Um diesen Job dürften einige Rennfahrer-Kollegen Nico Müller beneiden: Der Schweizer teilt sich in dieser Saison einen Audi R8 LMS GT3 mit niemand Geringerem als MotoGP-Ikone Valentino Rossi. Müller, Rossi und der Belgier Frederic Vervisch bestreiten 2022 alle Endurance-Rennen der GT World Challenge. In den weiteren Sprint-Läufen der Serie teilen sich der Motorrad-Umsteiger und Vervisch den von WRT eingesetzten Audi R8.

"Er war von Anfang an ganz entspannt, supercool, ohne eine Spur von Allüren, dafür mit brutal viel Leidenschaft", beschrieb Audi-Werksfahrer Müller gegenüber dem Tagesanzeiger seine ersten Eindrücke vom neunfachen Motorrad-Weltmeister, der vor seiner ersten vollen Saison im GT3-Sport steht. Die Zusammenarbeit sei für Müller "schon sehr speziell, Valentino war mein Kindheitsidol".

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Müller über Rossi-Debüt: "Wir sind nur die Mitläufer"

Wie speziell es wirklich wird, wenn Valentino Rossi ein Fahrerlager betritt, dürfte Müller schon bald erfahren. Vom 01. bis 03. April 2022 bestreitet die GT World Challenge ihren Saisonauftakt mit dem 3-Stunden-Rennen im italienischen Imola - ausgerechnet Rossis Heimrennen! Das Fan- und Medieninteresse an der früher als Blancpain bekannten Rennserie dürfte größer sein als jemals zuvor.

"Wir sind nur die Mitläufer, aber es wird sicher einiges los sein", kann sich auch der zweifache DTM-Vizemeister Müller einer großen Aufmerksamkeit als Teamkollege des Superstars sicher sein.

Dass die Endurance-Rennen der GTWC überhaupt noch Platz fanden in Müllers Kalender, ist ein kleines Wunder: Der 30-Jährige startet 2022 zudem in der DTM mit dem Audi-Kundenteam Rosberg, in der Langstrecken-Weltmeisterschaft für LMP2-Team Vector Sport, kommentiert beim Heimsender SRF die Rennen der Formel 1 und ist theoretisch als Entwicklungsfahrer für Audis stark wackelndes LMDh-Projekt vorgesehen.

Müller: Rossis Gefühl für den Wagen ist phänomenal

Die gemeinsamen Rennen mit Rossi bilden sicherlich ein Highlight in Müllers ausuferndem Rennsport-Programm. Nach den ersten gemeinsamen Erfahrungen bei Testfahrten Anfang März in Paul Ricard schwärmte er: "Ich soll ihm helfen, schnell auf Tempo zu kommen. Sein Gefühl für den Wagen ist phänomenal, gerade beim Setup hat er uns schon sehr viel geholfen."

Rossi sei extrem motiviert, stellte der im GT-Sport erfahrene Müller fest. Das Auto mit der Startnummer #46 ist in der Pro-Klasse gemeldet und kann sich damit sogar Chancen auf den Gesamtsieg in der GT World Challenge ausrechnen. Müller: "Er will hier nicht einfach zum Spaß ein bisschen mitfahren, sondern er will sich auch im Automobilsport etablieren."

Rossi ist fraglos der große Hingucker in der Rennserie von Promoter Stephane Ratel - von Star-Allüren sei im Team aber nichts zu spüren gewesen. Müller plauderte ein wenig aus dem Nähkästchen: "Er muss ja normalerweise extrem aufpassen, was er sagt, uns hat er sich aber sehr schnell geöffnet. Es war sofort so, wie wenn ein guter Freund am Tisch sitzt."

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DTM-Boss Berger kann Rossis Entscheidung gut nachvollziehen

Von Müller und Vervisch kann sich Rossi sicherlich zahlreiche Tipps für den richtigen Umgang mit dem ihm eher unbekannten Audi R8 LMS GT3 abholen. Ebenso dürfte es dem Italiener recht sein, zwei schnelle Teamkollegen an der Seite zu haben. In der DTM, in der Rossi sicherlich ebenso gerne gesehen wäre, hätte er auf Anhieb alleine mit dem Auto zurechtkommen müssen.

"Ich kann die Entscheidung sehr gut nachvollziehen, in Langstrecken-Formate zu gehen und Kilometer zu sammeln", sagte DTM-Boss Gerhard Berger auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com. "Wenn du in die DTM kommst und nicht schon ein bisschen Erfahrung hast, dann ist es sehr schwierig, bei diesem Starterfeld vorne mitzufahren."

Eine DTM-Zukunft von Rossi wollte der Österreicher nicht ausschließen: "Das kann durchaus irgendwann mal möglich sein, Valentino ist immer ein guter Name. Wenn er da ist, muss er auch gut dabei sein. Sonst geht der Schuss nach hinten los."