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Walter Röhrl: Formel E abartig, Elektromobilität keine Lösung

Die Elektromobilität hält nicht nur in der Automobilindustrie Einzug, sondern auch in den Motorsport. Rallye-Legende Walter Röhrl bringt das auf die Palme.
von Christian Menath
Rallye-Legende Walter Röhrl: Formel E ist abartig: (16:48 Min.)

Walter Röhrl ist viel mehr als 'nur' die deutsche Rallye-Legende. Der viermalige Sieger der Rallye Monte Carlo ist auch nach seiner aktiven Karriere dem Automobil treu geblieben. Seit nunmehr 25 Jahren ist er nicht nur Porsche-Markenbotschafter, sondern auch Entwicklungsfahrer. Und wer Röhrl kennt, der weiß, dass das nicht nur ein Jobtitel ist, sondern Ehrensache.

Röhrl war an der Entwicklung aller Porsche Supersportwagen maßgeblich beteiligt: Erst am 959, später am Carrera GT und zuletzt am 918 Spyder. Im letzten sogenannten Hypercar spielte erstmals die Elektrokomponente eine entscheidende Rolle. Die Systemleistung von knapp 900 PS stammt aus einem Verbrennungsmotor und zwei Elektromotoren.

"Wenn man auf der Autobahn mit 130 fährt und dann nur einen Millimeter Gas gibt, dann fährt das Ding los. Das geht nur mit dem Drehmoment des Elektromotors", so Röhrl im Interview mit Motorsport-Magazin.com. Es sollten die einzigen warmen Worte des Regensburgers für die Elektrifizierung des Automobils sein. "Das ist zwar von der Kraftentfaltung beeindruckend", führt er fort, "hat aber auch den Nachteil, dass sehr viel Masse in Bewegung ist. Mir als altem Gewichtsfanatiker tut das immer weh."

Röhrl: Will nichts mit Porsche Mission E zu tun haben

Seit geraumer Zeit entwickelt Porsche schon an einem rein elektrischen Sportwagen, dem Mission E. 2020 soll der Tesla-Konkurrent auf den Markt kommen. Röhrl ist nicht begeistert von der Idee: "Bis dahin bin ich entweder in Pension oder habe eine Regelung, dass ich damit nichts zu tun habe. Denn ich will keinen Ärger haben, aber ich werde nie sagen, dass ein Elektroauto etwas Tolles ist."

"In der Stadt wird das Elektroauto die Zukunft sein. Aber für das, was ich unter Autofahren verstehe, dass ich ins Auto steige und 800 Kilometer fahre, dafür wird das Elektroauto nie eine Lösung sein", erklärt Röhrl und fügt an: "Außerdem ist es umweltpolitisch eine Katastrophe."

Röhrl kritisiert Politik: Elektro-Auto falscher Weg

"Ich bin schockiert, dass die ahnungslose Politik das Elektroauto zum Sieger auserkoren haben und alle in diese Richtung rennen", schimpft Röhrl. "Dadurch wird die Entwicklung von Brennstoffzelle, Verbrennungsmotor und die des synthetischen Kraftstoffs vernachlässigt. Aber die blinden Politiker geben die Richtung vor und alle laufen dorthin."

Walter Röhrl im Porsche Carrera GT - Foto: Porsche

Für die Elektrifizierung des Motorsports hat der zweimalige Rallye-Weltmeister noch weniger Verständnis - obwohl Porsche 2019 in die Formel E einsteigt. "Damit habe ich nichts zu tun, ich werde mir auch nie ein Rennen anschauen", versichert Röhrl. "Im Fernsehen kam zufällig etwas und ich habe nicht hingesehen. Dann habe ich einen Ton gehört wie am Golfplatz, wenn ein Golfwagen fährt. Ah, das ist Formel E! Zack weggeschaltet. Dafür werde ich mich nicht interessieren, selbst wenn Porsche gewinnt."

Doch was hat die Motorsport-Legende gegen die Formel E? "Meines Erachtens ist das abartig, ein Rennauto zu machen, damit ich in der Stadt Rennen fahren kann. Die sollen auf die Rennstrecke gehen und ordentlichen Sound machen! Dann weiß ich, dass ich bei einem Rennen bin und nicht bei einer Blindenveranstaltung."

"Wir haben bei der Entwicklung des Verbrennungsmotors festgestellt, dass der Motorsport wie ein Zeitraffer funktioniert hat", erinnert sich der 71-Jährige. "Wir haben unter dem Druck Dinge in drei Monaten entwickelt, die in der normalen Entwicklung drei Jahre gedauert hätten. In der Formel E können die Werke sicherlich Dinge lernen, die einen Nutzen für das Elektroauto bringen. Das ist für mich die einzige Entschuldigung."

Zukunft des Autos: Hybrid ist die Lösung

Entwicklung, die angesichts der aktuellen Technologie auch dringend nötig ist, wie Röhrl aus eigener Erfahrung weiß. "Wenn ich heute in einen Tesla einsteige und nach sechs Kilometer ein Warnton kommt und die Meldung 'System überhitzt, halbe Leistung' erscheint, dann kriege ich einen Schreikrampf. Das ist keine Lösung."

Walter Röhrl liebt klassische Porsche mit Verbrennungsmotor - Foto: Porsche

Trotz Elektro-Phobie sieht die Motorsport-Legende die Zukunft in einem Kompromiss: "Wenn die Entwicklung so weitergeht, dass man nur noch mit Elektroautos in die Stadt fahren darf, ist ein Hybrid das perfekte Auto. An Hybridsystemen wird kein Weg vorbeigehen. Außerhalb der Stadt habe ich die Leistung und den Sound eines Sportwagens. Und wenn ich dann auf den Knopf drücke, fahre ich elektrisch und ruhig durch die Stadt. Das hat auch seinen Reiz."

Ein ausführlicher Bericht über den Besuch bei Walter Röhrl in seinem Zuhause in St. Englmar und das Lebenswerk der Motorsport-Legende gibt es in der aktuellen Print-Ausgabe von Motorsport-Magazin.com. Ein ausführliches Video-Interview mit Röhrl gibt es bald in der Video-Sektion.

Rallye-Legende Walter Röhrl: Formel E ist abartig: (16:48 Min.)


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