Moto2

So erging es den Schweizer Moto2-Fahrern in Sepang

Tom Lüthis Titeltraum ist ausgeträumt. Er kann Titelverteidiger Zarco in Sepang nicht gefährden. Die Schweizer Moto2-Asse im Check:
von Redaktion Motorsport-Magazin.com

Sonntag

Tom Lüthi (6.): Das war leider nichts. Mit zwei Siegen im Rücken nach Sepang gekommen, blieb eine finale Attacke auf WM-Leader Johann Zarco aus. Lüthi fuhr zwar ein soliden Rennen, konnte den Franzosen aber zu keiner Zeit gefährden. Während Zarco gewann und den Titel fixierte, war für Lüthi nicht mehr als der sechste Platz drin. Immerhin konnte er im Kampf um Platz zwei der WM seinen Vorsprung auf Alex Rins von drei auf elf Punkte ausbauen.

"Johann hat gestern und heute Aussergewöhnliches geleistet. Mein Start war nicht schlecht, aber in der ersten und der zweiten Kurve hat mich Baldassari berührt, was mich einige Plätze gekostet hat. Danach war das Rennen alles andere als ein Kaffeekränzchen: Das Heck drohte in jeder Kurve das Vorderrad zu überholen, ich bin einige Male um ein Haar gestürzt. Im Regen zu Rennbeginn war es etwas besser als bei den gemischten Verhältnissen am Ende. Bei den sehr speziellen Bedingungen heute habe ich wieder einiges dazugelernt. Die Bilanz der drei Überseerennen ist insgesamt gut, mit zwei Siegen und dem Aufstieg auf den zweiten WM-Zwischenrang. Jetzt konzentriere ich meine gesamte Energie auf das Finale in Valencia, um diesen Vize-Titel auch ins Ziel zu bringen."

Jesko Raffin (16.): Nur in der Anfangsphase kurz in den Punkterängen, duellierte sich Raffin im letzten Renndrittel mit Sandro Cortese. Dabei setzte er sich am Ende zwar knapp durch, für Platz 16 gab es als Belohnung für das gewonnene Duell aber keine Punkte.

"Ich habe am Start gut und gerne das halbe Starterfeld überholt und war am Anfang gut bei der Musik dabei. Doch vor dem Rennen, als es den Anschein hatte, dass es nicht vollkommen nass sei, haben wir das Trocken-Setting vom Warm Up übernommen. Das war ein Fehler, da ich auf nasser Piste nicht so ans Limit pushen konnte, wie die Anderen. Das Bike war zu weich abgestimmt. Somit ging mein Plan nicht auf. Erst zum Schluss, als die Piste fast vollständig abgetrocknet war, konnte ich wieder zulegen. Aber zu diesem Zeitpunkt war es längst zu spät, um noch mehr aufzuholen. Doch ich bewerte dieses Rennen positiv, da ich als 27. gestartet und als 16. ins Ziel gekommen bin. Ausgenommen dieses Wochenende mit den ständig wechselnden Verhältnissen war es eine coole Asien-/Australien-Tour, die überwiegend sehr erfreulich verlief. Ich bin sehr zufrieden und ich gehe mit drei Punkten aus diesen drei Rennen und einen geilen Vertrag in der Tasche nach Hause. In zwei Wochen in Valencia wird nochmals ordentlich Gas gegeben, um mich von meinem jetzigen Team mit Anstand zu verabschieden. Abschliessend noch meine Glückwünsche an Johann Zarco zum Titelgewinn. Er ist ein würdiger Weltmeister."

Robin Mulhauser (out): In der sechsten Runde war Robin Mulhausers Rennen bereits zu Ende. Er lag zu diesem Zeitpunkt allerdings ohnehin nur auf dem drittletzten Platz.

"Wir hatten ein technisches Problem im Heckbereich. Es war einfach nicht möglich, so anständig zu fahren. Also habe ich es vorgezogen, das Rennen vorzeitig zu beenden. Schade, denn im Trockenen wäre hier sicher einiges möglich gewesen. Jetzt bleibt mir also noch das Rennen in Valencia. Ich gebe zu, dass ich auch für Tom enttäuscht bin. Er hätte es wirklich verdient, dass der Titelkampf bis zum Finale offengeblieben wäre."

