24 h von Le Mans

Eine Rückkehr für die Pressestelle - Ford in der GT-Klasse: Sieg ohne Stil

Ford hat das Erwartete wahr gemacht: Sieg für eine der vier brandneuen Flundern. So richtig sympathisch war die Angelegenheit aber nicht. Ein Kommentar.
von Yannick Bitzer

Motorsport-Magazin.com - Ums gleich vorwegzusagen: Jeder Le-Mans-Sieger ist ein verdienter Sieger – daran gibt es nichts, aber auch gar nichts zu rütteln. Wie schwierig es ist, an der Sarthe zu siegen, und wie schnell hier alles beim Teufel sein kann, das hat das diesjährige Rennen einmal mehr eindrucksvoll bewiesen. Aber geht's beim Gewinnen im Sport nicht auch immer so ein wenig um die Art und Weise?

Nun, Stilfragen sind ja bekanntlich nur subjektiv zu beantworten, weshalb sie sich oft gar nicht so richtig stellen. Beim Sieg von Ford in der GT-Kategorie drängt sich die Wie-Frage aber geradezu auf: Nicht, dass der Sieg der Amis bei ihrer Rückkehr nach Le Mans arrangiert gewesen wäre, doch irgendwie ist da ein Beigeschmack – Ford hat diesen Sieg nicht nur gewollt, sie haben ihn erzwungen.

Die Chefetage in Michigan hat schlichtweg alles getan, um sicherzustellen, dass Le Mans zur besten Werbung wird für den neuen Ford GT, der erst ab August in seiner Straßenversion zu kaufen ist. Zum einen hat man gleich eine ganze Armada an Autos ins Rennen geschickt, sage und schreibe vier an der Zahl, selbstverständlich alle werksseitig und aufs Teuerste präpariert. Allein das schmeckt schon arg nach Brechstange, doch die Quantität ist nur die eine Sache.

Zum Zweiten nämlich hat man "gesandsackt", so sehr man nur konnte – die andere Sache bezieht sich also auf das wohl heikelste Thema im GT-Sport, die Balance of Performance. Natürlich werfen sich die Hersteller seit jeher gegenseitig vor, zwecks besserer Einstufung Performance zurückzuhalten, doch heuer waren die Klagen lauter als sonst – und Ford stand im Mittelpunkt der Kritik. Viele Kenner der Szene behaupteten, die Blauen verfolgten die Strategie des sogenannten Sandbaggings wie kaum jemand zuvor.

Dominanz auch nach später BoP-Korrektur

Die Daten vor Le Mans hatten lange angekündigt, dass Ford nebst Ferrari bei den Rundenzeiten dominieren würde – nur, dass man bei Ferrari den Speed nie verheimlicht hat, schließlich gewann man in der WEC sowohl in Silverstone als auch in Spa. Und selbst trotz der späten Anpassungen durch die Regelhüter am Freitag vor den 24 Stunden waren die Fabrikate aus den USA und Italien klar überlegen. Man stelle sich vor: Ohne die Korrektur wäre das Missverhältnis gar noch größer gewesen.

Schon allein der Vergleich der besten Rennrunden in Le Mans offenbart die Tempo-Überlegenheit des Ford GT: Drei der vier Boliden kamen deutlich unter die Marke von drei Minuten und 52 Sekunden. Mit Ausnahme von Ferrari gelangte keiner der konkurrierenden Hersteller auch nur in die Nähe dieser Marke. Die absolute Bestzeit von 3:51,514 Minuten ging auf das Konto des drittplatzierten Fords; dem schnellsten Ferrari, genauer dem Risi-Auto, fehlten hierauf 0,8 Sekunden. Bester vom Rest war der Nummer-95-Aston-Martin, welcher auf seiner raschesten Runde knapp 1,8 Sekunden langsamer war.

Le Mans: Beste Rennrunden im Vergleich (GTE Pro)

FahrzeugBeste Runde (Minuten)Rückstand (Sekunden)
Ford GT3:51,514
Ferrari 488 GTE3:52,2690,755
Aston Martin Vantage GTE3:53,2931,779
Chevrolet Corvette C7.R3:53,3981,884
Porsche 911 RSR (2016)3:53,500 1,986
Porsche 911 RSR (2015)3:54,377 2,863

Absolute Leistungsgleichheit besteht nur in der Theorie, das ist klar, doch die Differenzen im Rennen waren eklatant. Eine Beispielrechnung: Fehlen einem im Schnitt anderthalb Sekunden pro Runde, dann kommt man nach 340 Rennrunden auf einen Rückstand von achteinhalb Minuten gleich mehr als zwei Runden – und der Circuit de la Sarthe ist über 13 Kilometer lang. Faktoren wie Verkehr und fahrerische Schwankungen würden das Ganze zwar etwas relativieren, doch das Beispiel zeigt: Wer bei der BoP gut dasteht, der hat schon viel gewonnen.

Der Punkt ist: Man kann all das so machen, wie es Ford gemacht hat, immerhin geht's im GT-Sport genauso um Geld wie bei den Werken ganz vorne im Feld, doch so richtig sympathisch sind Auftritte dieser Art sicherlich nicht. PR darf nicht immer alles sein. Freilich, die Statistiken fragen nicht nach dem Wie, doch die Anhänger des Sports tun dies sehr wohl. Die heutige Niederlage Toyotas werden die Leute bestimmt nicht vergessen, den Sieg des neuen Ford GT schon, denn dieser war letztlich nicht mehr als eine runde Sache für die hauseigene Pressestelle.


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