Graham Rahal kann aufatmen: Beim vierten IndyCar-Saisonrennen im Barber Motorsports Park kehrte der RLL-Pilot nach einer gefühlten Ewigkeit zurück aufs Podium. Geschlagene 41 Rennen waren vergangen, seit er zuletzt im Jahr 2023 einen Podestplatz hatte erringen können. Für Rahal, den Sohn von Teambesitzer Bobby Rahal, war es das 30. Podium bei seinem 299. Start in der US-Formelserie.

Die RLL-Mannschaft um Neuzugang Mick Schumacher konnte sich ebenso über ihre erste Top-3-Platzierung in dieser Saison freuen. Der 37-jährige Rahal hatte den Grundstein zum Erfolg mit dem dritten Platz im Qualifying gelegt. Und nahm das als willkommenen Anlass, um gegen seine Kritiker zurückzuschlagen.

Mick Schumacher bei IndyCars überrundet! Highlights Barber (09:04 Min.)

Graham Rahal: "Es gibt eine Menge Idioten auf dieser Welt"

"Es gibt genug Bullshit, mit dem ich mich herumschlagen muss", sagte Rahal auf der Pressekonferenz nach dem Rennen. "Ich höre es immer noch: 'Oh, er ist nicht gut im Qualifying', liest man jeden Tag auf Twitter. Ich stand schon letzte Woche in der zweiten Reihe (Startplatz drei in Phoenix; d. Red.), also haltet einfach den Mund. Es gibt eine Menge Idioten auf dieser Welt. Damit muss man leben. Entschuldigung für die Ausdrucksweise."

Rahal konnte sich für eine Weile im Rennen sogar Hoffnungen auf seinen siebten Karrieresieg ausrechnen, nachdem er im ersten Stint eine ähnliche Pace fuhr wie der spätere Sieger Alex Palou: "Wir kamen bis auf drei Sekunden heran. Es fühlte sich gut an, so lange mithalten zu können, weil das nicht viele können."

Während der spanische Superstar später an der Spitze davoneilte und seinen zweiten Saisonsieg erzielte, musste sich Rahal allerdings gegen David Malukas zur Wehr setzen. Der RLL-Pilot behielt zwar die Nase vorne, verlor den zweiten Platz aber während der zweiten Boxenstopps an McLaren-Pilot Christian Lundgaard, der auf dieser Position auch die Ziellinie überqueren sollte. Lundgaard büßte bei seinem letzten Stopp zwar rund zehn Sekunden ein, weil ein Rad klemmte, doch drei Runden vor dem Ende schnappte er sich Rahal wieder.

"Ich wollte das Podium und nichts Dummes machen"

"Ich glaube, dass ich Christian hätte aufhalten können", meinte Rahal. "Nur war seine Stärke meine Schwäche. In den Kurven 2 und 3 hatte er einen Vorteil, überall anders konnten wir etwas wegziehen. Das war der beste Teil der Strecke für ihn. Leider haben diese beiden Dinge nicht wirklich gut zusammengepasst." Rahal musste am Ende noch hart für seinen Podestplatz kämpfen und kam sieben Zehntelsekunden vor Penske-Fahrer Malukas ins Ziel.

"Ich wollte das Podium und nichts Dummes machen, um keine Zeit verlieren", erklärte Rahal. "Über David war ich nicht allzu besorgt. Ich habe ihn früher überholt, kannte seine Stärken und Schwächen. Ich wollte das Podium unbedingt, um ein bisschen Druck von den Jungs zu nehmen."

So rettete Rahal die Ehre für die RLL-Mannschaft, während seine Teamkollegen Schumacher sowie Louis Foster nur die Plätze 24 und 25 belegten. Schumacher wählte eine ähnliche Reifen-Strategie wie Rahal mit drei Stints auf den Soft-Reifen, während Foster es als einziger Fahrer mit vier Boxenstopps probierte - und mit dieser Taktik baden ging.

Graham Rahal beim IndyCar-Rennen in Barber
Graham Rahal (Mitte) hat es wieder aufs IndyCar-Podest geschafft, Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire

Trotz Setup-Kopie: Wieso lief es nicht bei Mick Schumacher?

"Beide haben meine Setup-Einstellungen kopiert", verriet Rahal. "Mick und ich fahren immer ungefähr gleich. Deshalb waren wir beide in Phoenix gleichauf. Wir beide sind konstant. Louis schlägt manchmal einen etwas anderen Kurs ein. Heute sind wir mit genau dem gleichen Auto gestartet. Louis fuhr eine andere Getriebe-Strategie, das war aber nur ein kleiner Unterschied."

Es gelte nun, die teamintern gesammelten Daten abzugleichen, um die Unterschiede vor dem nächsten Rennen Mitte April in Long Beach (zum IndyCar-Rennkalender) zu verstehen. Rahal: "Das hört sich einfach an, ist es aber nicht. Wir müssen verstehen, was die Änderungen an meinem Auto waren, mit denen wir auf dem richtigen Fuß ins Wochenende gestartet sind. Ich bin natürlich ein viel schwererer Fahrer als sie. Das wirkt sich auf die Gewichtverteilung und den Schwerpunkt aus."

Reifenwahl: Rahal gibt Regel-Patzer zu

In Vorbereitung auf die kommenden Rennen kann wohl auch ein Blick ins Reglement nicht schaden. Rahal hatte sich im Qualifying einen frischen Satz der Soft-Reifen aufgespart und wollte diesen vermeintlichen Vorteil im Rennen am Sonntag ausspielen. Überraschenderweise stellte sich jedoch die Hard-Mischung als bessere Wahl heraus, wie Sieger Palou zeigte, der nur einen einzigen seiner vier Stints auf den Softs absolvierte und stattdessen lieber auf gebrauchte Hards zurückgriff.

"Ich bin ehrlich", so Rahal. "Ich dachte, man muss laut den Regeln zweimal die alternative Reifenmischung (Soft; d. Red.) fahren. Das gibt es aber nur auf Stadtkursen. Und das hat mich später getroffen. Wenn ich zweimal Prime (Hard; d. Red.) gefahren wäre, wie alle anderen auch, hätte ich gewusst, dass zwei neue Reifen einen Vorteil bringen. Aber wir lernen daraus." Ebenso meinte Rahal, dass auf seinem Auto kein allzu großer Unterschied zwischen den beiden Firestone-Mischungen spürbar gewesen sei.

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