Der VW Passat R-Line ist ein alter Bekannter in neuem Anzug – und der sitzt, rein optisch, richtig gut. Das Design ist typisch Wolfsburg mit einem Hauch von Moderne. Die zusätzliche R-Line-Ausstattung verleiht dem Business-Kombi in seiner mittlerweile neunten Generation eine sportliche Note, die ihn auf den ersten Blick dynamischer erscheinen lässt, als er sich später auf der Straße zeigt. Doch dazu gleich mehr.
Beginnen wir mit den Stärken, denn davon gibt es einige: Wie von VW gewohnt, sind die Sitze überaus bequem – auch auf längeren Strecken. Der Innenraum präsentiert sich spürbar hochwertiger als beispielsweise beim von uns getesteten Tiguan. Besonders erfreulich: Die Spaltmaße stimmen, der Keder sitzt – endlich. Das Raumangebot ist üppig, der Kofferraum groß genug für alles zwischen Wanderausrüstung, Messegepäck und Wochenendeinkauf. Die Metallic-Lackierung „Chilirot“ und Farbakzente in „Grenadillschwarz“ sorgen für ein frische Abwechslung.

VW, Passat, R-Line
Alltagstauglich mit Schönheitsfehlern
Der Passat wirkt in vielen Details durchdacht: Die Mittelarmlehne ist zweiteilig zu öffnen, die automatische Anhängerkupplung sowie die Standheizung (wenn auch im Test nicht genutzt) sind willkommene Extras. Auch das Licht der Scheinwerfer ist überdurchschnittlich gut – ein wichtiger Faktor bei abendlichen Bergabfahrten. Das Soundsystem bleibt durchschnittlich, das Dekor im Innenraum mit schwarzem Klavierlack und Punktmustern sowie der auffällige Feuerlöscher am Beifahrersitz, muss man mögen.

VW, Passat, R-Line
Die Bedienung im Cockpit überzeugt mit schnellen und scharfen Displays – wobei sich die Klimasteuerung über die Touchflächen unterhalb des Hauptdisplays als unpraktisch erweist. Dass der Passat R-Line mit einer Sitzkühlung ausgestattet ist, erfreut zunächst – doch hat es über 30 Grad, scheint diese selbst auf höchster Stufe zu schwach zu sein, um wirklich zu kühlen. Auch die nicht modellgetreue Fahrzeugabbildung im Display stört das Gesamtbild eines Fahrzeugs, das eigentlich Premium-Ambitionen hegt.
Kraft auf dem Papier – aber nicht auf der Straße
Trotz nominell kräftiger 265 PS des 2,0-I-TSI-OPF-4MOTION-Aggregats, bleibt das Fahrerlebnis überraschend verhalten. Beim Beschleunigen fehlt dem Passat R-Line der Punch, den man bei dieser Leistungsangabe erwarten würde – fast so, als hätte der Motor deutlich weniger Leistung. Ein echtes R-Line-Gefühl kommt dabei leider nicht so ganz auf. Geschaltet wird mittels 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe. Die Höchstgeschwindigkeit wurde im Test zwar nicht ausgelotet, doch im Alltag zählt der Durchzug – und der bleibt unter den Erwartungen.

VW, Passat, R-Line
Fahrwerk mit Luft nach unten
Der größte Kritikpunkt ist das Fahrwerk. Der Passat R-Line wankt in Kurven und bei Richtungswechseln überraschend stark – und das bei einer angeblich sportlichen Abstimmung. Gerade in den kurvenreichen Passagen der Alpen enttäuscht das Fahrverhalten: schwammig, undefiniert und weit entfernt von dem, was man sich von einem R-Line-Modell verspricht.
Auch die Rückfahrkamera wirkt wie aus der Zeit gefallen – pixelig, kontrastarm, wenig hilfreich in engen Parklücken. Hier hinkt VW (auch Skoda, Cupra und Audi) der Konkurrenz deutlich hinterher. Und das trotz ansonsten fortschrittlicher Technik.

VW, Passat, R-Line
Fazit: Solider Dienstleister mit R-Line-Schminke und stolzem Preis
Der VW Passat R-Line bietet viel Platz, bequemen Komfort und eine gute Portion Alltagstauglichkeit – nicht zuletzt deshalb, bleibt er bei Dienstwagenfahrern und Außendienstlern beliebt. Wer aber auf echte Sportlichkeit hofft, wird enttäuscht. Das Fahrwerk passt nicht zum dynamischen Anspruch, der Antrieb bleibt blass, und manche Detailmängel stören den hochwertigen Ersteindruck.

VW, Passat, R-Line
Unser Testwagen kommt auf einen Einstiegspreis von 62.990 Euro. Samt allen Extras wie beispielsweise dem R-Line „Signature“-Paket, Fahrdynamikpaket „DCC Pro“ und Infotainment-Paket „Discover Pro Max“, ergibt sich ein Fahrzeugpreis von 76.520,00 Euro.

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