Dieses Manöver entschied das 6-Stunden-Rennen der WEC in Austin: 1:40 Stunden vor dem Zieleinlauf überholte Porsche-Weltmeister Kevin Estre den #51 Ferrari von Alessandro Pier Guidi mitsamt leichtem Kontakt, übernahm erstmals die Führung und gab sie bis zum Zieleinlauf nicht mehr her. Eine Aktion, die Porsche den ersten Saisonsieg bescherte und im Nachgang für Diskussionen sorgte.
Der Autobauer aus Zuffenhausen musste eine Weile nach dem chaotischen Regenrennen sogar befürchten, den Sieg nachträglich verlieren zu können. Die Sportkommissare untersuchten die Situation und beließen es schließlich bei einer Verwarnung für Estre, die keinerlei Konsequenzen nach sich zog.
Pier Guidi: Estres Manöver war nicht korrekt
Für den #51 Ferrari endete die leichte Kollision nach dem Re-Start einer Safety-Car-Phase weniger glimpflich: Pier Guidi zog sich einen Schaden am linken Vorderreifen zu und fiel nach dem ungeplanten Boxenstopp bis auf Platz 13 zurück. Die nachfolgende Aufholjagd bis auf den fünften Rang beschrieb der Italiener als ein annäherndes "Wunder". Pier Guidi und seine Teamkollegen Antonio Giovinazzi sowie James Calado behaupteten die Führung in der Fahrer-Weltmeisterschaft knapp vor dem gelben AF-Corse-Ferrari (Kubica, Ye, Hanson).
Pier Guidi haderte nach dem Rennen mit der Estre-Kollision und meinte: "Das Manöver beim Re-Start war nicht korrekt. Es war vor der Ziellinie, wo es nicht erlaubt ist, neben dem anderen Auto zu fahren. Und in Kurve 1 ließ ich ausreichend Platz, aber es gab einen Kontakt, der unser Rennen wegen des Reifenschadens beeinflusste."
Estre: "Ich konnte nirgendwo anders hin"
Estre, der sich den #6 Porsche mit Laurens Vanthoor und Matt Campbell teilte, bewertete die Situation wenig überraschend anders. "Es war Seite an Seite, und ich habe Platz gelassen", wurde der Franzose von Dailysportscar zitiert. "Es ist nicht so, als hätte ich ihn rausgedrückt. Es gab Platz auf der rechten Seite. Er entschied sich aber, einzulenken, während ich da war. Ich konnte nirgendwo anders hin." Den Reifenschaden am Ferrari bezeichnete Estre als einen Rennunfall.
Die Attacke nach der Safety-Car-Phase auf nasser Piste habe er sich vorher gründlich zurechtgelegt: "Ich habe in den ersten vier Stunden des Rennens die Onboard-Aufnahmen angeschaut und wusste von meinen Teamkollegen, wo die nassen Stellen waren, um einen guten Restart zu schaffen. Pier Guidi ist dann in der letzten Kurve ein bisschen vom Gas gegangen. Von da an waren wir nah beieinander. Ich wollte früh überholen, stach rein und dann hatten wir eine kleine Berührung. Ich war innen und er wollte die Türe nicht aufmachen."
Calado: "Unglücklich, dass er keine Strafe bekommen hat"
Das Ferrari-Lager hätte sich dennoch eine Strafe für den #6 Porsche gewünscht. Der Brite Calado bezog sich auf einen Kontakt in der LMGT3-Klasse, der dem #54 AF-Corse-Ferrari eine nachträgliche 5-Sekunden-Strafe einbrachte und den Klassensieg kostete. Der Vorfall spielte sich allerdings in Kurve 11 ab und die Sportkommissare machten Ferrari-Pilot Davide Rigon als Hauptverantwortlichen aus.
Ferraris Hypercar-Fahrer Calado sagte mit Blick auf Estre gegenüber Sportscar365: "Es ist unglücklich, dass er keine Strafe bekommen hat. Wir haben gesehen, was bei den LMGT3 passiert ist. Es gab einen kleinen Kontakt, beide fuhren weiter und der Ferrari erhielt die Strafe. Manchmal ist es schwierig, gewisse Logiken zu verstehen, aber wir müssen es akzeptieren und weitermachen."
Dazu sei angemerkt: Porsche hätte den Sieg beim drittletzten Saisonrennen selbst im Falle einer 5-Sekunden-Strafe behalten. Estre überquerte die Ziellinie souverän mit 8,6 Sekunden Vorsprung auf den Zweitplatzierten #50 Ferrari (Fuoco, Molina, Nielsen). "Bei der letzten Full Course Yellow hatten wir ein bisschen Pech, weil wir hinter einem langsamen Auto landeten", sagte Antonio Fuoco. "Andernfalls hätten wir um den Sieg kämpfen können."



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