WEC

Cox bestätigt Präsentation beim Super Bowl - Nissan LMP1: Experten erwarten mindestens 1500 PS

Der Nissan GT-R LM Nismo bleibt ein Phantom, doch erste Infos sickern durch. Quellen reden von Zahlen, die selbst den Toyota TS040 Hybrid verblassen ließen.
von Heiko Stritzke

Motorsport-Magazin.com - "Wir machen es anders", lautete der Leispruch von Nissan bei der Ankündigung des LMP1-Projekts. Seitdem rätselt die Motorsportwelt: Was konstruiert Nissan da? Über das Projekt, das in den USA beheimatet ist, wurde seitdem nicht viel offiziell kommuniziert. Lediglich der Präsentationstermin beim Super Bowl wurde mittlerweile bestätigt. Über das Fahrzeug selbst wurde nichts bekannt gegeben. Doch Informationen sickern durch. Der Rollout im Dezember konnte nicht geheim gehalten werden. Was Leute dort gesehen haben wollen, soll bisherige Spekulationen bestätigen: Der Nissan GT-R LM Nismo verfügt demnach über einen Frontmittelmotor.

Wenn ihr Motorsportfans seid, schaut euch den Superbowl an!
Darren Cox

Doch noch spektakulärer soll das sein, was unter der Haube steckt: Es ist von einem Hybridsystem die Rede, das Leistungen produziert, die es im Rennwagen zuletzt in der Formel 1 der 80er-Jahre im Qualifying gegeben hat. Zunächst einmal das, was Nissan offiziell bestätigt hat: "Wenn ihr Motorsportfans seid, schaut euch den Superbowl an", sagte Darren Cox gegenüber Sportscar365. "Le Mans ist das größte Rennen der Welt. Doch ehrlich gesagt denke ich, dass es trotz der Macht von Audi und Porsche immer noch Möglichkeiten gibt, die Marke Le Mans zu mehr Leuten zu tragen. Das ist unser Job." Der Super Bowl sei dafür perfekt.

LMP1 mit Frontantrieb?

Darren Cox bestätigte die Präsentation beim Super Bowl - Foto: Darren Cox/Twitter

Perfekt wird das Marketing dann, wenn man ein innovatives Produkt präsentieren kann. Und das soll die Le-Mans-Version des GT-R in mehrerer Hinsicht werden: So berichten mehrere Zeugen, die den Roll-Out des Nissan gesehen haben wollen, übereinstimmend, dass es sich um ein Frontmittelmotor-Fahrzeug handele. Eine erste Zeichnung eines Augenzeugen wurde bereits im Dezember in einem Blog veröffentlicht.

Über die Weihnachtszeit drangen dann schließlich einige Informationen nach außen: Le-Mans-Experte Mike Fuller vermeldet unter Berufung auf "glaubhafte Quellen" in seinem Blog Mulsanne´s Corner, dass der Verbrennungsmotor auf die Vorderräder wirke. Frontantrieb in Le Mans? Nicht ganz, denn der Verbrennungsmotor, der von Cosworth stammen und ursprünglich für die 2014er-F1-Regularien entworfen worden sein soll, soll nur für einen Bruchteil der Gesamtleistung verantwortlich sein.

Zwischen 1500 und 2000 PS erwartet

Die Gesamtsystemleistung wurde bereits Ende 2014 auf weit über 1000 PS beziffert. Fuller geht weiter: Seinen Quellen zufolge soll die Gesamtleistung unglaubliche 2000 PS betragen - konservativ geschätzt! Eine andere englischsprachige Seite, Endurance World, geht etwas vorsichtiger vor. Ihrerseits sich auf "sehr gute Quellen" stützend, werden hier 1500 PS angegeben. Andererseits soll dieser Seite zufolge kein Cosworth-Motor zum Einsatz kommen. Eine Zeichnung eines Augenzeugen wurde ebenfalls angefertigt.

Cox wollte die Angaben nicht bestätigen, aber auch nicht dementieren: "Normalerweise ist es am leichtesten, das Regelwerk zu lesen, die 8-Megajoule-Klasse und die zugehörige Sprintmenge zu nehmen und dann daraus die Leistung abzulesen. Für uns sind das aber lediglich die Regeln", so der Nissan-Motorsportchef verklausuliert. Einzig das Reglement lobte er für seine Vielseitigkeit: "Die Regeln sind fantastisch: man hat einen Audi mit zwei Megajoule und Diesel und Toyota mit einem V8-Benziner und Superkondensatoren. Die Regeln können auf so unterschiedliche Weise interpretiert werden. Das ist für mich der Grund, warum wir das machen."

Die Erfahrungen mit dem Zeod werden in den LMP1 einfließen - Foto: Speedpictures

In einem Punkt herrscht Uneinigkeit: Fuller glaubt an ein radikal auf Luftwiderstandsreduktion ausgelegtes Konzept ohne Heckflügel, mit dem alles möglich sein soll - sogar eine Pulverisierung des Topspeedrekords von 405 km/h, wohlgemerkt damals ohne Schikanen auf der Hunaudieres-Geraden. Die anderen Zeichnungen von Zeugen hingegen sehen einen Heckflügel vor. Cox machte auch hierzu keine weiteren Angaben. "Es ist ein fantastisches Projekt", wich er aus. "Ich denke, jeder hier lernt eine ganze Menge. Man kann schon sagen, dass es spannend ist. Aber das ist jedes Projekt in einer solchen Phase."

Redaktionskommentar

Motorsport-Magazin.com meint: Natürlich sind es unglaubliche Zahlen, die hier genannt werden, unmöglich wäre es jedoch nicht. Die einzige Frage ist aber: Würde so etwas Sinn machen? Selbst acht Megajoule Energie würden bei einer solchen Leistung sehr wenig sein, der Schub eines Hybridsystems mit der doppelten oder gar dreifachen Leistung von Toyota würde nur ganz kurz zur Verfügung stehen. Und schon die Toyota-Piloten mussten mit "nur" 1000 PS viele Kurven einen Gang höher fahren. Dass das Fahrzeug sehr viel Leistung haben wird, scheint aber sicher zu sein, sonst hätte Cox dementiert. Ein maximal auf Luftwiderstandsreduktion ausgelegtes Konzept würde nur in Le Mans funktionieren, nicht aber auf den anderen Strecken der WEC. Möglicherweise gibt es hier aber zwei Aero-Pakete, was auch die unterschiedlichen Standpunkte zum Heckflügel erklären würde.(Heiko Stritzke)


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