Marken- und Fahrertitel in der ETCC - was bedeutet dieser Erfolg für BMW?

Mario Theissen: Diese internationalen Titel sind von außerordentlicher Wichtigkeit für BMW. Die BMW Länderteams haben über die ganze Saison bei zwanzig Läufen in acht Ländern hart gekämpft und gemeinsam dafür gesorgt, dass der Herstellertitel sogar schon drei Rennen vor Saisonende an BMW ging. Wir hatten uns hohe Saisonziele gesteckt, und wir haben sie erreicht: Wir wollten mit dem BMW 320i die Markenmeisterschaft verteidigen und außerdem den Fahrertitel gewinnen. Darüber hinaus hat Tom Coronel in der FIA ETCC erneut die Independents Trophy für die Privatfahrer gewonnen. Besser hätte es nicht laufen können.

Welchen Stellenwert hat der Tourenwagensport für BMW im Portfolio der Motorsport-Engagements?

Mario Theissen: Einen sehr hohen. BMW ohne Tourenwagensport ist nicht denkbar, und Tourenwagensport ohne BMW auch nicht. In keiner Disziplin hat BMW so viele herausragende Erfolge zu verzeichnen. Darunter, mit den beiden jüngsten Titeln, insgesamt 20 Europameisterschaften und der Gewinn der einzigen bis dato ausgetragenen FIA Weltmeisterschaft für Tourenwagen. Diesen Titel holte 1987 Roberto Ravaglia, der heute eines der Länderteams in der FIA ETCC betreibt. 2004 hat BMW Motorsport nicht nur den 320i erfolgreich ins Rennen geschickt. Mit dem BMW M3 GTR haben wir unseren 17. Gesamtsieg beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring erzielt und dabei sogar einen Doppelsieg gefeiert. Hinzu kam wenig später der Klassensieg bei den 24 Stunden von Spa. Dabei haben Schnitzer Motorsport und Dirk Müller und Jörg Müller eine Doppelbelastung durch ETCC und Langstreckenrennen mit Bravour gemeistert.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung der FIA ETCC?

Mario Theissen: Insgesamt positiv. Wir haben viele spannende Rennen gesehen. Es ging einige Male härter zu, als mir lieb war. Aber eine positive Entwicklung gegenüber 2003 war deutlich erkennbar. Die meisten Manöver 2004 waren hart aber herzlich. Die Zuschauerresonanz spiegelt die Qualität der Rennen leider nicht wider. Das ist ausbaufähig. Dabei hilft die Teilnahme von weiteren Herstellern. Neben Alfa Romeo, BMW und SEAT werden 2005 zwei bis drei weitere Hersteller erwartet. Und es helfen bekannte Fahrernamen im Feld, wobei die Begeisterung, die Alessandro Zanardi mit seinem Comeback ausgelöst hat, eine Sonderrolle einnimmt. Außerdem bekommt die Serie im kommenden Jahr das Weltmeisterschaftsprädikat der FIA. Das wird sie weiter stärken und den Stellenwert deutlich erhöhen, da es neben der Formel 1 und der Rallyeweltmeisterschaft nun die Dritte FIA-Serie weltweit mit einem Weltmeisterschaftsprädikat ist.

Wie wird BMW Motorsport die Einsätze in der neuen WM handhaben?

Mario Theissen: Im Prinzip genauso wie wir es in der EM gehalten haben. Für BMW ist ein ganz entscheidendes Plus, dass wir in dieser Serie weltweit mit einem Fahrzeug antreten können, das wir in München entwickeln und dann als Sport-Kit international an renommierte Kundenteams verkaufen. BMW Motorsport wird hierbei weiterhin entsprechenden Support leisten. Ein offizieller BMW Werksauftritt ist nicht geplant, weil dies dem Gedanken des Super2000-Reglements für bezahlbaren Tourenwagensport nicht entsprechen würde. Das Reglement erlaubt beherrschbare Technik und überschaubare Budgets für Einsätze in interessanten Märkten.

Was war 2004 der Schlüssel zum Erfolg?

Mario Theissen: Das ist im Motorsport immer ein Zusammenspiel von mehreren Faktoren. Sicher war die technische Entwicklung ein Grundstein, um die starke Konkurrenz von Alfa Romeo und gegen Ende der Saison auch SEAT zu besiegen. Ebenso sicher haben die Länderteams und die Fahrer, allen voran Andy Priaulx, hervorragende Arbeit geleistet.

Sie sind meistens mit der Formel 1 unterwegs. Haben Sie Zeit gefunden, um die FIA ETCC zu verfolgen?

Mario Theissen: Und ob. Entweder ich schaue mir die TV-Übertragungen an oder ich bin vor Ort dabei. Das ist nicht nur berufliche Pflichterfüllung - die Rennen sind extrem spannend und haben dadurch einen hohen Unterhaltungswert.