Der MotoGP-Sprint in Malaysia lieferte am Samstag trotz der Distanz von nur zehn Runden jede Menge Spektakel. Drohender Regen sorgte in Sepang für ein Flag-to-Flag-Rennen. Während die Favoriten an der Spitze die Ruhe bewahrten, geriet im hinteren Mittelfeld der Opportunismus außer Kontrolle. Jack Miller kam schon nach drei Runden rein und fand bei seiner Yamaha-Crew kein fahrbereites Motorrad zum Wechseln vor. Maverick Vinales hingegen stieg zwei Runden vor Schluss ohne jeden Sinn aufs zweite Bike um.

"Ja, leider sehen wir heute aus wie die letzten Deppen", versucht Jack Miller wie üblich nichts schönzureden. Für Yamaha ist das Wochenende in Sepang von Beginn an eine regelrechte Erniedrigung. Im Qualifying landeten alle vier Piloten des japanischen Herstellers auf den Plätzen 16 bis 20 ganz am Ende des Feldes - einzig Gresini-Ersatzmann Iker Lecuona tauchte auf Platz 21 dazwischen auf.

Mit den dunklen Regenwolken am Horizont wollte Miller wenigstens die winzige Außenseiterchance nutzen, um heute etwas zu reißen. "Ich meine, verdammt, wir fahren da auf P17 oder P18 herum. Punkte sind unwahrscheinlich", so der dreifache MotoGP-Sieger, der sich nach der Saison in die Superbike-Weltmeisterschaft verabschiedet.

Strategie-Fail bei Yamaha: Team wusste nichts von Jack Millers Geistesblitz

Er glaubte, die Wetterlage bereits in der zweiten Runde für einen strategischen Geniestreich richtig gelesen zu haben. "Der Regen kommt immer zuerst zwischen den Kurven 7 und 10, und in den Kurven 7 und 8 hatte ich schon Tropfen auf dem Visier, dann auch in 9 und 10. Ich dachte mir, in der nächsten Runde wird es nass sein. Also kam ich rein, aber leider war das Bike nicht bereit", erklärt Miller, der seine Crew völlig überraschte. Das Motorrad lief nicht, die Regenreifen waren noch nicht einmal drauf.

"Ich habe ihnen vor dem Rennen gesagt, dass sie das Motorrad bereithalten sollen. Für mich heißt das, das Motorrad von Anfang an bereit zu halten, die ersten vier, fünf Runden. Das war also eine Misskommunikation", so der 31-Jährige, der in der ersten Reaktion vor der Garage noch alle Hebel in Bewegung setzen wollte. "Ich wollte erst die Reifenwärmer selber abziehen, aber dann sah ich, dass der Schlagschrauber noch falsch herum ging und die Reifen noch nicht einmal gewechselt worden waren. Da wusste ich, dass es gelaufen ist."

Dass er sein Team dabei gehörig zusammenstauchte, tat ihm hinterher ein wenig leid. "Ich entschuldige mich für meine Reaktion, aber in dem Moment, wenn du da ankommst, fährst du immer noch ein Rennen. Ich würde die Entscheidung ja nicht treffen, wenn ich sie nicht für gerechtfertigt halten würde. Ich dachte in dem Moment, dass ich eine Chance habe, das Rennen mit diesem Timing zu gewinnen. Aber der Regen kam danach ja sowieso nicht. Nur von unserer Platzierung her war es ein Versuch wert."

Maverick Vinales fährt aus Anstand nochmal raus

Während Miller gleich in der Garage bleiben konnte, kamen in Runde vier Joan Mir, Iker Lecuona und Franco Morbidelli rein und holten ihre Regen-Bikes ab. Sie mühten sich daraufhin bis zur Zielflagge auf weitestgehend trockener Strecke mit dem Regenreifen ab, der gegenüber der Spitze auf Slicks rund zehn Sekunden pro Runde langsamer war. Als letzter Fahrer kam Maverick Vinales in Runde acht rein, doch der Wechsel zwei Runden vor Schluss sollte eigentlich überhaupt keiner werden.

"Ich lag auf P14 und es gab für mich nichts mehr zu holen, also entschied ich mich, reinzukommen und aufzugeben. Aber die Jungs waren mit dem Bike und allem bereit, also fuhr ich nochmal raus, für den Fall der Fälle", erklärt Maverick Vinales, der sich angesichts dessen genötigt fühlte, das Rennen wiederaufzunehmen: "Stellt euch vor, ich gebe auf und plötzlich regnet es richtig. Dann hätte ich sehr schlecht ausgesehen."

In den Trainings hatte sich der bei Tech3 für 2027 ausrangierte Spanier überraschend stark präsentiert. Am Freitag hatte er sich direkt für das Q2 qualifiziert und landete auf Startplatz 12. Doch am Samstag fühlte er sich bereits nicht mehr auf der Höhe. "Auf der linken Seite verliere ich bereits wieder Kraft und kann das Bike nicht so pushen, wie du es hier brauchst", erklärt er. "Ich brauche meine Kraft und muss mich erholen. Ich versuche nur, zu überleben. Das Ziel ist, das Rennen morgen zu beenden und dann zu sehen, was der nächste Schritt ist."