Formel E

Formel E nach erstem Regen-Rennen: Es ging nur ums Überleben

Ein historischer Moment: Die Formel E erlebte im 53. Rennen ihrer Geschichte das erste Regen-Rennen. So beschreiben die Fahrer die Rutschpartie durch Paris.
von Robert Seiwert
Formel E: So lief das 1. Regen-Rennen der Geschichte in Paris: (05:32 Min.)

Nach knapp fünf Jahren Wartezeit und 53 Rennen war es endlich soweit: Die Formel E erlebte in Paris das erste Regenrennen ihrer Geschichte. Viereinhalb Saisons lang rund um den Globus hatte es zwar immer mal wieder in Trainings oder Qualifyings geregnet, doch pünktlich zum Rennstart schloss der Himmel stets seine Pforten. Ein Pakt mit Petrus, hätte man meinen können.

Danach hatte es zunächst auch in Paris ausgesehen, obwohl Regen und starker Wind zur Mittagszeit Anderes hatten erahnen lassen. Wenige Stunden später beim Rennstart um 16:00 Uhr dann wieder das gewohnte Bild: strahlender Sonnenschein über der Startaufstellung.

Einzige Ausnahme: Der Paris ePrix begann hinter dem Safety Car, weil das Wasser auf dem Kurs rund um den Invalidendom nicht richtig ablaufen konnte und die rechte Seite der Startaufstellung nass war. So entschied sich die Rennleitung drei Minuten vor dem Start für die Safety-Car-Variante. Fahrer-Meinung unisono: überraschende, aber faire Lösung.

Nach dem üblichen Auftaktspektakel eines Formel-E-Rennens (zwei Führungswechsel, einige Kollisionen und Überholmanöver) war es 17 Minuten nach Rennbeginn schließlich soweit. "Es fängt an zu regnen", meldete Audi-Werksfahrer Daniel Abt am Teamfunk.

Ein durchaus historischer Moment für die Formel E - und einer mit besonderer Würze, denn: Regenreifen gibt es nicht in der Elektro-Serie, stattdessen muss ein Allwetterreifen von Exklusiv-Ausstatter Michelin jeglichen Witterungsbedingungen trotzen.

Hintergrund: Da die Formel E die Werbetrommel für eine nachhaltige Zukunft rühren möchte, entschieden sich die Macher für nur eine Reifenmischung - anstatt zu jedem Rennen unzählige Reifen durch die Welt transportieren zu müssen.

Bei regnerischen Trainings und Qualifyings in der Vergangenheit hatte sich der Allwetterreifen tatsächlich bewährt. Doch wie würde es unter Rennbedingungen laufen? Kurzum: In Paris war an 'echtes' Rennfahren nicht zu denken. Vier Full-Course-Yellow-Phasen (Tempolimit 50 km/h) und ein Safety Car sorgten dafür, dass in den verbleibenden 28 Minuten Positionswechsel nur noch per Abflug oder Kollision stattfanden.

"Erst kämpfst du um den Sieg, dann ging es nur noch ums Überleben", fasste Abt zusammen, der das Rennen als Dritter beendete. "Ich bin mal ein Show-Rennen auf Eis gefahren - da hatte ich mehr Grip." Landsmann Andre Lotterer, der als Zweiter vor Abt über die Ziellinie rutschte: "Es heißt immer, dass man in der Formel E zu wenig Leistung hat. Hier hatte ich aber nach Dreiviertel der Geraden noch immer durchdrehende Räder. Nie zuvor hatte ich so wenig Grip."

Verantwortlich für die Rutschpartie auf dem 1,9 Kilometer langen Stadtkurs waren nicht allein die Reifen, sondern die Gesamtbedingungen: Zwischenzeitlicher Hagel sorgte für einen Blindflug der Fahrer, weiße Fahrbahnmarkierungen auf der Strecke waren praktisch eine Abflug-Garantie und vor allem war es wegen der vielen Unterbrechungen schlichtweg unmöglich, die Reifen auf Betriebstemperatur zu halten.

"Die Reifen sind nicht das Problem", erklärte der amtierende DTM-Champion und HWA-Fahrer Gary Paffett bei Motorsport-Magazin.com. "Bislang war ich wirklich beeindruckt im Regen. Wenn du die Reifen auf Temperatur bekommst, ist alles gut. Außerdem sind wir hier im Trockenen gestartet, deshalb waren die Reifendrücke für nasse Bedingungen zu niedrig."

So wurde auch die Entscheidung der Rennleitung, fünf Minuten nach Einsetzen des Regens die erste Full Course Yellow auszurufen, nicht kritisiert. "Die Unterbrechung waren richtig", sagte Maximilian Günther, der mit Platz fünf sein bestes Ergebnis in der Formel E feierte, zu Motorsport-Magazin.com. "Wir konnten auf den Geraden nicht mal mehr Vollgas fahren, weil da so viel Wasser stand. Es war ein Eiertanz, ans Limit zu gehen - und bloß nicht darüber hinaus, sonst wäre man direkt in der Mauer gelandet."

Sieger Robin Frijns - der achte unterschiedliche im achten Saisonrennen - sprach anschließend sogar vom härtesten Rennen seiner Karriere. Und Abt brachte es während der Pressekonferenz nach dem Rennen auf den Punkt: "Ich bin froh, hier zu sitzen - und nicht irgendwo in der Mauer zu hängen."


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