Samstag

Tom Lüthi (5.): Tom Lüthi ist nach den starken Leistungen aus den letzten Rennen wieder ein möglicher Kandidat für den Moto2-Titel. Am Samstag machten es Johann Zarco und Co. ihm aber unmöglich, an die Spitze zu gelangen. Insgesamt vier Fahrer lagen am Ende vor dem Schweizer, Zarco sogar mit 3.154 Sekunden Vorsprung. Mit seinem fünften Platz startet Lüthi damit aus der Mitte der zweiten Reihe ins morgige Rennen.

"Ich bin sehr, sehr glücklich über diesen Platz in der zweiten Startreihe, denn der Beginn der Qualifikation verlief ausgesprochen schwierig. Ich lag weit hinten und war trotzdem am Limit. In jeder Kurve drohte das Hinterrad das Vorderrad zu überholen, mir mussten dringend etwas unternehmen. Nach zwei Boxenstopps fanden wir eine Lösung. Danach habe ich Runde um Runde meinen Rhythmus gesteigert und diesen auch halten können. Zuerst war ich von der Rundenzeit Zarcos geschockt, blieb aber dennoch konzentriert. Am Ende musste ich viel Risiko eingehen, das Hinterrad drehte ständig durch und der Reifen überhitzte. Dennoch bin ich morgen am Start in einer guten Position. Bleibt nur noch abzuwarten, wie die Wetterbedingungen sein werden. Falls es trocken sein sollte, haben wir einige gute Lösungen bereit. Ich bin überzeugt, dass morgen dieselben Piloten an der Spitze zu finden sein werden wie üblich. Dann bleibt nur noch die Frage, wie sich die Reifen im Verlaufe des Rennens entwickeln werden."

Jesko Raffin (27.): Gegen die Übermacht von Johann Zarco konnte sich kein Fahrer behaupten. Für Jesko Raffin zog die Pole Position nach zuletzt soliden Leistungen im Qualifying von Malaysia allerdings wieder in weite Ferne. Er landete auf dem 27. Rang und schlug damit nur noch seinen Landsmann Robin Mulhauser.

"Da gibt es nicht viel zu sagen. Die Bedingungen waren erneut sehr schwierig, mit ständig veränderten Verhältnissen, wie es gestern schon genervt hat. Es war daher äusserst schwierig ein Gefühl sowie auch ein Vertrauen zu finden. Ohne das notwendige Vertrauen in das Motorrad zu haben, war es eben unmöglich mein Potenzial abzurufen. Von dem her darf man sich nicht über dieses miserable Ergebnis nach dem Qualifying wundern. Ich bin die Session übrigens mit Regenreifen zu Ende gefahren, weil aus meiner Sicht auch ein Wechsel auf Slicks nichts gebracht hätte. Ausserdem wäre es zu gefährlich gewesen, da die Piste an vielen Stellen noch feucht war. Doch das Rennen ist erst morgen und bis zum Abschluss dieses Wochenendes ist noch einiges möglich, egal wie die Verhältnisse sein werden."

Robin Mulhauser (28.): Robin Mulhauser belegte im Qualifying auf dem Sepang International Circuit den 28. und damit gleichzeitig letzten Rang.

"Die Bedingungen waren wie gestern Freitag kompliziert. Am Morgen haben wir einiges ausprobiert, aber in nur wenigen Runden kann man nicht alles verstehen und lösen. Am Nachmittag hatte ich Mühe, mich auf die schwierigen Bedingungen und die abtrocknende Strecke einzustellen. Als ich mich langsam zu lockern begann, war es bereits zu spät. Im Moment sieht es danach aus, als bleibe uns morgen Sonntag der Regen erspart. Es wird also alles und für alle neu werden. Für mich kann das nur heissen, dass ich besser platziert sein will als heute."

Robin Mulhauser wurde am Samstag Letzter - Foto: Technomag Racing

Freitag:

Tom Lüthi (7.): Der Freitag in Sepang verlief wenig erfreulich für Tom Lüthi. Zwar hatte er im ersten Freien Training die Nase vorn, doch das war der Tatsache geschuldet, dass er als einer von wenigen Fahrern vor der Ölspur-Unterbrechung und dem darauffolgenden Regen eine fliegende Runde hinlegen konnte. Bei auftrocknender Strecke im zweiten Freien Training sah die Lage gleich ganz anders aus, Lüthi konnte keine Spitzenzeit setzen. Mit einer 2:09.481 verlor er über sechs Zehntelsekunden auf Spitzenreiter Franco Morbidelli und konnte nur den siebten Platz einfahren. Besonders ärgerlich: Der WM-Führende Johann Zarco landete als Fünfter vor Lüthi. Immerhin, aufgrund der schwierigen Streckenbedingungen kam niemand auch nur annähernd an Lüthis Rekordrunde von 2015, nämlich eine 2:06.383, heran.

