DTM / Hintergrund

Allan McNish – ein Schotte im finnischen Schatten

Während Mika Häkkinen schon beim dritten DTM-Einsatz Aufsehen erregende Erfolge einfuhr, erscheint Allan McNishs Weg an die DTM-Spitze noch hart und steinig.
von Wolfgang André Schmitz

Motorsport-Magazin.com - Finnland gegen Schottland. So wenig diese beiden nordeuropäischen Länder abseits der Rennstrecken dieser Welt verbinden mag, so oft kommt es im Motorsport zu Kämpfen und Vergleichen zwischen Rennfahrern jener Nationalitäten. Sowohl in der Rallye-WM, wo Colin McRae in der Endabrechnung allzu oft hinter seinem finnischen Rivalen Tommi Mäkinen landete, als auch in der Formel 1, wo David Coulthard jahrelang an seinen finnischen Teamkollegen Mika Häkkinen und Kimi Räikkönen zu verzweifeln drohte und Allan McNish 2002 nach einem verlorenen Kampf gegen seinen Toyota-Teamgefährten Mika Salo seine erste und zugleich letzte Saison bestritt, hatten die Schotten das Nachsehen.

Heute befindet sich Colin McRae im wohl verdienten Ruhestand; David Coulthard lässt seine Formel-1-Karriere im gänzlich unfinnischen Team Red Bull Racing ausklingen. Lediglich Allan McNish muss sich nach seinem Einstieg in die DTM weiterhin an einem Finnen messen lassen, wobei erschwerend hinzukommt, dass dieser nicht Mika Salo heißt, sondern kein Geringerer als Formel-1-Doppelweltmeister Mika Häkkinen ist.

Sowohl Häkkinen für Mercedes als auch McNish für Audi bestreiten als ehemalige Formel-1-Piloten ihre erste DTM-Saison in einem aktuellen Fahrzeug und waren somit von Beginn an einem hohen Medieninteresse ausgesetzt. Doch während das Interesse an Mika Häkkinen nach den ersten drei Saisonrennen in Schwindel erregende Höhen stieg, beachtet kaum noch jemand die Debütsaison Allan McNishs. Wieder einmal hat ein Finne den finnisch-schottischen Schlagabtausch für sich entschieden. Nachdem Häkkinens DTM-Debüt in Hockenheim ähnlich verhalten wie das McNishs ausfiel, steigerte sich der 20-fache Grand-Prix-Gewinner über einen Podestplatz auf dem Eurospeedway bis hin zum ersten Sieg in Spa-Francorchamps. Mehr Konstanz in Bezug auf die Ergebnisse legt zum Leidwesen Audis der Schotte an den Tag.

Das "unterhaltsame" Rennen

Nach einem 14. Platz im Qualifying, mit dem er immerhin den von Platz 15 startenden Häkkinen übertraf, platzierte der Le-Mans-Sieger von 1998 seinen schwarzen A4 nach einem unspektakulären Rennen in Hockenheim auf Platz elf – mit 14 Sekunden Rückstand auf den letzten Punkterang, den zufällig ein gewisser finnischer C-Klasse-Fahrer belegte. Ein negatives Fazit mochte McNish dennoch nicht ziehen: "Es war ein unterhaltsames Rennen. Aber der letzte Satz Reifen hatte kaum Grip, ich konnte vor den Kurven nicht mehr so spät bremsen. Ich hatte keine Chance, meinen Platz in den Top Ten gegen meinen alten Rivalen Mika zu verteidigen, der mich neun Runden vor Schluss überholt hat. Wir haben an diesem Wochenende viele wertvolle Daten gesammelt, das wird uns in den nächsten Rennen helfen." Dennoch: Auch ein besserer letzter Reifensatz hätte wohl weder den Unterhaltungswert noch den Erfolg seines Rennens wesentlich gesteigert...

Das "recht gute" Rennen

Trotz der "wertvollen Daten" aus Hockenheim blieb der seit letzter Woche stolze Vater seines Sohns Finlay auch bei seinem zweiten Einsatz auf dem Eurospeedway Lausitz der siebten Startreihe treu. Vom 13. Startplatz aus arbeitete sich McNish etwas vor, kollidierte allerdings kurz vor Halbzeit des Rennens mit Opel-Pilot Fässler, nahm infolgedessen einen kurzen Umweg durch die ostdeutsche Vegetation und stellte seinen Audi schließlich mit gebrochener Radaufhängung in der Box ab. Der 35-Jährige nahm es sportlich: "Ich bekam in der ersten Kurve einen Schlag von hinten, dabei wurde der hintere rechte Kotflügel beschädigt. Durch den fehlenden Abtrieb hat mein Auto etwas übersteuert. Trotzdem lief es recht gut. Nach dem ersten Boxenstopp, der sehr schnell war, habe ich den Fehler eines Gegners genutzt. Ich lag neben ihm auf halber Höhe, als er einlenkte. Ich glaube, er hat mich gar nicht gesehen. Wir haben uns berührt, und das war das Ende meines Rennens. That´s racing..."

Das "enttäuschende" Rennen

Auch im belgischen Spa-Francorchamps zeigte sich der Schotte trotz fehlenden Schottenrocks traditionsbewusst und startete aus Startreihe sieben. Im Rennen vermochte McNish erneut nicht ganz zu überzeugen. So fuhr er unauffällig auf Rang neun vor, doch bevor er infolge des Crashs Bernd Schneiders Rang acht hätte erben können, stoppte ihn ein Reifenschaden. "Das Ergebnis war enttäuschend. Ich habe einen möglichen sechsten Platz durch einen Reifenschaden verloren. Der Reifen explodierte am Ende der Geraden, damit war mein Rennen beendet. Davor war ich ganz gut unterwegs, obwohl die linke Tür leicht aufstand. Das hat hinten Abtrieb gekostet. Das Auto hat vor allem in Rechtskurven übersteuert, die Eau Rouge war deshalb etwas zu aufregend." Wie der Audi-Neuzugang gedachte, sich während der letzten beiden Runden an Laurent Aiello und Martin Tomczyk vorbeizuschieben und Rang sechs zu erobern, wird wohl sein Geheimnis bleiben...

Die Restsaison: Nichts ist unmöglich?

Allan McNishs eher enttäuschender Start in die DTM überrascht. Angesichts seiner häufigen Serien- und Teamwechsel, die er meist erfolgreich meisterte, waren ihm eine kurze Eingewöhnungsphase im Audi A4 DTM sowie ein erfolgreiches DTM-Debüt durchaus zuzutrauen. Nach drei absolvierten Rennen ist es zurzeit allerdings eher fraglich, ob der erfolgreiche Sportwagenpilot die in ihn gesetzten Erwartungen kurz- bis mittelfristig erfüllen kann, obgleich zumindest im Rennen durchaus eine kontinuierliche, allerdings nur sehr dezente Formsteigerung erkennbar war. Insbesondere im Qualifying besteht deutlicher Verbesserungsbedarf, um in Form eines Abschieds von der vertrauten siebten Startreihe und eines Einzugs in die Super Pole den Grundstein für viel versprechende Rennresultate legen zu können. Dass jedoch "nichts unmöglich ist", so auch das Heraustreten aus dem übergroßen finnischen Schatten in der DTM, sollte der 1,65 Meter kleine Schotte in seiner Zeit bei Toyota gelernt haben...


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