IMSA / Rennbericht

Regenlotterie und Grande Finale: Action-Express-Cadillac gewinnt 24h Daytona

20 Cautions, Regenlotterie - egal! Zwei Cadillac bekriegten sich bis zum Ziel um den Daytona-Sieg. Unfassbar waren auch die Kämpfe in den GT-Klassen.
von Tobias Ebner

Motorsport-Magazin.com - Es war der erwartete Sieg für den Cadillac DPi bei den 24h von Daytona. Doch das Rennen konnte kaum spannender sein! Wayne Taylor Racing und seine Fahrer Jordan und Ricky Taylor, Max Angelelli und Jeff Gordon setzten sich nach einem Regenkrimi in der Nacht und am Vormittag und nach einer dramatischen und kontroversen Schlussphase gegen die Markenkollegen von Action Express durch. Joao Barbosa, Filipe Albuquerque und Christian Fittipaldi unterlagen nur hauchdünn und auf tragische Weise nach 24 Stunden.

24h Daytona 2017: Die Top-3 aller Klassen im Ziel

Hinter Taylor und Action Express sieht der VisitFlorida-Multimatic/Riley um René Rast als Dritter die Zielflagge, dahinter kommt der ESM-Nissan #2 ins Ziel. Ford siegt in der GTLM-Klasse, auch dort wurde es in der Schlussphase zum Nägelkauen. Patrick Pilet im neuen 911er-Porsche attackierte lange, musste sich dann aber in der Schlussphase gegen den Ferrari von James Calado verteidigen. In der GTD-Klasse setzte sich Michael Christensen am Ende knapp gegen Christopher Mies durch, Dritter wurde Jeroen Bleekemolen.

Endstand nach 24 Stunden
P
1 Taylor/Taylor/Angelelli/Gordon (Taylor-Cadillac #10)
2 Barbosa/Fittipaldi/Albuquerque (Action-Express-Cadillac #5)
3 Goossens/van der Zande/Rast (Spirit-of-Daytona-Riley #90)

PC
1 French/O'Ward/Masson/Boulle (Performance-Tech-Oreca #38)
2 Papadopoulos/Mowlem/Merzon/Hindman/Cheng (BAR1-Oreca #26)
3 Yount/Rice/Kvamme/Ducote/Yacaman (BAR1-Oreca #20)

GTLM
1 Müller/Hand/Bourdais (Ford #66)
2 Pilet/Werner/Makowiecki (Porsche #911)
3 Fisichella/Calado/Vilander (Risi-Ferrari #62)

GTD
1 De Quesada/Morad/Lazare/De Quesada/Christensen (Alegra-Porsche #28)
2 De Phillippi/Mies/Gounon/Schmidt (Land-Audi #29)
3 Keating/Bleekemolen/Farnbacher/Christodoulou (Riley-AMG #33)

24h Daytona 2017: Die Höhepunkte in chronologischer Folge

FCY nach acht Minuten: Das Rennen war noch keine zehn Minuten alt, schon musste es erstmals neutralisiert werden. Jeroen Mul im Change-Lamborghini #16 ist im Western Horseshoe abgeflogen, das Rennen für diese Mannschaft war damit bereits beendet.

Plattfuß-Wunder Porsche: Die neuen GTE-Porsche wurden in den ersten 90 Minuten von gleich drei Reifenschäden heimgesucht. Patrick Pilet vermutete im Interview einen zu geringen Luftdruck als Ursache. Dies hatte man angepasst, danach passierte Porsche in dieser Hinsicht nichts mehr.

Lexus crasht heftig: Wenige Minuten nach Porsches dritten Platten hat Scott Pruett den #14-Lexus verloren und ist damit heftig in die Mauer am Boxenausgang eingeschlagen. Der Crash verursachte die zweite FCY des Rennens, während das Team den Lexus zurückziehen musste. Beim Restart krachte Jeff Gordon im Taylor-Cadillac in einen Mazda DPi und verlor damit die Führung.

Erste Probleme für die Cadillac: Gut drei Stunden waren vorbei, da ereilte auch die Spitze erstmals ein Problem: Die #31 von Action Express sprang beim Stopp nicht mehr an. Eric Curran, der übernahm, verlor damit 90 Sekunden und die Führung und musste sich auf Platz drei wieder einreihen.

