Formel E

BMW wirft Formel-E-Doppelsieg weg: Chef-Ansage in Marrakesch

BMW verpasst den zweiten Sieg in der Formel E wegen einer Team-Kollision. Das sagt BMW-Boss Marquardt zum Marrakesch-Debakel. Das Video zum Unfall.
von Robert Seiwert
Formel E: Hier wirft BMW den Doppelsieg in Marrakesch weg: (00:15 Min.)

Es hätte alles so schön werden können für Formel-E-Neueinsteiger BMW: Das Werksteam fuhr in Marrakesch seinem zweiten Saisonsieg sowie dem ersten Doppelsieg in der Formel E entgegen. Dann krachte es wie aus dem Nichts in der 26. Runde, weniger als zehn Minuten vor dem Rennende: Riad-Sieger Antonio Felix da Costa kollidierte mit seinem Teamkollegen Alexander Sims und der sicher geglaubte Doppelerfolg war zunichte gemacht.

Formel-E-Rookie Sims bekam im Gegensatz zu Felix da Costa gerade noch die Kurve und betrieb mit Platz vier ein klein wenig Schadensbegrenzung. Doch der Frust saß tief beim Autobauer aus München. BMW Motorsport Direktor Jens Marquardt: "Wir sind uns alle einig: So etwas wird nicht wieder passieren."

Wie konnte es zum verhängnisvollen Crash kommen, der BMW einen perfekten Start in das Werks-Abenteuer Formel E vermasselte? Felix da Costa führte das Rennen nach starkem Beginn vor seinem Teamkollegen Sims an, mit einigen Sekunden Rückstand war Verfolger - und der spätere Sieger - Jerome D'Ambrosio weit entfernt.

Auf dem Weg zu Kurve 7 scherte Sims plötzlich aus und wollte seinen überlegenen Speed in die Führung umwandeln. Im Duell blockierten die Räder beider Autos - an einer Stelle, die an diesem Samstag einige Piloten kalt erwischte - und die folgenschwere Kollision ließ sich nicht mehr vermeiden. Felix da Costa knallte in den Reifenstapel, Sims schaffte es im letzten Moment zurück auf die Strecke.

Felix da Costa: Habe einen Fehler gemacht

Tatsächlich war in dieser Konstellation nicht Sims der Schuldige, stattdessen übernahm sein portugiesischer Teampartner die Verantwortung für den Schlamassel. "Es tut mir leid fürs Team, so eine Situation hatte ich vorher noch nie", sagte Felix da Costa. "Ich habe einen Fehler gemacht, als wir gekämpft haben. Wir hatten beide blockierende Räder, aber ich hätte ihm die Führung überlassen sollen."

Sims war an diesem Samstag schneller unterwegs als Felix da Costa, doch dieser wollte an seinen Auftaktsieg in Saudi-Arabien anknüpfen. Der frühere DTM-Fahrer offen und ehrlich: "Wir haben das erste Rennen gewonnen, hier hätte ich mich mit Platz zwei zufriedengeben sollen. Auf diese Weise gewinnen wir die Meisterschaft nicht. Wir müssen jetzt aus der Situation lernen."

Sims wagte das Überholmanöver, weil er von hinten immer mehr Druck verspürte. D'Ambrosio im Mahindra-Boliden hatte innerhalb einer Runde knapp 1,5 Sekunden zum BMW-Führungsduo gutgemacht. In der Runde vor dem Crash hatte der frühere Formel-1-Pilot und neue Meisterschaftsführende 1,8 Sekunden Rückstand.

Sims: Das ist inakzeptabel

Nach dem Unfall hielt sich Sims zumindest öffentlich mit harscher Kritik zurück: "Das ist natürlich unglaublich schade für das gesamte Team. So hätte das Rennen nicht ausgehen dürfen. Wir alle, ich selbst, Antonio und das Team werden daraus unsere Lehren ziehen. Denn uns allen ist klar, dass solche Zwischenfälle inakzeptabel sind. Heute hat er uns einen Doppelsieg gekostet."

Der Doppelsieg in Marrakesch wäre eine sichere Wette gewesen - und das trotz eines Rückschlages, den Felix da Costa zuvor im Qualifying erlebt hatte. Er verlor den dritten Startplatz nachträglich, weil er während einer 200 kW-Runde (nicht während der schnellen Runde mit 250 kW) zu viel Energie verwendet hatte. So musste er das Rennen vom sechsten Platz in Angriff nehmen, während Sims von der vierten Position startete.

BMW: Enttäuschung ist groß

Dass BMW ein schnelles Auto gebaut hat, zeigte sich schon in den ersten Rennrunden. Nachdem sich der von P2 gestartete Jean-Eric Vergne durch einen Dreher selbst aus dem Rennen genommen hatte, konnte Pole-Setter Sam Bird es nicht mit dem pfeilschnellen BMW-Duo aufnehmen. Der Virgin-Fahrer wurde in der elften Runde links und rechts von den beiden Werkspiloten überholt.

"Unsere Renn-Pace war extrem gut, ein Doppelsieg war möglich", bestätigte BMW-Teamchef Roger Griffith. "Unglücklicherweise ist es anders gekommen. Die Enttäuschung ist natürlich groß. Wir haben als Team darüber gesprochen und blicken nun nach vorn." In zwei Wochen steht das dritte Saisonrennen in Chile (26. Januar) an. Der unnötige Team-Crash könnte Folgen haben...


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