Motorsport-Magazin.com Plus
Mehr Sportwagen

Nürburgring bis Spa - ROWE Racing: Könige der 24-Stunden-Rennen

ROWE Racing gelingt der 24-Stunden-Coup in nur 28 Tagen: Siege am Nürburgring und in Spa mit unterschiedlichen Herstellern. Das steckt hinter dem Team.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Innerhalb von nur 28 Tagen hat ROWE Racing die beiden weltweit wichtigsten 24-Stunden-Rennen im GT-Sport gewonnen. Dem ersten Triumph beim 24h-Rennen auf dem Nürburgring ließ die Mannschaft von Hans-Peter Naundorf nur wenige Wochen später den nächsten Sieg beim Langstrecken-Klassiker im belgischen Spa-Francorchamps folgen.

Was den Doppelerfolg noch spezieller macht: In der Eifel war ROWE Racing mit dem BMW M6 GT3 (Sims/Catsburg/Yelloly) erfolgreich, während das Team in Spa mit einem Porsche 911 GT3 R gewann. Seit 2019 fährt die Mannschaft aus dem saarländischen St. Ingbert zweigleisig und arbeitet mit unterschiedlichen Herstellern auf den jeweiligen Plattformen.

Mit dem Sieg in Spa festigte ROWE Racing den Ruf als eines der erfolgreichsten Teams auf dem Ardennenkurs. Nach 2016 mit BMW, gelang in diesem Jahr der zweite Erfolg auf der berühmten, sieben Kilometer langen Naturrennstrecke. Nicht zu vergessen: 2018 und 2019 holte ROWE jeweils den zweiten Platz beim 24-Stunden-Rennen in Spa.

Foto: SRO

Der Sieg am vergangenen Wochenende mit dem Porsche-Trio Earl Bamber, Nick Tandy und Laurens Vanthoor war noch knapper als kürzlich auf dem Nürburgring. Mit einem Vorsprung von nur 4,687 Sekunden überquerte der 911er die Ziellinie nach 527 Runden und insgesamt 3692,108 Kilometern. Beim verkürzten 24h-Rennen dem Nürburgring hatte die ROWE-Mannschaft 15 Sekunden Vorsprung auf den Zweitplatzierten - in beiden Fällen übrigens Audis.

Der ROWE-Sieg in Spa war ähnlich dramatisch wie zuvor auf dem Nürburgring. Schlussfahrer Nick Tandy rettete sich mit dem Porsche ins Ziel; eine weitere Runde hätte sein Rennwagen, der bereits bedenkliche Geräusche entwickelte, mangels Getriebeöl kaum noch geschafft.

Foto: Porsche AG

"Bei den Geräuschen in der letzten Runde hatte ich schon gedacht, dass alles aus ist", sagte Teamchef Hans-Peter Naundorf, der das Rennen wegen einer Erkrankung nicht vor Ort verfolgen konnte. "Aber am Ende hat doch alles gepasst. Nach dem Sieg auf dem Nürburgring jetzt auch in Spa zu gewinnen, ist ein Traum - und die perfekte Belohnung für die viele harte Arbeit eines ganzen Jahres."

Aus Tandys Cockpit heraus klang das Drama wie folgt: "Es hörte sich fast an, als würden kleine Bomben explodieren. Ich habe mich erschrocken und im selben Moment gemerkt, dass die Hinterachse auf einer Ölspur herumrutscht. Was ich nicht wusste: Das Öl kam aus unserem Auto. Ich kann es immer noch nicht glauben, dass uns der Porsche 911 GT3 R trotzdem noch bis ins Ziel gebracht hat."

Foto: Porsche AG

Mit den Siegen in Spa und auf dem Nürburgring geht ROWE Racing als erfolgreichstes GT-Team in das von der Corona-Pandemie überschattete Jahr 2020 ein. Hinter dem Erfolg steckt tatsächlich die Motorsport Competence Group AG (MCG AG), die 2011 vom ehemaligen Mercedes-Benz DTM-Ingenieur Hans-Peter Naundorf gegründet worden ist. Von 2011 bis 2015 setzte das Team Rennwagen von Mercedes ein, bevor ab 2016 der Wechsel zu BMW und seit 2019 die Zusammenarbeit mit Porsche folgte.

Das Team ist inzwischen spezialisiert auf Langstrecken-Rennen. In der Saison 2020 bestritt ROWE Rennen in der GT World Challenge Europe mit dem Porsche 911 GT3 R. Bei NLS-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife setzte das Team den BMW M6 GT3 ein. In der Vergangenheit startete ROWE auch im ADAC GT Masters. Eine Zukunft in der DTM unter dem neuen GT-Reglement ist vorstellbar.

Foto: SRO

Naundorf nach dem zweiten Gesamtsieg in Spa: "Nick Tandy, Earl Bamber und Laurens Vanthoor waren von Anfang an unsere Wunschbesetzung, und sie haben sich als wahres Helden-Trio gezeigt. Sie waren absolut fehlerfrei unterwegs, haben anders als viele andere Piloten keine Strafen kassiert oder sind von der Strecke gerutscht. Sie haben auch nach dem etwas enttäuschenden Qualifying nie aufgegeben, sich im Rennen nicht aus der Ruhe bringen lassen und dem Team blind vertraut, das in den entscheidenden Momenten die richtigen strategischen Entscheidungen getroffen hat."


Weitere Inhalte:
Mitarbeiter Motorsport Designer Journalismus Programmierer Video
Motorsport-Magazin.com Plus