Die deutschen Superbike-Fans werden ihn an diesem Wochenende in Laguna Seca vergeblich im Fahrerfeld suchen. Die Rede ist von Hoffnungsträger Markus Reiterberger. Der junge Bayer stieg beim Sonntagsrennen in Misano bereits in der ersten Runde spektakulär per Highsider von seiner BMW ab und landete unglücklich. Die Folge: Verletzungen an der Wirbelsäule und damit eine längere Zwangspause. Reiterberger kämpft aktuell um einen Start beim Heimspiel am Lausitzring Mitte September. Motorsport-Magazin.com hat sich mit ihm unterhalten.

Markus, dein Highsider in Misano war doch ziemlich heftig. Die erste Frage, die sich natürlich stellt: Wie geht es dir?
Markus Reiterberger:
"Mir geht es soweit wieder ganz gut. Ich habe gleich am zweiten Tag nach dem Unfall ein Korsett bekommen. In der ersten Woche musste ich natürlich ganz viel Liegen. Es war wenig Aufstehen oder Bewegen angesagt, weil das auch durch die Schmerzen gar nicht erlaubt war. Am Mittwoch nach dem Crash bin ich heimgekommen nach Bad Aibling, habe mich mit meiner Versicherung abgesprochen, die haben mich auch abgeholt. In Bad Aibling wurde ich nochmal gecheckt, dabei wurde dann ein zweiter Wirbelbruch festgestellt, den haben sie in Italien gar nicht gesehen. Wichtig war, dass beide Brüche stabil sind, kein Wirbel abrutschen kann und das Rückenmark nicht betroffen ist."

"Am Donnerstag nach dem Crash durfte ich dann nach Hause, mit der Physiotherapie haben wir am Montag darauf angefangen. Seit ich damit begonnen habe, ist es mir von Mal zu Mal viel besser gegangen. Eine Woche nach dem Crash hatte ich nämlich immer noch genauso heftige Schmerzen wie am ersten Tag. Von den Wirbeln her ging es, aber mein Arsch und meine Lendenwirbelsäule, also womit ich am Boden aufgeprallt bin, war gestaucht und geprellt, ich hatte also sozusagen eine dritte Arschbacke in Blau. Das war eigentlich das Einzige, was weh getan hat."

"Aber das haben wir jeden Tag physiotherapeutisch behandelt und gleichzeitig haben wir auch eine Hitze-Therapie gemacht. Gleichzeitig haben wir hier in Obing einen sehr guten Sportdoktor, den ich schon immer aufsuche. Der arbeitet mit meinem Physiotherapeuten zusammen und hat mir spezielle Medizin verschrieben, damit der Heilungsprozess etwas beschleunigt wird. Seit einer Woche kann ich jetzt wieder gehen, sitzen und alles machen."

Reiterberger mit Top-Wochenende in Misano - bis zum Sturz

Zuletzt in Misano ließ Reiterberger viele Konkurrenten hinter sich -, Foto: BMW
Zuletzt in Misano ließ Reiterberger viele Konkurrenten hinter sich -, Foto: BMW

Du machst also gute Fortschritte. Kannst du aus deiner Sicht nochmal erklären, wie dein Unfall passiert ist?
Markus Reiterberger:
"Generell ist das Misano-Wochenende super gelaufen. Nach dem zweiten Platz am Freitag war ich schon sehr zuversichtlich für das Wochenende. Samstag sind wir aber etwas auf der Stelle getreten, während sich die anderen Fahrer verbessert haben, deswegen hatte ich im Rennen ein paar Schwierigkeiten. Der sechste Platz war dann ziemlich okay, weil sehr viele Piloten ausgeschieden sind. Aber das war mir nicht genug, weil ich ständig Probleme mit dem Vorderrad gehabt habe. Es ist mir permanent eingeklappt, ich war oft in Sturzgefahr."

