Exklusiv
DTM / Interview

Mir hat das Fahren nicht mehr so viel Spaß gemacht - Ralf Schumacher

Um Ralf Schumacher ist es ruhig geworden: Im Exklusivinterview mit Motorsport-Magazin.com erklärt er die Hintergründe seines Abschieds vom aktiven Rennsport.
von Frederik Hackbarth

Motorsport-Magazin.com - Als Fahrer bist Du dieses Jahr für Mercedes nicht mehr im Einsatz, trotzdem bist Du auch 2013 bei allen DTM-Rennen mit dem Team an der Strecke dabei. Kannst Du uns Deine Aufgaben ein bisschen genauer erläutern?
Ralf Schumacher: Im Grunde genommen muss man sagen: Dadurch dass Mücke in diesem Jahr an das HWA-Team komplett herangerückt ist und quasi der verlängerte Werksarm ist, sind die Voraussetzungen andere und zudem haben wir eine starke Fahrerpaarung - mein Job ist es nun, gemeinsam mit dem Team sicherzustellen, dass wir die gesteckten Ziele auch erfüllen. Das betrifft sowohl die Strategie als auch Entscheidungen an der Boxengasse. Auch geht es darum, zu schauen, dass der Ablauf mit dem Team besser funktioniert und einfach, dass die Bindung zwischen Mücke und HWA noch enger wird als sie schon war.

Ich wollte eigentlich gar nicht mehr fahren und wäre nur eingesprungen, wenn es gar nicht anders gegangen wäre.
Ralf Schumacher

Zudem sollst Du Dich ja auch ein bisschen um den Nachwuchs kümmern?
Ralf Schumacher: Ja, wobei die jungen Fahrer meine Hilfe jetzt nicht wirklich brauchen. Sicher kommen hier und da mal kleinere Fragen, aber insgesamt geht es schon mehr in die Richtung Teamchefaufgaben. Nachdem ich mich dabei aber ja um das Juniorteam kümmere, ist klar: Gerade wenn man jetzt wie zuletzt in Brands Hatch auf neue Strecken kommt, kommen von den Jungs die und die Fragen - dann ist es natürlich schon besser, wenn sie als Ansprechpartner jemanden wie mich dabei haben, der bisschen näher dran war.

Neue Position: Ralf Schumacher ist an den Kommandostand gewechselt - Foto: RACE-PRESS

Wie kam es denn zustande, dass es erst hieß, Du würdest diese Saison doch wieder in der DTM fahren und wenig später kam dann die Nachricht, dass dies nun doch nicht der Fall sein werde?
Ralf Schumacher: Es stimmt, dass die Kommunikation da ein bisschen unglücklich war. Ich wollte eigentlich gar nicht mehr fahren und wäre nur eingesprungen, wenn es gar nicht anders gegangen wäre. Mir hat das DTM-Fahren an sich nicht mehr so viel Spaß gemacht, weil ich mit dem Auto einfach nicht so klargekommen bin, wie ich mir das vorgestellt habe. Dementsprechend waren die Ergebnisse nicht da und ich habe ja schon in den Jahren davor gesagt: Wenn die Ergebnisse nicht da sind, dann lassen wir es lieber. Dann kam im Winter die Fitnesswoche, bei der ich mit den ganzen Jungs zusammen war und mir dort auch besonders den Pascal [Wehrlein] angeschaut habe - so sind wir beziehungsweise bin ich dann zu dem Schluss gekommen, dass es für das Team und uns alle so sinnvoller wäre. Daraufhin habe ich dann darum gebeten, dass wir all das hier so machen, wie es letztendlich nun auch gekommen ist.

Man darf nicht vergessen: Ich bin mittlerweile auch 38, so ist es ja nicht...
Ralf Schumacher

Für alle Außenstehenden kam die Entscheidung trotzdem etwas kurzfristig. Wäre es denn nicht noch einmal ein Anreiz gewesen, zu sagen, dass man dieses Jahr nun die Option-Reifen und das DRS hat... also interessante Stellschrauben, die am Kräftegleichgewicht noch einmal etwas verändern könnten?
Ralf Schumacher: Ja, aber das ändert ja nichts an der Sache... ich habe mich einfach schwer getan mit dem Konzept - das passt auf den einen Fahrer besser als auf den anderen. Im Tourenwagen war zwar das ein oder andere Jahr dabei, wo es auch ein paar ganz gute Ergebnisse gab - aber generell war das Thema für mich immer sehr schwer. Das hätte man jetzt auch ziehen können... aber für was? Um die Meisterschaft wäre ich nicht mitgefahren, also hätte ich nichts davon gehabt.