Heftiger Crash verursacht dritte FCY: Wenige Minuten nach dem misslungenen Cadillac-Stopp wurde das Rennen wieder neutralisiert. John Falb im #8-Oreca ist mit dem #73-Porsche zusammengekracht, beide flogen in die Reifenstapel der Bus-Stop ab. Falb wurde als Verantwortlicher ausgemacht, sein Auto wurde mit einer zehnminütigen Stop-and-Go bedacht. Gut zehn Minuten nach dem Restart gab es wieder einen Führungswechsel: Max Angelelli brachte den Taylor-Cadillac wieder an die Spitze.

Regen sucht die Nacht heim: Gut sechs Stunden waren gefahren, als sich der angekündigte Regen erstmals im Rennverlauf meldete. Wayne Taylor Racing reagierte offenbar zu spät, denn man musste die Führung nach den Stopps für Regenreifen wieder an die beiden Action Express Autos abtreten. Beide kamen etwas früher herein.

Action Express mit Reparatur-Pausen: In der achten Stunde ereilte den Action Express Cadillac #31 ein großer Rückschlag: Mike Conway brachte den Wagen zur Reparatur an die Box. Ein Folgeschaden nach einer Kollision mit einem PC sorgte für einen Stopp von zehn Minuten. Damit war man quasi raus aus dem Kampf um den Sieg. Auch das Schwesterauto blieb von Problemen nicht verschont: In der neunten Stunde musste die Heckpartie der #5 zum zweiten Mal ausgetauscht werden, was zwei Runden kostete. Taylor Racing übernahm so die Führung wieder.

Neuer Verfolger Hartley mit Unfall im Verkehr: In der zehnten Stunde war Brendon Hartley im ESM-Nissan #22 der erste Verfolger des Taylor-Cadillacs. Doch auch der Ex-WEC-Champion verabschiedete sich aus dem Sieg-Kampf, als er mit dem TRG-Porsche kollidierte. Mehr als 20 Runden kostete die Reparatur.

Durchfahrtsstrafe für die Leader: Kurz nach Halbzeit auch der erste Rückschlag für den Taylor-Cadillac: Durchfahrtsstrafe, da man sich beim Boxenstopp nicht an die Vorgaben hielt! Die Führung war man los, sensationell übernahm der Multimatic/Riley von VisitFlorida mit René Rast am Steuer!

Starker Regen - rien ne va plus: Der Regen wurde mit der Zeit immer heftiger, sodass ab Stunde 13 fast vier Stunden lang das Rennen nahezu ausschließlich unter Full Course Yellow stattfand. In den kurzen Grünphasen dazwischen krachte es das ein oder andere Mal, unter anderem erwischte es Cooper MacNeill im Riley-Mercedes #50.

PC-Boliden sorgen für Chaos: Das letzte Rennviertel war gerade angebrochen, als einer der PC-Boliden seine Motorhaube mitten auf der Strecke verlor. Die Folge war die insgesamt 14. Caution des Rennens. Auch danach sorgte die PC-Klasse für Chaos auf der Strecke, die Fahrzeuge drehten oder crashten häufig.

Taylor-Cadillac in Trouble: Gut fünf Stunden waren noch auf der Uhr, als Max Angelelli im Taylor-Cadillac nach einem Stopp auf Abwegen war. Angelelli fuhr wie auf Glatteis und verlor durch den Stopp und die Ausritte die Führung. Auch Scott Sharp im #2-Nissan ist abgeflogen und nahm dabei eine Conti-Werbebande mit. Kurz darauf hieß es nach einem Unfall von Jack Hawksworth im #15-Lexus wieder mal: Full Course Yellow!

Angelelli verspielt fast wieder Führung: Beim Restart kämpfte sich Angelelli wieder an die Spitze. Doch keine Stunde später war der Italiener wieder auf Abwegen - die Führung konnte er dieses Mal aber gerade so vor Joao Barbosa behaupten. Der Taylor-Cadillac ist in der Bus-Stop-Schikane abgeflogen, ohne schwerwiegende Folgen.

Es herrsche das Chaos: Mit gut vier Stunden vor Schluss nahm das Chaos auf der Strecke wieder zu. Erst verliert Christian Fittipaldi den #5-Cadillac nach einem Stopp zurück auf Slicks, kurz darauf fängt der #55-Mazda Feuer und muss an der Box gelöscht werden. In der Zwischenzeit fliegt der #8-Oreca aus der PC-Klasse ab und verursacht die nächste Full Course Yellow.

