DTM

Von 50 Überholmanövern interessieren 49 nicht - TV-Deal: Die Hintergründe zum Vertrag

DTM und ARD arbeiten auch in Zukunft zusammen. Ein Ende der Gerüchte, dass die Serie einen neuen TV-Partner sucht. Probleme gab es aber immer wieder.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Am Ende bleibt alles beim Alten. Nach langer Wartezeit konnte sich der DTM-Rechtehalter ITR mit der ARD auf eine Fortführung des gemeinsamen Weges einigen. Bis 2017 werden alle Rennen - also samstags und sonntags - live im Ersten übertragen. Neu für die kommende Saison: Die Qualifyings werden künftig live beim Spartensender Einsfestival gezeigt. Ob sich an den Übertragungszeiten etwas im Vergleich zu 2015 ändern wird, ist noch nicht öffentlich bekannt.

Während der letzten Saisonrennen im vergangenen Jahr waren vermehrt Gerüchte im Fahrerlager aufgekommen, dass sich DTM und ARD nach langjähriger Zusammenarbeit trennen könnten. Gespräche beider Parteien dauerten lange an, ohne ein offizielles Ergebnis zutage zu bringen. Zu Beginn dieses Jahres stand die DTM erst einmal ohne exklusiven TV-Partner da, nachdem der Vertrag mit der ARD ausgelaufen war.

Die DTM wird weiter live in der ARD übertragen - Foto: DTM

Immer wieder Konflikte

In den vergangenen Jahren war es immer wieder zu Meinungsverschiedenheiten zwischen dem DTM-Lager und dem öffentlich-rechtlichen Sender gekommen. Streitpunkte waren vor allem die Übertragungslänge sowie die Präsentation der eigentlichen Protagonisten, also der Fahrer selbst. Spekulationen besagten sogar, dass das Tischtuch nach Ablauf des Vertrages Ende 2015 zerschnitten sein könnte. Doch es wäre nicht einfach geworden für die DTM, passenden Ersatz zu bekommen für den Sender, der ein Millionenpublikum bedient.

Schwierigkeiten mit dem Ersten räumte ITR-Chef Hans Werner Aufrecht dieses Jahr in einem ausführlichen Interview ein, das auch Motorsport-Magazin.com vorliegt. "Die ARD war in einigen Punkten nicht mit uns zufrieden, wir waren mit der ARD in manchen Punkten nicht ganz zufrieden", sagte Aufrecht 2015. "Da muss sich hinsetzen und schauen: Wo haben wir Verbesserungspotenzial? Wenn man allein an das Potenzial der ARD im Hörfunk denkt, dann ist da noch viel Luft."

Norbert Haug begleitete die DTM zuletzt als TV-Experte - Foto: Speedpictures

TV-Quote stark eingebrochen

Seit der Rückkehr der ‚Neuen DTM´ im Jahr 2000 arbeitet die Serie zusammen mit der ARD, seit 2005 in exklusiver Partnerschaft. Die TV-Quoten zeigten seit den vermeintlich guten, alten Zeiten der Tourenwagenserie eine rückläufige Tendenz. Erreichte die DTM 2005 noch Marktanteile von bis zu 15 Prozent, musste sie sich 2015 mit 8,3 Prozent begnügen. Immerhin: Im Vergleich zu 2014 wurde eine leichte Steigerung erzielt.

Die Rückkehr zum Format mit zwei Rennen pro Wochenende hat den Abwärtstrend gestoppt. Zusammen mit den Übertragungen der Qualifyings vom Norisring und Moskau hat die DTM in der vergangenen Saison in Deutschland 20,08 Millionen Live-Zuschauer vor die Bildschirme gelockt - durchschnittlich 2,23 Millionen pro Rennwochenende, und damit der beste Wert seit 2008. An die goldenen Zeiten von damals will aber schon länger niemand mehr denken. "Ich glaube nicht, dass wir das kurzfristig schaffen werden", sagte ARD-Koordinator für Sport Axel Balkausky im Jahr 2013.

Fans können die Qualifyings jetzt auch bei Einsfestival schauen - Foto: DTM

Scheider: eBike statt Tuning-Kiste

Im Vergleich zu den erfolgreichen 90er-Jahren muss sich die DTM inzwischen mit unzähligen Konkurrenzangeboten messen, die Freizeitmöglichkeiten sind wesentlich vielfältiger geworden. "Als ich 17 war, konnte ich es kaum erwarten, meinen Führerschein zu bekommen und mein tiefergelegtes Auto mit Felgen und Auspuff zu bestücken", sagte etwa DTM-Veteran Timo Scheider. "Heute ist das Interesse vielleicht anders. Heute steigt man aufs Elektrobike und fährt mit der S-Bahn in die Stadt und hat iPads, mit denen man spielt. Das ist der normale Lauf der Zeit."

Da sei es kein Wunder, dass der Sport - mit Ausnahme von König Fußball - im TV an Quote einbüße, wie ITR-Boss Aufrecht nicht müde wurde zu erwähnen. Ähnliche Probleme hat in der Tat auch der Motorsport-Klassenprimus Formel 1. Deshalb die Devise: Back to Basics, Besinnen auf die ursprünglichen Vorzüge des Rennsports.

"Wir brauchen Spannung, das will der Zuschauer sehen und erleben", sagte Aufrecht. "Es ist nicht der reine Überholvorgang, der interessiert. Denn von 50 Überholmanövern interessieren 49 nicht. Die Zuschauer wollen sehen, dass ein Fahrer besser ist als der andere. Ohne Gewicht, ohne Klappflügel." Gute Nachrichten: In Sachen Erfolgsballast wird es Regeländerungen geben, um für mehr Spannung am Wochenende zu sorgen - auch vor den Fernsehern.

TV-Quoten 2015 (Samstag / Sonntag in Mio.)

Hockenheim: 0,71 / 1,22
Lausitzring: 1,28 / 0,81
Norisring: 1,35 / 1,25
Zandvoort: 1,06 / 1,13
Spielberg: 1,12 / 0,93
Moskau: 0,97 / 1,01
Oschersleben: 0,65 / 1,17
Nürburgring: 0,82 / 0,78
Hockenheim: 0,71 / 1,28

Gesamtschnitt: 1,01
Samstag /Sonntag: 0,96 / 1,06


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