DTM

Die DTM-Vorschau für das Wochenende in Budapest

In Ungarn kann Marco Wittmann den Titelgewinn klar machen. Audi und Mercedes geben sich nicht geschlagen und wollen ein echtes Finale in Hockenheim.
von Chris Lugert

Motorsport-Magazin.com - Nach einem Jahr Abstinenz kehrt die DTM nach Budapest zurück. Auf dem Hungaroring findet der vorletzte Saisonlauf statt, die Meisterschaft könnte bereits entschieden werden. Marco Wittmann reist mit besten Erinnerungen nach Ungarn, gewann er doch dort das Rennen 2014. Um dem BMW-Piloten seinen zweiten Titel noch entreißen zu können, benötigen Audi und Mercedes ein starkes und auch glückliches Wochenende.

BMW vor dem achten Rennwochenende in Budapest

Mit 33 Punkten Vorsprung geht Marco Wittmann in das vorletzte Wochenende der Saison. Sein Sieg und der darauf folgende dritte Platz am Nürburgring brachten den 26-Jährigen seinem zweiten Titelgewinn wieder ein Stück näher. Noch 100 Punkte sind zu vergeben, bedeutet: Baut Wittmann seinen Vorsprung um weitere 18 Punkte aus, ist er Meister. Die Vergangenheit spricht für Wittmann. Bei der bisher einzigen Ausgabe 2014 gewann er das Rennen - und krönte sich später zum Champion.

Ich finde es super, dass wir nach einem Jahr Pause wieder in Budapest fahren.
Marco Wittmann

"Ich finde es super, dass wir nach einem Jahr Pause wieder in Budapest fahren", freut er sich entsprechend auf die Rückkehr. "Ich verbinde mit der Strecke gute Erinnerungen. 2014 war ich dort sehr erfolgreich und konnte von der Poleposition einen Start-Ziel-Sieg feiern. Es wäre schön, wenn es in diesem Jahr ähnlich laufen würde", so Wittmann weiter. BMW steuert also dem Titel entgegen, der nach Ansicht einiger Kritiker nur aufgrund der vor der Saison erteilten Zugeständnisse ermöglicht wurde.

Diesem Argument erteilt Augusto Farfus eine Absage. "Wir haben nicht das schnellste Auto auf der Strecke, was man auch daran sieht, dass wir oft das leichteste Auto haben", stellt der Brasilianer klar, dass Audi und Mercedes immer noch Vorteile bei der Pace haben. "Wir haben also nicht das beste Paket, aber wir arbeiten als Team gut zusammen und sind clever bei Setup-Änderungen", begründet er die dennoch starken BMW-Boliden.

Marco Wittmann fährt eine überragende Saison - Foto: DTM

Wittmann mache als Fahrer aber ebenso einen großen Unterschied. "Marco ist ein unglaublich kompetenter und talentierter Fahrer und aus irgendeinem Grund, passt das Auto zu ihm wie ein Handschuh. Er schafft es, wie schon 2014 mit seinem Team genau die richtigen Abstimmungsdetails zu finden", lobt Farfus seinen Markenkollegen. Die Krönung Wittmanns könnte schon in Budapest erfolgen.

Audi vor dem achten Rennwochenende in Budapest

Bei Audi hat sich das Blatt in der Meisterschaft gewendet. Nicht mehr Jamie Green ist der heißeste Anwärter auf den Titel, sondern Edoardo Mortara. Der Sieg im Sonntagsrennen und der gleichzeitige 16. Rang von Green spülten den Italo-Schweizer auf Rang zwei in der Meisterschaft. Nun ist Mortara der erste Verfolger Wittmanns. "Der Nürburgring war sicher ein positives Rennwochenende für mich, meine Titelchancen sind ein bisschen besser geworden", stellte er zurecht fest.

Wenngleich jetzt quasi in jedem Rennen die Punkte sprudeln müssen, wird Mortara kein Risiko scheuen. "Ich muss riskieren. Ich bin 33 Punkte hinter Marco, ohne Risiko wird es schwierig. Wir werden sehen, wo wir stehen und was wir machen können", so der Audi-Pilot über die Zwickmühle, in der er sich befindet. Mortara belegte beim DTM-Gastspiel in Budapest 2014 den vierten Platz.

Edoardo Mortara ist Audis derzeit größte Hoffnung im Titelkampf - Foto: DTM

Wie sein Fahrer, so weiß auch Dieter Gass, dass Boden gut gemacht werden muss. "Es ist klar, dass wir am Budapest-Wochenende mehr Punkte als die Konkurrenz erreichen müssen, um uns in eine gute Ausgangsposition für die finale Attacke in Hockenheim zu bringen", schildert Audis DTM-Leiter. Um perfekt vorbereitet zu sein, wurden im Vorfeld des Rennens noch einmal tiefgreifende Analysen vollzogen.

In erster Linie wollen wir unsere Qualifying-Performance verbessern.
Dieter Gass

"In erster Linie wollen wir unsere Qualifying-Performance verbessern und unsere Autos in der Startaufstellung weiter nach vorne bringen. Das wird auf dem Hungaroring besonders schwierig, weil wir uns dort genau damit bereits 2014 schwergetan haben", erinnert Gass sich zurück. Damals musste sich Audi einer Armada von BMW geschlagen geben, in die nur Miguel Molina mit Rang drei im Qualifying eindringen konnte. Adrien Tambay als Siebter war damals der zweitbeste Nicht-BMW.

