24 h Nürburgring

Analyse der Mercedes-Dominanz beim 24-Rennen - Mercedes dominiert 24h Nürburgring: Die Faktoren

Selten hat eine Marke ein 24h-Rennen am Nürburgring derart geprägt wie Mercedes 2016. Wir analysieren, wie es zu solch einer erdrückenden Dominanz kam.
von Tobias Ebner

Motorsport-Magazin.com - Mit vier Autos am Ende ganz vorne, fünf Wagen in den Top-6 - für Mercedes lohnte sich die Reise zum 24h-Rennen am Nürburgring 2016 voll. Für die Sternmarke verkam das Rennen zu einer einzigen Triumphfahrt, während alle anderen Hersteller weder die Pace, noch das Glück hatten, um Mercedes im Kampf um den Sieg ernsthaft herauszufordern. Wie kam es zu einer derartigen Dominanz? Motorsport-Magazin.com begab sich auf Spurensuche und hat die Schlüsselfaktoren für den totalen Mercedes-Triumph ausfindig gemacht.

24h Nürburgring 2016: Die Highlights des Rennens: (05:32 Min.)

1. Mercedes-Schlüssel: Neues Auto

Vor der Rennsport-Saison brachte Mercedes eine neue GT3-Rakete auf die Strecke: Den Mercedes-AMG GT3. Seine Renn-Premiere feierte der neue Stern-Wagen im Januar 2016 beim 24h-Rennen von Dubai und zeigte sofort Potenzial, ließ aber noch die nötige Zuverlässigkeit vermissen. Der beste AMG GT3 sah die Zielflagge auf Position 21, während das ausgereifte Vorgängermodell SLS noch für einen Platz auf dem Treppchen gut war. Doch nicht nur am Auto, sondern auch an der Struktur wurde gefeilt: "Für den Erfolg am Nürburgring haben wir mit den AMG Performance Teams ein neues Konzept ins Leben gerufen und uns intensiv vorbereitet. Das ist aufgegangen", erklärte Jochen Bitzer, der den Kundensport bei AMG leitet.

2. Mercedes-Schlüssel: Gerissener Taktik-Schachzug von Haribo

Wir sind mit beiden Autos unterschiedliche Strategien gefahren, weil wir ja wenig Testkilometer hatten vor dem Rennen.
Teamverantwortlicher von Haribo Racing

Das Haribo Racing Team meldete im Vorfeld zwei Mercedes-AMG GT3 für das 24h-Rennen am Nürburgring, beide Wagen mit identischer Fahrer-Besetzung. Zufall? Mitnichten! "Wir sind mit beiden Autos unterschiedliche Strategien gefahren, weil wir ja wenig Testkilometer hatten vor dem Rennen", so ein Teamverantwortlicher nach dem Rückzug der #8 in der Nacht. Positiver Nebeneffekt: Man konnte damit doppelt Daten sammeln und so schneller am Setup arbeiten. Die hervorragende Pace der #88 war daher kein Zufall.

Haribo Racing setzte zwei Mercedes mit identischer Besetzung ein - reines Kalkül! - Foto: Mercedes-Benz

Die #8 wäre aber vom Team ohnehin noch in der Nacht zurückgezogen worden, wäre nicht der Unfallschaden dazwischen gekommen. "Wir hatten zumindest vor, mit der #8 bis zum Starkregen in die Nacht hineinzufahren, weil das solch eine Beanspruchung für unsere Fahrer ist. Morgen soll es weiter hageln und regnen, und wenn unsere Fahrer da nicht fit sind, das ist nicht gut", argumentierte der Teamverantwortliche im Livestream.

3. Mercedes-Schlüssel: Pech der Konkurrenz

Unfälle, Defekte, Kollisionen. Audi, BMW, Porsche, Aston Martin, Nissan und Lamborghini hatten beim 24h-Rennen am Nürburgring wahrlich keinen leichten Stand. Die Mercedes-Konkurrenz verlor immer wieder ihre besten Autos in aussichtsreicher Position. Der BMW #18 hatte einen Motorschaden in Führung liegend, das Schwesterauto #100 wurde von einem langsameren Fahrzeug abgeschossen und der Porsche #912 blieb ohne Vortrieb stehen, um nur drei Beispiele zu nennen. Das spielte Mercedes natürlich in die Karten. Die Sternmarke verlor zwar auch drei Wagen, von denen zwei in aussichtsreicher Position lagen, konnte das aber im Gegensatz zur Konkurrenz kompensieren.

