Kühle, am Nachmittag sogar regnerische Wetterbedingungen und die ganz besondere Streckencharakteristik der schnellen Silverstone-Piste machten es Thomas Lüthi ungewöhnlich schwer, beim Motorrad-Grand Prix von England in Schwung zu kommen. "Ich habe mein Motorrad nicht wiedererkannt", wunderte sich der 24-jährige Interwetten Paddock Moto2-Pilot nach dem Training am Vormittag, das der normalerweise stets um Spitzenpositionen kämpfende Schweizer an vorläufig 21. Stelle beendete. Für das zweite freie Training am Nachmittag hatten Cheftechniker Alfred Willecke und seine Crew bereits ein anderes Setup für Rahmengeometrie und Federelemente ausgetüftelt, doch dann verhagelte der zur Mittagszeit einsetzende Regen die geplante Jagd nach besseren Rundenzeiten. Zum Ende des Trainings hin trocknete die Strecke zwar wieder halbwegs ab, was einige der Piloten dazu nutzten, mit Slicks auf die Strecke zu gehen. Allerdings erreichte niemand auch nur annähernd die Zeiten des Vormittags. Lüthi, der nach seinem Rennsturz in Barcelona am vergangenen Sonntag noch unter Prellungen und einem steifen Genick leidet, verzichtete deshalb auf den letzten Run.

"Es war fast ein Tag zum Vergessen. Schade, dass heute Nachmittag so ungünstige Bedingungen herrschten mit Nässe im vorderen und mit trockenem Asphalt im hinteren Streckenteil, denn wir hätten dieses Nachmittagstraining wirklich gebraucht, um die Probleme des Vormittags zu lösen. Im ersten Training haben wir uns verrannt mit der Abstimmung, und nach dem Regen heute nachmittag brauchen wir unbedingt bessere Bedingungen morgen, um unsere Hauptaufgabe zu lösen. Wir testen derzeit radikale Änderungen am Motorrad, um mehr Hinterradgrip und mehr Sicherheit zu finden, um eine größere Bandbreite zu gewinnen, in der wir uns bewegen können. Bislang war das Schnellfahren immer ein schmaler Grat. Ich war zwar in den Trainings immer ganz vorne dabei, doch das dann über eine ganze Renndistanz durchzuziehen, war schwer, was letzten Endes auch zu meinen Rennstürzen geführt hat. Das müssen wir jetzt hinkriegen – doch heute war das Gefühl noch alles andere als gut", resümierte der Schweizer.

Teammanager Terrell Thien meinte zum ersten Silverstone-Tag: "Das Motorrad war heute Morgen ganz anders, als wir es gewohnt sind. Es hat überhaupt nicht gepasst, was natürlich mit der ganz anderen Streckencharakteristik hier in Silverstone zu tun hat. Wir wussten jedoch, was wir zu tun hatten, um die Maschine auf die Bedingungen hier einzustellen. Leider hat es am Nachmittag dann geregnet, und obwohl es zum Ende hin wieder trocken wurde, haben Tom und die Techniker acht Minuten vor Schluss entschieden, nicht mehr auf Slicks rauszufahren. Es hätte auch nicht mehr viel gebracht. Wenn wir die Slick-Entscheidung eine Viertelstunde vor Ende getroffen hätten wie einige andere Piloten auch, hätten wir vielleicht noch etwas erreichen können!"

Cheftechniker Willecke ergänzte: "Wir waren heute Morgen mit dem Motorrad noch nicht ganz da, wo wir sein wollten. Für den Nachmittag hatten wir einen genauen Plan, Verbesserungen an Fahrwerksgeometrie und Federung auszuprobieren, doch dann hat uns leider das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Vielleicht wäre in den letzten zwei, drei Runden noch was gegangen, doch wir wollten das Risiko nicht eingehen, auf den nassen Flecken einen Sturz zu riskieren. Da Tom der Rennsturz von Barcelona noch in den Knochen steckt, war das meiner Meinung nach die richtige Entscheidung!"