"Am Sonntag im Warm-Up konnten wir das um einiges verbessern, da war ich viel schneller. Ich habe gewusst, wenn ich diese Performance auch im Rennen zeigen kann, dann habe ich Chancen, aus eigener Kraft Vierter, Fünfter oder Sechster zu werden. Daher wollte ich in den ersten Runden richtig pushen, damit ich nach vorne komme. Das ist mir auch ganz gut gelungen, ich bin meine beste erste Runde der gesamten Saison gefahren. Ich habe Camier überholt und auf der Gegengerade Hayden ausgebremst. Hayden war aber auch etwas spät auf der Bremse, daher habe ich die Bremse nochmal aufgemacht, um vorbeizukommen."

"Ich war dann eigentlich locker vorbei an ihm und Chaz Davies, habe dann nochmal stark runtergebremst, damit ich bis zur Kurvenmitte meinen Speed abgebaut habe. Unter normalen Bedingungen hätte es mich einen halben Meter oder Meter von der Ideallinie herausgetragen, aber ich habe zu dem Zeitpunkt, als ich Hayden ausgebremst habe, nicht abschätzen können, ob Davies da noch steht oder nicht. Das war dann unglücklich, ich bin voll auf ihn zugefahren, aber nicht mit übertriebenem Überschuss wie Iannone bei Lorenzo in Barcelona, sondern eigentlich nur mit zwei bis drei km/h. Ich hätte gedacht, dass ich das locker noch schaffe, deshalb war der Sturz dann für mich umso überraschender."

"Ich habe dann die Ellenbogen ausgefahren und wollte mich an Davies eigentlich bloß etwas anlehnen. Aber wir waren vom Motorrad her nicht auf gleicher Höhe, somit war mein Hinterrad frei, und das ist mir dann weggerutscht, ich bin per Highsider abgeflogen. Die Landung war aber das Blöde. Der Sturz sah schlimm aus, aber wenn ich in einem etwas flacheren Winkel gelandet wäre, dann wäre nichts passiert. Das war einfach blöd, dass ich genau auf dem Arsch gelandet bin."

Reiterberger hat Lausitzring im Blick, aber nicht um jeden Preis

Am Lausitzring will Markus Reiterberger wieder am Start sein -, Foto: Frederik Hackbarth
Am Lausitzring will Markus Reiterberger wieder am Start sein -, Foto: Frederik Hackbarth

In Laguna Seca kannst du deshalb leider nicht starten. Dafür hat dein Althea-Team den Superstock-Fahrer Raffaele De Rosa als Ersatz nominiert. Was traust du ihm zu in den USA?
Markus Reiterberger:
"Ich denke, er wird bestimmt ein richtig gutes Ergebnis einfahren. Ich glaube, er kann auf einem ähnlichen Level fahren wie ich. Er ist auf jeden Fall ein sehr starker Fahrer und hat viel Erfahrung. Raffaele ist ja auch schon in der 250er-WM gegen Jorge Lorenzo gefahren, er ist also wirklich stark. In der Superstock fährt er beeindruckende Rundenzeiten. Wenn er das Bike einigermaßen in den Griff bekommt und mit der Strecke gut zurecht kommt, dann wird er ein sehr gutes Rennen zeigen."

Und wie geht es für dich jetzt weiter? Mitte September steht das deutsche Event auf dem Lausitzring an, kannst du dann wieder ins Geschehen eingreifen?
Markus Reiterberger:
"Wenn es so weiter geht wie jetzt, dann bin ich sehr zuversichtlich. Es hängt aber auch davon ab, wie am Donnerstag meine Röntgenkontrolle läuft und wie das alles verheilt. Aber alleine von den Fortschritten her, die ich spüre, bin ich davon überzeugt, am Lausitzring wieder dabei zu sein. Das Stützkorsett muss ich noch zwei bis vier Wochen lang tragen, dann sollte der Bruch wieder stabil sein, damit ich wieder trainieren kann. Da werde ich dann wieder mit Schwimmen oder Liegerad beginnen, um für den Lausitzring wieder einigermaßen fit zu sein."

