Ferrari sah das Rennen in Istanbul mit einem weinenden und einem lachenden Auge. "Wir sind sehr glücklich über die erste Pole und den ersten Sieg von Felipe", sagte Teamchef Jean Todt. "Gleichzeitig sind wir ein wenig enttäuscht, weil unsere Leistung es uns erlaubt hätte, Erster und Zweiter zu werden. Stattdessen sind wir nur Erster und Dritter geworden. Das lag am der Safety Car, das unser Rennen schwerer gemacht hat."
Das schmälert laut Todt jedoch nicht die Chance, die WM zu gewinnen. "Unser Auto ist schnell, und ich bin sicher, dass wir noch die Chance haben, beide WM-Titel zu gewinnen", meinte Todt.
Gleichzeitig verteidigte er die Entscheidung, Schumacher nicht an Massa vorbei zu lassen, als die Safety Car auf die Strecke kam. "Hätten wir das getan, hätten wir hier jetzt fünfmal mehr Journalisten, die danach fragen würden, warum wir das getan haben", sagte er.
Auf die Aussage von Bernie Ecclestone, Schumacher hätte die Entscheidung schon getroffen, aufzuhören, reagierte Todt gereizt. "Er hat in dieser Sache nicht zu beurteilen, auch wenn er großes Know-how in Sachen Rennfahren hat", sagte Todt. "Er hat auch nichts dafür getan, dass Michael bei Ferrari fährt, obwohl man das Gegenteil hört. Als wir Michael im August 1995 angekündigt haben, habe ich ihn kurz davor angerufen, um ihn darüber zu informieren."
Über die Rennperformance war Todt etwas enttäuscht. "Vielleicht war Michaels Auto heute nicht so gut wie noch im Qualifying, und es war sicher nicht so gut wie im zweiten und dritten Teil des Qualifyings", sagte er. "Wir müssen jetzt analysieren, warum das so war. Außerdem hat er in Runde 28 einen Fehler gemacht, was ihn vier Sekunden kostete, und nach seinem zweiten Boxenstopp war er nur eine Sekunde hinter Alonso."
Die WM-Chancen sieht Todt weiterhin intakt, sie hängen aber von dem weiteren Verlauf des Wettrüstens ab. "Wir wissen, dass wir ein gutes Entwicklungsprogramm haben, aber wir wissen nicht, was die anderen entwickeln", sagte er. "Wir haben jetzt auch neue Reifen zum Testen, neue Konstruktionen und neue Gummimischungen. Aber wir wissen nicht, was die anderen zum Testen haben."
Todt wollte auch noch die Leistung von Felipe Massa würdigen - und das nicht nur heute. "Nach 14 Rennen ist er Dritter in der WM und hat seine 62 Punkte nicht nur heute durch diesen Sieg bekommen", sagte Todt. "Er hatte schon vor diesem Wochenende 52 Punkte. Für diejenigen, die ihre Augen öffnen, ist er also ein schneller Fahrer."
Dennoch sei der Sieg heute wichtig für ihn. "Er wird jetzt noch entschiedener arbeiten, um uns beide WM-Titel zu sichern", sagte er. "Dabei war er schon vorher sehr entschieden, und er ist ein sehr guter Teamplayer."

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