Die 20 Rennen der Saison 2004 der FIA European Touring Car Championship (ETCC) hielten viele Höhen und wenige Tiefen für die BMW Länderteams mit den BMW 320i bereit. Und am Ende zahlte sich unermüdliche Arbeit aus: BMW verteidigte erfolgreich den Herstellertitel, und Fahrer Andy Priaulx (GBR) wurde Tourenwagen-Europameister.

Die Piloten der BMW Kundenteams waren eine Mischung aus angestammten Fahrern und Neuverpflichtungen. Im BMW Team Deutschland (Schnitzer Motorsport) starteten im dritten Jahr in Folge die beiden Deutschen Dirk Müller und Jörg Müller. Priaulx fuhr erneut für das BMW Team Great Britain. An fünf der zehn Rennwochenenden setzte die gleiche Crew, RBM, einen zweiten BMW 320i ein: Kurt Mollekens (BEL) startete unter dem Banner des BMW Team Belgium-Luxembourg. Im BMW Team Italy-Spain (Ravaglia Motorsport) bestritt Alessandro Zanardi (ITA) erstmals seit seinem Unfall im Jahr 2001 wieder eine komplette Rennsaison, Antonio Garcia (ESP) war sein Teamkollege.

Bereits am vorletzten Rennwochenende der Saison sicherte sich BMW den zweiten Herstellertitel in Folge – in Oschersleben und im Beisein von BMW Motorsport Direktor Mario Theissen. Gleichzeitig gewann Tom Coronel (NLD) mit seinem von Carly Motors eingesetzten BMW 320i die Privatfahrer-Wertung. Diese "Independents Trophy" hatte sich schon 2003 ein BMW Fahrer gesichert, damals war es Duncan Huisman (NLD) mit dem gleichen Team. Nach den Läufen 17 und 18 in Oschersleben stand bereits fest, dass auch die Fahrer-EM an einen BMW Piloten gehen würde, doch die Entscheidung für Andy Priaulx fiel erst im kampfbetonten Finale in Dubai.

Guter Auftakt in Monza

Beim ETCC-Auftakt im März in Monza verbuchte Jörg Müller den ersten Saisonsieg gegen die starke Konkurrenz von Alfa Romeo. Zanardi, der bei einem Gaststart 2003 am selben Ort wieder auf den Geschmack gekommen war und nun einen BMW 320i mit weiterentwickeltem Handbetrieb zur Verfügung hatte, holte im ersten Rennen seinen ersten Punkt. Sein Teamkollege Garcia sammelte im zweiten Rennen drei weitere Zähler. Schon beim Saisonstart hatte sich abgezeichnet, dass die Konkurrenz 2004 stark sein würde. In Valencia bestätigte sich dieser Eindruck: Für die BMW Fahrer waren die Podiumsplätze in Spanien außer Reichweite.

In Magny-Cours drehten Dirk Müller und Priaulx den Spieß um und bescherten BMW zwei Siege. Auch die Heimrennen für BMW in Hockenheim brachten ein Traumergebnis, diesmal teilten sich Priaulx und Jörg Müller die Siege. Mit dem nächsten Einsatz in Brünn endete die erste Saisonhälfte, und dort gewannen Priaulx´ Titelambitionen an Kontur.

Andy Priaulx´ Titelkampf

Der Brite war der Star des Wochenendes in Tschechien. Er war schnellster BMW Pilot im Qualifying, gewann das erste Rennen und wurde im zweiten Durchgang hinter Dirk Müller Zweiter. Auch im Meisterschaftsstand hatte er sich nun unmittelbar hinter dem Deutschen mit vier Punkten Rückstand auf die Lauer gelegt.