"Aber wichtig ist: Selbst wenn der Bruch wieder komplett verheilt ist, die Muskulatur muss auch wieder passen. Wenn ich wieder stürze ist sonst das Risiko sehr hoch, dass ich mich noch schwerer verletze und das will ich nicht machen. Ich will unbedingt am Lausitzring fahren, werde aber nur starten, wenn ich mir zu 100 Prozent sicher bin, dass nichts passiert. Die ursprüngliche Prognose war ja drei Monate, das würde genau mit dem Lausitzring zusammenfallen. Und wir unternehmen eben alles, um das zu Beschleunigen. Unter normalen Umständen sollten wir das auch schaffen."

Reiterberger: Durchwachsenes Debütjahr in der Superbike-WM

Der fünfte Platz in Thailand ist bisher das Highlight für Reiterberger -, Foto: Althea Racing
Der fünfte Platz in Thailand ist bisher das Highlight für Reiterberger -, Foto: Althea Racing

Du bist jetzt nach Misano Zwölfter in der Gesamtwertung. Wie lautet denn dein bisheriges Fazit zu deinem Debütjahr in der Superbike-WM?
Markus Reiterberger:
"Wir haben ein paar gute Highlights setzen können mit ein paar sehr guten Ergebnissen. Es gab aber auch ein paar sehr schlechte Rennen mit sehr viel Pech, sehr vielen Ausfällen und technischen Problemen. Das war bisher ein erstes Jahr, wie es im Buche steht. Wenn mir das vor der Saison jemand erzählt hätte, hätte ich nur gemeint: So ein Schmarrn! Aber dieses Jahr war wirklich alles dabei. Vom Lernfaktor her war es enorm, aber sonst war es eigentlich durchwachsen. Für nächstes Jahr weiß ich dann Bescheid."

Von den Erfahrungswerten wirst du dann 2017 sicher profitieren. Wenn du dich festlegen müsstest: Was war für dich das Top- und was war für dich das Flop-Rennen bisher 2016?
Markus Reiterberger:
"Eines der schönsten Rennen war in der Hitze in Thailand und Sepang. Das waren die besten Rennen für mich. Der fünfte Platz aus eigener Kraft und mit wenig Rückstand auf die Spitze in Thailand war am Schönsten. Der Saisonstart war schon genial, das hat richtig gut getan. Noch besser wäre es in Malaysia geworden, da lag ich schon an vierter Stelle, als mir die Elektronik verreckt ist. Das wäre das allerbeste Rennen geworden. Das war dann eher das Flop-Rennen. Bis zum Ausfall war es top und dann flop."

Gibt es auch schon Bereiche, in denen du dich für 2017 verbessern willst?
Markus Reiterberger:
"Wir haben halt ziemlich viel herum probiert. Das Team ist neu für mich, ich bin für das Team neu, das Motorrad war neu. Wir mussten also erst einmal sehr viel Erfahrung sammeln und viel herum probieren. Nächstes Jahr können wir dann das alles schon umsetzen. Ich habe sehr viel gelernt, denn selbst wenn man meint, man hat alles gegeben und es geht nicht mehr, gibt es immer noch Sachen, die man verbessern kann."

"Dass man nach dem Training immer sofort weiter arbeiten muss, sonst kommt man in der WM nicht nach vorne, das ist alles wirklich brutal eng. Dass man nicht gleich den Kopf in den Sand steckt oder sauer ist, sondern immer weiter macht. Vom Team und vom Motorrad her sind wir auf einem guten Weg, da müssen wir einfach weiter machen, das dauert seine Zeit. Kawasaki hat 20 Jahre Erfahrung, und wir sind jetzt mit unserem Team ganz neu, das dauert dann schon alles seine Zeit. Aber ich glaube, wir sind auf einem guten Weg."