Historischer Erfolg für Andretti: Jake Dennis hat das Rennen der Formel E in Sanya für sich entschieden. Die Formel E hatte am Samstag zum ersten Mal seit 2019 wieder einen WM-Lauf in der chinesischen Millionenmetropole ausgetragen. Für den Briten ist es der achte Sieg in der Elektroweltmeisterschaft und der zweite der laufenden Saison nach dem Saisonauftakt in Sao Paulo. Für Andretti ist es derweil der erste Doppelsieg überhaupt in der mittlerweile zwölfjährigen Formel-E-Geschichte, da Rookie Felipe Drugovich Platz zwei einfahren konnte.
Bei der Rückkehr nach Sanya verkam das elfte Saisonrennen besonders in der ersten Hälfte zu einer über weite Strecken taktisch geprägten Angelegenheit. Dennis konnte sich in einer deutlich ereignisreicheren Schlussphase nach einigen Führungswechseln schließlich in der 34. von 37 Rennrunden an die Spitze des Feldes setzen und gab die Spitzenposition bis ins Ziel nicht wieder her. Im Ziel hatte er 1,112 Sekunden Vorsprung auf Drugovich. Das Podium komplettierte mit Pepe Marti im Kundenporsche von Cupra Kiro sensationell ein weiterer Rookie. Für Marti, der nur von Rang 18 ins Rennen gegangen war, ist es bereits der zweite Podesterfolg der Saison.
Spätes Drama im Kampf um den Sieg
Es ist ein bemerkenswertes Resultat insbesondere im Lichte dessen, dass die vermeintlichen Sieger des Rennens bis kurz vor Schluss noch ganz anders aussahen. Denn in der Schlussphase lag zunächst lange Jaguar-Werksfahrer Antonio Felix da Costa vorn. Doch dann die Hiobsbotschaft: Der Portugiese erhielt eine 5-Sekunden-Zeitstrafe für eine Kollision in Kurve 6, wurde so aus dem Kampf um den Sieg katapultiert und schlussendlich Fünfter hinter Nyck de Vries im Mahindra, der auch den Zusatzpunkt für die schnellste Rennrunde erhielt.
Auch der amtierende Weltmeister Oliver Rowland befand sich bis kurz vor Schluss im Kampf um den Sieg, warf dann aber alles mit einem Verbremser und einem folgenden Abflug in die Mauer weg. Besonders bitter für Rowland, da sich dieser nach einer teils schwierigen ersten Saisonhälfte zuletzt mit starken Ergebnissen wieder zurück in den Titelkampf katapultiert hatte.
Strafe kostet Pascal Wehrlein Punkte
Auch Porsche-Werksfahrer Pascal Wehrlein patzte. Der Weltmeister von 2024 schickte in der 27. Runde Rowland-Teamkollege Norman Nato in Kurve 3 in die Wand und erhielt hierfür eine 5-Sekunden-Strafe, die ihn aus den Punkten auf P14 zurückwarf. Sein Teamkollege Nico Müller sorgte als Siebter immerhin noch für Schadensbegrenzung für die Zuffenhausener. Direkt davor landete der Allgäuer Maximilian Günther (DS Penske), der in einer schwierigen Saison sein bestes Ergebnis seit dem Saisonstart erreichte.
Rang acht ging an Jean-Eric Vergne (Citroen-DS) vor Taylor Barnard im zweiten DS Penske. Lucas Di Grassi im Lola Yamaha Abt rund um das deutsche Team Abt Sportsline ergatterte als Zehnter den letzten Punkt. Und das, obwohl der Veteran zu Beginn des Rennens eine 10-Sekunden-Stop-and-Go-Strafe absitzen musste, da er nach Wechseln von Inverter und Getriebe an seinem Boliden seine Startplatzstrafe von 40 Plätzen nicht komplett verbüßen konnte. Sein Teamkollege Zane Maloney verpasste als Elfter die Punkte knapp.
Verwirrung um kurze Rot-Phase, Mitch Evans bleibt WM-Führender
Wild wurde es in der 19. Runde, als es in Kurve 9 zu einer teilweisen Blockade der Strecke kam, nachdem sich der WM-Führende Mitch Evans (Jaguar) und Zane Maloney (Lola Yamaha Abt) in die Quere gekommen waren und sich verhakt hatten. Die Rennleitung rief wohl etwas voreilig eine Rote Flagge aus, obwohl sich alle Piloten bereits wenige Sekunden später wieder in Bewegung setzten. Am Teamfunk begründete Rennleiter Marek Hanaczewski dies mit notwendigen Reparaturen an den Barrieren, wobei jedoch unklar war, worauf sich die Rennleitung dabei genau bezog, da es zumindest bei dieser Aktion zu überhaupt keinem Mauerkontakt kam.
Evans musste den Restart dabei nach einem späten Heckflügelwechsel aus der Boxengasse wieder aufnehmen. Schließlich stellte er seinen Boliden kurz vor Schluss an der Box ab. Glück im Unglück: Aufgrund der Patzer der Konkurrenz, wobei nämlich auch der WM-Dritte Edoardo Mortara seinen Wagen vorzeitig abstellte, bleibt Evans in der Gesamtwertung vorne und hat nach wie vor 19 Punkte Vorsprung auf Rowland.
Formel E 2026: So geht es weiter
Nach dem Sanya ePrix bleibt die Formel E in China, was ein Novum darstellt. Denn zum ersten Mal in der Geschichte der Rennserie finden damit in der selben Saison zwei Events an zwei Austragungsorten im gleichen Land statt. In zwei Wochen steht nämlich am 04. und 05. Juli der Double-Header auf dem aus der Formel 1 bekannten Shanghai International Circuit an. Insgesamt werden in der Formel-E-Saison 2026 17 Rennen an 11 Austragungsorten abgehalten.


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