"Wir haben ein wenig am Motorrad arbeiten können, insbesondere in der zweiten Hälfte des Morgentrainings auf der vollständig nassen Strecke. Am Nachmittag war es bedeutend schwieriger. Die Piste schien trocken zu sein, war sie aber nicht. Überall waren nasse Flecken, das Wasser drückte durch den Asphalt nach oben. Da der neue Streckenbelag richtig schwarz ist, sieht man die Flecken nicht. Man spürt sie, wenn man darüberfährt, und das ist kein besonders angenehmes Gefühl. Die logische Folge davon waren die zahlreichen und frühen Stürze, die zum Abbruch durch die Renndirektion führten. Es war also gefährlich. Ich wusste, dass ich das Ganze ruhig angehen musste. Der neue Belag absorbiert zwar das Wasser gut, wenn es regnet. Aber sobald der Regen aufhört, bezahlen wir den Preis dafür: Das Wasser drückt wegen der Hitze von unten nach oben und verwandelt sich so in gefährliche Fallen."

Jesko Raffin (23.): Nach den positiven Ergebnissen aus Australien lief es für Jesko Raffin zum Malaysia-Auftakt weniger gut. Am Freitag verlor er 3,2 Sekunden auf die Bestzeit und platzierte sich damit nur auf Rang 23 im Klassement. Selbst auf den vor ihm platzierten Danny Kent verlor er bereits sechs Zehntel, auf den letzten Punkterang fehlen dem SAG-Fahrer satte 1,6 Sekunden.

"Die Streckenverhältnisse waren heute in beiden Sessions sehr schwierig. Während FP1 hatten wir zwei Runden im Trockenen. Das hat überhaupt keine Aufschlüsse gebracht. Doch im Regen hatte ich ein gutes Gefühl und am Ende war meine Rundenzeit in etwa die 14.-Schnellste. Mit meiner Leistung im Regen war ich zufrieden. Zu Beginn des zweiten Trainings war es halbnass und mit vielen feuchten Stellen. Doch wir sind von Beginn an mit Slicks in die Session gegangen, was allerdings eine sehr rutschige Angelegenheit war. Doch abgesehen davon tat ich mich generell schwer in einen Rhythmus zu kommen. Letztendlich war es aber eine derart schwierige Session, von der man eigentlich sagen muss, dass damit das gesamte Wochenende schon gelaufen ist. Aber ganz so schlimm ist die Situation doch nicht, obwohl wir heute am Motorrad absolut nichts machen konnten."

Robin Mulhauser (27.): Erneut war dies ein Freitag, den Robin Mulhauser sehr weit hinten im Klassement beendete. Er verlor 4,9 Sekunden auf die Spitze und landete als 27. nur noch vor dem malaiischen Wildcard-Piloten Ramdan Rosli. Allerdings machte er durch eine mutige Aktion auf sich aufmerksam: Als es im ersten Freien Training zu Monsun-artigen Regenfällen kam, wagte sich Mulhauser als erster Fahrer auf die patschnasse Strecke, um die Bedingungen zu testen. Nach nur einer Runde allerdings musste er feststellen, dass die Strecke teilweise unter Wasser stand, und kam wieder an die Box.

"Am Morgen ging ich im schlimmsten Moment auf die Strecke. In den ersten beiden Streckenabschnitten war alles in Ordnung, aber im dritten bin ich fast ertrunken. Noch nie im Leben ist in so kurzer Zeit so viel Regen auf mich gefallen. In kürzester Zeit stand das Wasser mehrere Zentimeter hoch auf der Strecke. Leider konnte ich unter diesen Bedingungen nicht wirklich Abstimmungsarbeit erledigen. Angesichts der gefährlichen, weil kaum sichtbaren Wasserfallen hielt ich mich den ganzen Tag zurück. Ich hoffe, dass wir morgen für das Qualifying klare Verhältnisse haben werden: also entweder Regen oder trocken. Wenn es ähnlich wird wie heute, gibt es keine tausend Rezepte, sondern nur eines - innerlich abschalten, Vollgas geben und darauf hoffen, dass es eine Runde gut geht."


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