Es war eine gute halbe Stunde nach Rennende, da stand Michael Schumachers Manager Willi Weber immer noch kopfschüttelnd im Fahrerlager des Istanbul Speed Park Mitten in der Sonne, bei 35 Grad - ganz in Schwarz. Als ob er bei seiner Kleiderwahl am Morgen schon geahnt hätte, dass es für ihn und den gesamten Schumi-Clan an diesem Sonntag nichts zu feiern geben würde.

"Das kann doch alles nicht sein", meinte er leise, als Niki Lauda auf ihn zukam, ihm kurz die Hand auf die Schulter legte. "Das" war die Tatsache, dass sein Schützling und Quasi-Ziehsohn Michael in einem Rennen nur Dritter geworden war, in dass er als klarer Favorit gestartet war, aber auch, dass eben der "falsche" Ferrari gewonnen hatte. Wobei ihn Lauda dann kurz zur Seite zog und genauso leise meinte, schließlich habe sich Michael einen großen Teil des ganzen durch seine eigenen Patzer auch selbst zuzuschreiben.

So rechneten viele: Ohne die Fehler am Samstag im Qualifying wäre Schumacher wohl aus der Pole gestartet, unter normalen Umständen in Führung gegangen - und dann hätte sich die unglückliche Tanksituation hinter dem Safety-Car gar nicht erst ergeben. Und ohne den Ausritt im Rennen in der Kurve acht hätte es wohl selbst so noch knapp gereicht. Was ja auch Fernando Alfonso - mit Schumi neben sich - etwas provokant feststellte: "Wenn Michael den Fehler nicht gemacht hätte, wäre ich wohl nicht vorn geblieben." Ein kleiner Versuch von Psychokrieg und Salz in die Wunden streuen sicherlich - der dem amtierenden Weltmeister wohl auch ein bisschen Genugtuung verschaffte.

Denn trotz der vielen Behauptungen, Alonso würde unter Schumis Druck die Nerven verlieren - der Spanier lieferte zuletzt deutlich überzeugendere Vorstellungen ab, ob in Ungarn bis zum unverschuldeten Ausfall und auch hier in Istanbul, wo er aus seinen nicht optimalen Möglichkeiten das Optimum herausholte. Im Gegensatz zu Schumacher, der in den letzten Wochen von allen Seiten mehr Kritik einstecken musste, als ihm lieb sein konnte. Für unnötige Fehler, ob in Monaco oder Ungarn, in den Medien, bei seinen Kollegen zuletzt für seine Fahrweise in Ungarn, der bei realistischer Betrachtungsweise wohl erkennen müsste, dass ihm im Moment zumindest im Formel-1-Umfeld nur noch sehr wenige Freunde geblieben sind.

Das könnte sicherlich zu Unsicherheit und weiteren Fehlern führen, auch wenn Schumacher nach außen solche Dinge natürlich nur kurz wegwischt. Wieweit es insgeheim doch auch an ihn herankommt, ob es vielleicht doch eine Rolle spielt, zu erkennen, trotz aller Erfolge im Moment viel Respekt und Anerkennung zu verspielen, ob er sich deshalb selbst zusätzlich unter Druck setzt, weiß nur er selbst. Niki Lauda stellte nur fest, dass er es offensichtlich tue. "Vielleicht wird es ja wieder besser, wenn er eine endgültige Entscheidung über seine Zukunft getroffen hat."

Wobei so mancher im Fahrerlager glaubt, dass er das tief im Inneren bereits getan habe - und eben genau das der wichtigste Grund für den extremen Druck sei. Marc Surer ist sich sicher, dass Schumi davon ausgehe, dass 2006 sein letztes Jahr in der Formel 1 sein soll, "und genau deswegen ist er jetzt so verkrampft, weil er ganz genau weiß, dass das seine letzte Chance auf einen WM-Titel ist und weil er den, extrem ehrgeizig wie er nun mal ist, einfach um jeden Preis noch mitnehmen will."