Mathematiker werden sie noch erkennen, die Titelchancen für Robert Wickens und Mercedes. Kein Wunder, hat der Kanadier ja "nur" 55 Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Marco Wittmann. Zu vergeben sind immerhin noch 75 Punkte. Doch zwischen Mathematik und Realismus liegen oft Welten. Damit sich Wickens am Ende tatsächlich erstmals zum DTM-Champion krönen kann, benötigt er nicht nur selbst drei absolute Spitzenergebnisse, sondern gleichzeitig drei schlechte Rennen sowohl von Edoardo Mortara, als auch von Wittmann.

Tendenz bei Wickens stark fallend

Noch in Moskau fuhr Robert Wickens der Konkurrenz davon -, Foto: DTM
Noch in Moskau fuhr Robert Wickens der Konkurrenz davon -, Foto: DTM

Dabei zeigt die Formkurve eher in die genau entgegengesetzte Richtung. Für Mortara stehen nun zwei Siege in Folge zu Buche, Wickens dagegen sammelte einschließlich des zweiten Rennens in Moskau nur 13 Punkte in den letzten vier Rennen. In Budapest konnte er sich innerhalb der - gewichtsbedingt - chancenlosen Mercedes-Mannschaft immerhin auf Rang zwei hinter Felix Rosenqvist halten, doch das wird kein Trost sein. Am Sonntag droht ein ähnliches Ergebnis, spätestens dann ist auch jegliche Mathematik vorüber.

Entsprechend ist der Realismus bereits jetzt in die Aussagen der Verantwortlichen eingeflossen. "Um ehrlich zu sein, denke ich das nicht", so Wickens auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com, ob er sich noch Titelchancen ausrechnet. "Ich werde aber nicht aufgeben. Ich werde versuchen noch etwas Spaß zu haben, das hatte ich auch zur Mitte der Saison und dann wurde ich ernst. Ich will wieder zu diesem Spaß zurückkehren", vermisst Wickens die Leichtigkeit des Seins.

Die Ursache liegt in Budapest ganz klar im Performance-Gewicht. Satte 25 Kilo lagen im ersten Qualifying zwischen Audi und Mercedes. Ein Nachteil, der nicht zu kompensieren war, wie Teamchef Ulrich Fritz klarstellt. "Das sind sechs Zehntel. Wir haben auch zwei 40-Tonner gebraucht, um das ganze Gewicht hierher zu bringen. Die sechs Zehntel haben uns dann im Qualifying gefehlt und dann hast du das Problem, dass es in der DTM sehr schwer ist zu überholen", erklärte Fritz auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com.

Bester Mercedes in Budapest: Felix Rosenqvist -, Foto: DTM
Bester Mercedes in Budapest: Felix Rosenqvist -, Foto: DTM

Immerhin zeigte Wickens einen Raketenstart und sprang noch in Runde eins von Platz 17 bis auf Rang zehn nach vorne. Danach war aber Schluss mit der Aufholjagd. "Wenn man im Nachhinein alles betrachtet, hätte schon das Ergebnis in der Qualifikation besser sein müssen", weiß auch Wickens.

Zu wenig Konstanz

Dabei ist es erst fünf Wochen her, als Wickens nach seinem Sieg in Rennen eins von Moskau die Führung in der Meisterschaft übernahm. Doch seither durchschreitet der Kanadier eine Phase, die er nicht zum ersten Mal in dieser Saison erlebt. Allein die Dauer ist extrem. Sowohl am Red Bull Ring, als auch am Norisring blieb er in jeweils beiden Rennen komplett ohne Punkte, nur um beim darauf folgenden Lauf wieder zuzuschlagen. Nach dem Gastspiel in Spielberg sammelte er 30 Punkte am Lausitzring, auf das Norisring-Wochenende folgten immerhin 25 Zähler.

Doch auch wenn Mercedes in Ungarn nicht vom Bannstrahl des Performance-Gewichts getroffen worden wäre, so war der Titel bereits zuvor so gut wie unmöglich. Budapest liefert nur die endgültige Bestätigung, Stichwort Mathematik. Gegen erdrückende Konstanz (Wittmann) oder die Höchstzahl an Siegen (Mortara) konnte Wickens auf Strecke zu wenig ausrichten.

"Wenn man jetzt 55 Punkte zurückliegt und weiß, dass nur noch 75 Punkte zu holen sind, dann wird es natürlich schwierig das ganze Thema dann realistisch zu sehen. Wir werden bis zum Schluss kämpfen, bis zum Schluss Gas geben und das Beste draus machen und dann werden wir sehen, wo wir rauskommen", gibt sich daher auch Ulrich Fritz keinen Illusionen hin. Der Realismus hat die Mathematik bereits geschlagen.