Also hatte es nichts damit zu tun, dass Du des Rennfahrerlebens mit den ganzen Reisen und dem Stress ein bisschen überdrüssig warst? Nun bist Du ja doch wieder an allen Wochenenden dabei, nur eben nicht mehr hinter dem Steuer - da hat sich also nichts geändert...
Ralf Schumacher: Die DTM ist ja nicht wirklich Stress. Es sind zehn Rennen, das ist überschaubar, genauso wie die Testfahrten hier. Bei mir war es so: Hier im Konzern hat sich so viel geändert, auch mit dem neuen Sportchef (Toto Wolff, d. Red.), den neuen Möglichkeiten und der neuen Herangehensweise, dass das Team Mücke herangerückt ist und ehrlich die Chance dazu hat, um Siege mitzufahren. Hinzu kommen noch die zwei jungen Piloten, so dass es nun für mich so fast interessanter ist, als selbst weiterzufahren. Außerdem darf man nicht vergessen: Ich bin mittlerweile auch 38, so ist es ja nicht...

Das Fahren im Kart macht Ralf Schumacher mittlerweile mehr Spaß - Foto: Van der Vaart Photographies

Zum Spaß fährst Du derzeit noch im ADAC Kart Masters mit - gibt es denn sonst weitere Pläne, irgendwann und irgendwo wieder einmal mit größeren Autos an- und einzugreifen?
Ralf Schumacher: Ich habe überhaupt nichts geplant. Im Moment mache ich das, was ich mache und das macht mir eine wahnsinnige Freude, weil es einem noch einmal eine andere Sichtweise beschert. Mein Sohn fährt ja auch im Kart Masters mit, deshalb bin ich ja da... und alles andere kommt für mich derzeit nicht in Frage.

Den Blick noch einmal in Richtung DTM gerichtet: Was tippst Du dieses Jahr in der Meisterschaft - wer hat die Nase am Ende vorne?
Ralf Schumacher: Ich glaube, dass es definitiv BMW zu schlagen gilt. Das haben sie auch dieses Jahr beim Auftakt in Hockenheim schon wieder eindrucksvoll bewiesen. Da müssen wir alle perfekt und ohne Fehler arbeiten, ansonsten wird das sehr schwer - das gilt für uns genauso wie für Audi.

Ralf Schumacher genoss in der DTM immer die familiäre Atmosphäre - daran hat sich nichts geändert - Foto: DTM

Was hältst Du vom aktuellen Geschehen in der Formel 1? Stichwörter: Finanzprobleme und massive Pirelli-Kritik...
Ralf Schumacher: Zu Pirelli ist zu sagen, dass man von ihnen etwas erwartet hat, das natürlich auch schwer zu erfüllen ist: Einen Reifen zu machen, der kaputtgeht, aber kontrolliert kaputtgeht. Es sei jetzt einmal dahingestellt, ob Pirelli die beste Marke für den Job ist, das weiß ich nicht - aber diese gestellte Anforderung ist natürlich schon sehr schwer und nun hat man es einfach übertrieben... Gott sei Dank aber scheinbar auch schnell erkannt und nun versucht man eben, es zu ändern. Was die Finanzschwäche betrifft, denke ich, dass die ganze Entwicklung irgendwo absehbar war. Wenn so riesengroße Budgets nötig sind und teilweise große Werke aus der F1 verschwinden, wie etwa BMW, dann ist zu sehen, dass das Ganze nicht leicht zu finanzieren ist, das ist ganz klar. Es gibt aber trotzdem nichts Vergleichbares und wird auch nichts Vergleichbares geben. Ich glaube, wenn man da mit gesundem Maß und Ziel dran arbeitet, wird das auch so bleiben. Die Frage ist aber natürlich, ob man dann genau zu diesem Zeitpunkt einen neuen Motor entwickeln muss...

Wenn Du Dich nun mehr in Richtung Teamchef-Position orientierst, ist es dann für Dich persönlich nicht vielleicht auch noch einmal interessant, ein Auge auf die Formel 1 zu werfen?
Ralf Schumacher: Nein, ich muss ganz ehrlich sagen, mir gefällt es hier in der DTM so gut, dass das nicht sein muss, denn es ist hier angenehmer zu arbeiten, man hat nur zehn Rennen, relativ kurze Wochenenden und die sind auch noch in Europa - man hat also die ehrliche Chance auf ein Familienleben. Mit der Formel 1 ist das im Gegensatz dazu eigentlich beendet, weil die Rennen im Ausland stattfinden, dazu sind die meisten Teams in England beheimatet und so gesehen ist meine Motivation da nicht mehr so groß, zumal ich nebenher auch noch viel zu viele andere, privatwirtschaftliche Dinge mache und einfach gerne die Zeit mit meiner Familie genieße, so dass ich das gar nicht mehr möchte.

Es ist in der DTM angenehmer zu arbeiten - man hat die ehrliche Chance auf ein Familienleben.
Ralf Schumacher

Wenn die DTM wie angedacht in die USA und nach Asien expandiert, könnte es mit dieser überschaubaren Wohlfühlzone aber auch ganz schnell wieder vorbei sein...
Ralf Schumacher: Natürlich wird es das geben können, allerdings liegt das doch noch ein gutes Stück in der Zukunft. Sicher ist das auch toll für die DTM und eine riesengroße Chance, wenn es dann vielleicht auch eigene Nation-Cups gibt und im Land selbst etwas parallel stattfindet... denn es wird unrealistisch, dass wir dann auf einmal quer durch die Welt reisen, zumal das ja auch nicht finanzierbar ist.


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