Mercedes vor dem achten Rennwochenende in Budapest

Langsam, aber sicher muss sich Mercedes vom Titeltraum in der DTM verabschieden. Nach nur zwei Pünktchen - die auch noch glücklich zustande kamen - hat der einzig verbliebene Titelkandidat Robert Wickens nun 50 Punkte Rückstand auf die Spitze. Ein quasi hoffnungsloses Unterfangen. "Mit Blick auf die Meisterschaft ist Budapest ein 'alles oder nichts'-Wochenende für uns", kündigt der Kanadier an.

Wir waren in diesem Jahr bislang sehr konkurrenzfähig auf Strecken mit einer sehr glatten Oberfläche.
Robert Wickens

Für das Wochenende in Budapest sieht sich Wickens jedoch gewappnet - auch dank des neuen Asphaltbandes. Dieses wurde in diesem Jahr verlegt und veränderte die Charakteristik der Strecke entscheidend. "Wir waren in diesem Jahr bislang sehr konkurrenzfähig auf Strecken mit einer sehr glatten Oberfläche - zuletzt zum Beispiel in Moskau. In Spielberg, wo es ebenfalls einen neuen Asphalt gab, machten wir einige Fehler, aber am Ende waren wir schnell und erzielten sogar die schnellste Rennrunde", blickt er zufrieden zurück.

Ob allerdings mehr als ein gutes Wochenende im Bereich des Möglichen liegt, ist fraglich. Die Hoffnung auf den Titel gibt man bei Mercedes aber nicht auf. "Das Nürburgring-Wochenende war in Sachen Meisterschaftskampf sicher ein Rückschlag. Aber es sind noch 100 Punkte zu vergeben und in der DTM kann alles passieren", flüchtet sich Teamchef Ulrich Fritz in Floskeln.

Felix Rosenqvist fährt auch die letzten zwei Wochenenden der Saison für Mercedes - Foto: Gruppe-C GmbH
Nach dem Nürburgring fühle ich mich jetzt wie ein kompletter DTM-Fahrer und bin bereit für die kommenden Aufgaben.
Felix Rosenqvist

Bestätigt wurde im Mercedes-Lager inzwischen die Weiterbeschäftigung von Felix Rosenqvist zumindest für den Rest der Saison. Nachdem er in Moskau und am Nürburgring vor allem im Qualifying sehr starke Leistungen zeigte, entschied man sich bei Mercedes, den Schweden die Saison beenden zu lassen. "Ich glaube, es ist selten, dass ein Rookie in die DTM kommt und gleich voll bei der Musik ist, insbesondere wenn er erst ab Mitte der Saison ins Lenkrad greift. Felix hat aber genau das geschafft. Vor dieser Leistung muss man den Hut ziehen", stellte Fritz klar. Rosenqvist erklärt: "Nach dem Nürburgring fühle ich mich jetzt wie ein kompletter DTM-Fahrer und bin bereit für die kommenden Aufgaben."

Die Favoriten in Budapest

2014 dominierte BMW das Geschehen in Budapest nach Belieben, wenngleich das Rennen deutlich ausgeglichener war, als noch das Qualifying. Und auch 2016 spricht vieles für BMW. Ein komplett neuer Asphalt verhalf den Münchnern bereits am Red Bull Ring zu einer riesigen Dominanz, ähnlich könnte es auch in Budapest laufen. Zudem dürfte sich der breitere Heckflügel gerade auf dem Hungaroring besonders bemerkbar machen, schließlich fordert die Strecke mit ihren vielen Kurven eine gute Aerodynamik.

Das Performance Gewicht spricht dagegen für Audi, die Ingolstädter haben zumindest im ersten Qualifying 7,5 Kilo weniger an Bord. Mercedes dagegen muss erneut mit richtig schwerem Geschütz auffahren, 25 Kilo beträgt die Differenz zu Audi. Auf Fahrerseite könnte Marco Wittmann weitere Parallelen zu seiner Meistersaison 2014 schaffen. Damals gewann er am Nürburgring, in Budapest und wurde später Meister. Seine bislang beeidruckende Konstanz macht ihn auch in Ungarn zum Top-Favoriten.

Hungaroring in Budapest: Die Strecke

Streckendaten
Länge 4,381 km
Renndistanz Sprintrennen: 40 Minuten + 1 Runde
Hauptrennen: 60 Minuten + 1 Runde
Rundenrekord 1:37.556 (N. Müller, 2014)
Kurven 14
DRS-Aktivierungen Sprintrennen: 12 Runden
Hauptrennen: 18 Runden

Der Hungaroring ist in der Motorsportwelt bestens bekannt, die Formel 1 gastiert inzwischen seit 30 Jahren auf dem Kurs nahe Budapest. 2016 wurde die gesamte Strecke neu asphaltiert, die zuvor charakteristischen Bodenwellen sind nun nahezu verschwunden. Der Hungaroring zählt zu den Strecken, auf denen das Überholen besonders schwierig ist. Abgesehen von der Start-Ziel-Geraden und dem folgenden Geradeaus-Stück lässt die Strecke wenig Platz für verschiedene Linienwahlen. Besonders der Mittelsektor verlangt präzises Fahren und ein sehr gut liegendes Auto.

Zeitplan für das Budapest-Wochenende

Freitag, 23.09.
17:00 Uhr bis 17:30 Uhr: 1. Freies Training

Samstag, 24.09.
10:45 Uhr bis 11:15 Uhr: 2. Freies Training
12:35 Uhr bis 12:55 Uhr: Qualifying Rennen 1 (live auf One)
14:58 Uhr: Start Rennen 1 (live auf ARD)

Sonntag, 25.09.
10:45 Uhr bis 11:15 Uhr: 3. Freies Training
12:50 Uhr bis 13:10 Uhr: Qualifying Rennen 2 (live auf One)
15:13 Uhr: Start Rennen 2 (live auf ARD)


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