4. Mercedes-Schlüssel: BoP

Wir sind maßlos enttäuscht über die Tatsache, dass die angestrebte Gleichheit zwischen den verschiedenen GT3-Fahrzeugen nicht erreicht worden ist.
Klaus Abbelen, Frikadelli Racing

Mercedes konnte die Ausfälle aber auch dank einer für sie günstigen Balance of Performance wett machen. Frikadelli Racing zog seine Teilnahme im Vorfeld schon zurück, weil man sich aussichtslos wähnte. Nach erneuter Anpassung entschloss man sich doch zu einem Start. Nach dem Rennen war man aber wieder sauer. "Wir sind maßlos enttäuscht – weniger über den Ausfall als über die Tatsache, dass die angestrebte Chancengleichheit zwischen den verschiedenen GT3-Fahrzeugen nicht erreicht worden ist", wetterte Frikadelli-Teambesitzer Klaus Abbelen.

Mercedes hängte die Konkurrenz am Nürburgring auch dank der BoP ab - Foto: Mercedes-Benz

Auch bei Audi war man alles andere als zufrieden über die Einstufung der R8. "Gerne wären wir wieder im Kampf um die Spitze gewesen, aber das war in diesem Jahr unter anderem auch aufgrund der Einstufung durch die Balance of Performance nicht möglich. Selbst unsere Top-Fahrer mussten hohes Risiko eingehen, um mit der Spitze mithalten zu können", ärgert sich Chris Reinke von Audi. Damit waren mit Audi und Porsche zwei der ärgsten Mercedes-Verfolger schon im Vorfeld durch die Regelhüter ausgebremst.

Auch bei BMW war man über die Einstufung nicht gerade glücklich. "Es ist für den Technikausschuss einfach schwierig eine BoP hinzukriegen, wenn die Einen richtig fahren und die Anderen irgendwelche Strategien verfolgen", zeigte BMW-Motorsportchef Jens Marquardt vor dem Wochenende aber auch Verständnis für die Lage der Organisatoren. Die Leistung des M6 GT3 wurde aber noch etwas reduziert, was sich vor allem in den Highspeed-Passagen bemerkbar machte. "Wir sind nicht das schnellste Auto auf der Geraden, der nochmal reduzierte Ladedruck hat da auch nicht geholfen", so Marquardt. Immerhin: BMW blieb noch am nächsten dran an der Mercedes-Performance.

Mercedes: Stimmen nach dem 24h-Rennen am Nürburgring 2016

Tobias Moers, Vorsitzender der Geschäftsführung Mercedes-AMG: "Ich freue mich sehr über diesen grandiosen Vierfach-Sieg unseres neuen Mercedes-AMG GT3 bei diesem gewiss einzigartigen 24-Stunden-Rennen. Auch bei mir fällt nun die Anspannung nach diesen extremen Rennbedingungen und der absoluten Hochspannung am Schluss endlich ab. Ich bin aber auch stolz, dass wir den ganzen Fans Motorsport vom Feinsten und eine perfekte Show geboten haben. Vielen Dank an alle unsere Teams, Fahrer und diejenigen, die an diesem Erfolg beteiligt waren."

Jochen Bitzer, Leiter AMG Kundensport: "Zunächst einmal sind wir alle extrem glücklich über den dreifachen Podiumserfolg und die zwei weiteren Platzierungen in den Top-Six. Wir haben uns schon vergangenes Jahr vorgenommen, hier 2016 mit unserem neuen Mercedes-AMG GT3 zu gewinnen. Das haben wir nun mehr als geschafft. Dafür haben wir mit den AMG Performance Teams ein neues Konzept ins Leben gerufen und uns intensiv vorbereitet. Das ist aufgegangen. Ich freue mich auch für die Fans, die ein tolles Rennen erlebt haben."

24h Nürburgring 2016: Das unfassbare Finish: (13:36 Min.)

Die Mercedes-Bilanz beim 24h-Rennen am Nürburgring 2016

Pos.Nr.TeamFahrerDNF-Grund
1. #4 AMG-Team BLACK FALCON Schneider/Engel/Christodoulou/Metzger -
2. #29 AMG-Team HTP Motorsport Hohenadel/Vietoris/Seefried/Van Der Zande -
3. #88 HARIBO Racing Team-AMG Alzen/Arnold/Götz/Seyffarth -
4. #9 AMG-Team BLACK FALCON Buurman/Haupt/Müller/Engel -
6. #75 MANN-FILTER Team ZAKSPEED Asch/Heyer/Keilwitz/Ludwig -
DNF #8 HARIBO Racing Team-AMG Alzen/Arnold/Götz/Seyffarth Folgeschäden zweier Kollisionen
DNF #14 BLACK FALCON Al Faisal/Dontje/Huff/Gerwin Unfall mit Porsche #69
DNF #30 AMG-Team HTP Motorsport Baumann/Buhk/Jäger/Mücke Unfall
DNS #31 AMG-Team HTP Motorsport Buhk/Mücke/Vietoris/Van Der Zande unbekannt

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