FCY unterbricht heißes GT-Racing: Die drittletzte Stunde war gerade angebrochen, als sich die GT-Klassen daran machten, die Fans mit Racing vom Feinsten zu verzaubern - in der GTLM-Klasse fuhren sechs Wagen Rad an Rad und auch in der GTD-Klasse bekriegten sie sich um die Führung. Doch dann flog Ben Hanley im Dragon-Oreca #81 ab und sorgte für die 18. Caution des Rennens.

GTD-Leader scheidet zwei Stunden vor Schluss aus: Der Scuderia Corsa Ferrari lag zwei Stunden vor Schluss in Führung, doch dann rollte er mit einem technischen Defekt aus - Folge war die 19. Caution des Rennens. Die beiden führenden Cadillac kamen zum Stopp, René Rast hingegen nicht. Das brachte den Deutschen in Führung. Diese war er allerding kurz nach dem Restart wieder los.

#93-Lexus sorgt für chaotische Schlussphase: In den letzten 60 Minuten verursachte der GT3-Lexus von Michael Shank Racing gleich zwei Cautions und brachte so ordentlich Würze in die Schlussphase! Erst verlor man ein großes Teil der Motorabdeckung, später sorgte man mit einem Unfall für eine weitere Neutralisierung. So kam es noch einmal zu einem packenden Finale in den P- und GTLM-Klassen.

Das Skandalfinale: Keine zehn Minuten waren mehr auf der Uhr. Ricky Taylor jagte Filipe Alburquerque im #5-Cadillac. Ende Start-Ziel sticht Taylor in eine Lücke, die eigentlich keine war. Albuqerque zog rein und kollidierte mit Taylor. Der Portugiese drehte sich, Taylor war durch. Zur großen Überraschung folgte keine Bestrafung - der Weg zum Sieg war frei. Ein Sieg mit Beigeschmack für die Taylor-Truppe.

24h Daytona 2017: Stimmen vom Podium

Ricky Taylor (Taylor-Cadillac, Platz 1): "Ich habe schon einige Zeit lang analysiert, wo wir stark sind und wo nicht. Ich meine, das hier ist das 24-Stunden-Rennen, da riskiert jeder. Ich sah es so: Wir sind in Verkehr gekommen und haben zu ihm aufgeschlossen. Er hatte seine Probleme in Turn 1, da sah sein Wagen nicht sehr gut aus. Wir aber waren stark auf der Bremse. Ich habe darüber schon seit Jahren nachgedacht. Die Leute öffnen immer ihre Linie nach diesem kleinen Knick. Es ist so einfach, da die Bremse aufzumachen und innen reinzustechen. Wenn man daneben kommt, kann es funktionieren. Ich dachte, er hätte mich kommen sehen."

Filipe Albuquerque (Action-Express-Cadillac, Platz 2): "Es war ein guter Kampf, bis ich hinten getroffen wurde. Ehrlich gesagt gibt es darüber nicht viel zu sagen. Vor mir fuhren einige GTs, daher konnte ich nicht so spät bremsen. Ich habe die Tür zugemacht, aber wurde dann umgedreht. Es gibt nicht viel zu sagen. Die Rennleitung hat ihre Entscheidung getroffen. So ist es jetzt, und wir sind Zweiter. Aber ehrlich gesagt: Meiner Meinung nach würde sich ein echter Racer ein bisschen über diesen Sieg schämen."

René Rast (VisitFlorida-Multimatic/Riley, Platz 3): "Unser längster Run vor dem Rennen war ziemlich kurz. Wir wussten nicht mal, ob wir überhaupt eine Stunde fahren können. Aber jetzt sind wir hier und hatten über die gesamten 24 Stunden kein einziges Problem. Das ist schon beeindruckend, denn für so etwas braucht man normalerweise 20 Testtage, und wir haben das ohne Testprogramm hingekriegt. Das war eine große Teamleistung, die VisitFlorida-Jungs haben die letzten Wochen durch gearbeitet, das war einfach unfassbar. Sie haben uns ein fehlerloses Auto hingestellt, und wir mussten es einfach nach Hause bringen."


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