Die Arbeit eines Teamchefs ist nur selten dankbar und wenn er dieser Tätigkeit in einem kleinen Team mit relativ kleinem Budget nachgeht, dann ist es meist noch etwas schwieriger. So erlebte auch Colin Kolles seine erste Zeit beim damaligen Midland Rennstall nicht unbedingt als schön, nur weil er ein Formel 1 Team leiten konnte. Zwar hatte er schon von Kindheitsbeinen an, von der Formel 1 geträumt, doch es wurde nicht so schillernd, wie er sich das erhofft hatte.

An sein erstes Jahr im unterfinanzierten und auch untermotorisierten Team erinnert er sich laut einem Interview bei Autosport so: "Du musst dich da einfach durcharbeiten. Ich hatte ein gutes Team und gute Leute um mich und, ehrlich gesagt, gaben mir Alex Shnaider und die Leute aus Kanada freie Hand. Und jetzt ist die Firma sauber. Das ist der Punkt - sie musste Sauber sein. Keine juristischen Dinge, keine dummen Sachen. Das war wichtig. Und natürlich war es ein schwerer Kampf, die Gläubiger loszuwerden."

Denn bei den Gläubigern sieht Kolles auch die Entwicklungsbremse für ein Rennauto. Sind die Schulden bei den Gläubigern und Zulieferern nicht weg, dann könne man ein Auto nicht verbessern, sagte er. "Also muss man das zuerst aussortieren und dann kann man das Auto auf einer soliden Basis verbessern. Anders wird es nicht funktionieren. Und ich denke, das ist der richtige Weg. Es braucht Zeit und die Leute prügeln auf dich ein. Ich hatte immer eine sehr klare Richtung in meinem Kopf", sagte Kolles.

Die beiden müssen nichts mehr bezahlen, Foto: Sutton
Die beiden müssen nichts mehr bezahlen, Foto: Sutton

Mittlerweile steht der Rennstall, der nunmehr auf den Namen Spyker hört, auf soliden finanziellen Beinen. Christijan Albers sprach davon, dass er erstmals kein Pay Driver mehr ist und auch Adrian Sutil soll keine Sponsorengelder mitgebracht haben müssen auch wenn der Teamchef durch seine Verpflichtung durchaus auf neue Sponsoren hofft. Kolles gibt aber zu, dass es immer noch einen langen Weg zurückzulegen gilt, doch mit Michiel Mol als starken Mann im Hintergrund, fühlt er sich besser unterstützt als durch Alex Shnaider. "Als Allererstes versteht er etwas von Motorsport. Natürlich ist Mr. Mol Mr. Mol, er hat seine eigene Persönlichkeit ... Michiel ist eine extrem nette und freundliche Person." Diese Qualitäten sprach Kolles auch Shnaider nicht ab, doch beim Verständnis für die Bedürfnisse eines Formel 1 Teams drang Kolles nicht so ganz zu ihm durch. Die Arbeit eines Teamchefs ist eben nur selten dankbar.