Ein misslungenes Qualifying bei seinem Heimrennen in Donington konnte Priaulx nicht davon abhalten, dort im zweiten Rennen den nächsten Sieg einzufahren. Aus dem ersten Lauf hatte er fünf Punkte mitgenommen. Er war der neue Meisterschaftsführende. Einen Monat später, bei den Läufen 13 und 14 in Spa-Francorchamps, wurde er seinen Spitzenplatz allerdings schon wieder los. Dirk Müller und Jörg Müller gewannen auf der belgischen Traditionsrennstrecke und verwiesen Priaulx auf den dritten Meisterschaftsrang.

Die Rennen in Imola wurden für die meisten der BMW Fahrer ein Einsatz zum Vergessen. Die Strecke lag den BMW 320i nicht, Alfa Romeo trumpfte groß auf. Das beste Ergebnis für BMW erzielte Dirk Müller als Dritter des zweiten Rennens. Priaulx und Jörg Müller schieden nach unverschuldeten Unfällen aus. Zanardi raste wegen eines Bremsdefekts in eine Mauer, entstieg dem Wrack seines BMW 320i aber zum Glück unverletzt.

Dirk Müller kam als Tabellenführer zur vorletzten ETCC-Veranstaltung des Jahres nach Oschersleben. Gabriele Tarquini war ihm dank seiner zwei Siege in Imola als Zweiter auf den Fersen. Doch die Hoffnungen des Italieners lösten sich buchstäblich in Rauch auf, als aus dem Motorraum seines Alfa Romeo Flammen schlugen. Priaulx holte im ersten Lauf seinen fünften Saisonsieg und machte BMW damit in der Herstellerwertung uneinholbar. Im zweiten Rennen wurde Priaulx Opfer von Augusto Farfus Jr. und ging leer aus. Dirk Müller erzielte in Oschersleben zwei Podiumsplätze und flog somit mit zwölf Punkten Vorsprung auch als Tabellenführer zum Finale nach Dubai.

Entscheidung zwischen Dirk Müller und Andy Priaulx in der Wüste

Außentemperaturen um 35 Grad und ein heißer Kampf um die EM-Krone unter den Fahrern Dirk Müller, Andy Priaulx und Jörg Müller kennzeichneten das Finale im Wüstenstaat. Priaulx erzielte seine erste Poleposition in dieser Saison, Jörg Müller wurde im Qualifying Neunter, Dirk Müller Zehnter. Die Hoffnungen des Tabellenführers reduzierten sich im ersten Lauf drastisch: Eine Kollision mit dem Alfa Romeo-Privatfahrer Luca Rangoni zog für Dirk Müller zwei Reparaturstopps nach sich.

Als das 20. und letzte Saisonrennen freigegeben wurde, hatte Dirk Müller noch vier Punkte Vorsprung auf Priaulx, musste allerdings vom Ende des Feldes starten. In der ersten Runde löste eine Massenkarambolage, in der auch die Fahrzeuge von Priaulx und Jörg Müller beschädigt wurden, einen Rennabbruch aus. Nach dem Neustart gelang Dirk Müller eine Aufholjagd bis auf Platz fünf – eine Position weiter, und er wäre Europameister gewesen. Priaulx kam als Zweiter ins Ziel. Beide hatten nun 111 EM-Punkte, Priaulx allerdings fünf Siege, Dirk Müller nur drei. Das gab den Ausschlag.

Das BMW Team Italy-Spain blieb am Ende sieglos, das beste Ergebnis hatte Antonio Garcia mit Platz zwei in Hockenheim erzielt. Für Alessandro Zanardi wurde das Finale das Saisonhighlight: In Dubai startete er zum zweiten Lauf aus der ersten Reihe und wurde Sechster. Jörg Müller steuerte drei Rennsiege zur Gesamtbilanz von elf Siegen für den BMW 320i in der FIA ETCC 2004 bei. BMW Fahrer qualifizierten sich drei Mal für die Poleposition im ersten Rennen (zwei Mal Jörg Müller, ein Mal Priaulx), verbuchten zehn schnellste Rennrunden und 124 Führungsrunden.