüllen können. Aber: Quotenmäßig werden sie nie an einen TV-Riesen wie die ARD heranreichen.

Volles Haus beim DTM-Finale in Hockenheim - Foto: DTM

Berger: Da muss sich die ARD Gedanken machen

In der DTM-Saison 2017 schalteten im Schnitt 0,91 Millionen Zuschauer bei den 18 Rennen ein. Ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr, als durchschnittlich 0,94 Millionen die Rennen am Fernseher verfolgten. Bei den Sonntagsrennen schauten im Schnitt mehr als eine Million Menschen zu, nur der Samstagslauf drückte die Quote nach unten.

Das zeigte sich selbst beim Hockenheim-Finale, als samstags nur 0,59 Millionen Zuschauer den Fernseher für die DTM einschalteten - der zweitschlechtesten Quote seit der BMW-Rückkehr im Jahr 2012. Berger zur mauen Ausbeute: "Da muss sich der Sender Gedanken machen, ob er zu wenig Werbung macht. Es kann nicht sein, dass dort die zweitschlechteste Quote ist und an der Rennstrecke sind wir auf dem Weg, den Allzeitrekord zu knacken."

Berger: Wenn man sich bemüht, dann geht auch was

Laut ITR-Angaben besuchten 152.000 Fans das Wochenende in Hockenheim. Der Rekord in der neuen DTM liegt bei 154.000 Zuschauern vor Ort. Wie sich Berger diese positiven Zahlen an der Strecke erklärte? "Wenn wir kein Rahmenprogramm und nichts hätten, dann hätten wir auch nur die Hälfte der Leute da. Wir machen halt unsere Hausaufgaben. Wir sorgen für Sport Rad an Rad, für Konzerte, dass die Japaner da sind und all sowas. Da sieht man: Wenn man sich bemüht, dann geht auch was."

Eine weitere Spitze gegen die ARD, nachdem Berger und DMSB-Präsident Hans-Joachim Stuck kurz vor dem Rennwochenende im Interview mit dem kicker bereits Kritik geäußert hatten. Am Sonntagmorgen in Hockenheim sagte Berger dann: "Bis auf den Norisring war es mit der ARD eine gute Übertragung. Da tut mir schon das Herz weh als Motorsportler, wenn die Fans das dann nicht sehen können. Ich weiß, dass es da Umstände zu gab und dass es eine Konsequenz aus einer anderen Sache heraus war. Trotzdem, da wünsche ich mir einfach mehr."

Sender wie kabel eins, Servus TV oder auch Sport 1 könnten der DTM problemlos mehr Übertragungszeit einräumen. Doch genügen diese vergleichsweise kleinen Sender den Ansprüchen der DTM, die sich noch immer als Premiumserie sieht und entsprechende Reichweite einfordert? Namen wie ZDF oder RTL klingen verführerischer, doch die Realität sieht offenbar anders aus. Angesichts des aktuellen Schweige-Kurses aller Beteiligten dürfte es noch eine ganze Weile dauern, bis eine Entscheidung in Sachen TV-Zukunft bekanntgegeben wird.


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