Der Pole Robert Kubica freut sich natürlich riesig, die Chance bekommen zu haben, beim Ungarn GP sein Können nicht nur als Freitagsfahrer, sondern diesmal auch über das komplette Wochenende beweisen zu können. Doch in der Formel 1 wird immer noch gerätselt, was hinter dem plötzlichen Fahrertausch bei BMW-Sauber steckt. Denn der Hinweis von BMW-Motorsportdirektor Dr. Mario Theissen, man werde nach diesem Wochenende entscheiden, wie es weitergehe, und es gebe keine Garantie, dass Jacques Villeneuve in der Türkei wieder im Auto sitze, auch dann nicht, wenn er sich wieder voll fit melde, lässt die offizielle Geschichte von den Kopfschmerzen als Folge des Hockenheim-Unfalls nicht gerade glaubwürdiger erscheinen...

Wobei die Version, BMW habe ja nur eine günstige Gelegenheit ergriffen, um Villeneuve loszuwerden und Kubica einmal einen Renntest zu geben, nicht wirklich vorstellbar ist. "Wenn wir daran gedacht haben, Robert einmal fahren zu lassen, dann bestimmt nicht jetzt, zu diesem Zeitpunkt", sagt Theissen. Denn der ist denkbar ungünstig: Bei zwei Rennen innerhalb einer Woche, zu einem Zeitpunkt da BMW durch die Verletzung von Sebastian Vettel beim Renault World Series Rennen in Spa letzten Samstag ohne Testfahrer dasteht, da es auch angesichts der Kürze der Zeit und ohne jeden Test keinen Sinn gemacht hätte, "irgendjemanden reinzusetzen, der das Auto überhaupt nicht kennt", so Theissen. "Mit Robert haben wir für Jacques schon einen ziemlich gleichwertigen Ersatzmann, glaube ich", sagt Nick Heidfeld, "aber das dritte Auto fehlt uns hier schon, die Daten, die wir damit normalerweise sammeln können - das ist schon ein Nachteil."

Dass man den bei BMW ohne zwingenden Grund in Kauf nahm, ist kaum zu glauben. Aber was soll man von dieser Erklärung halten: "Jacques hat am Sonntag Abend nicht am Team-Debriefing teilgenommen" - Pause - "wegen Kopfschmerzen. Am Dienstag hatten wir dann in München ein Meeting. Dann haben wir von Craig Pollock" - Villeneuves Manager - "telefonisch erfahren, dass die Kopfschmerzen noch immer andauern..." Vieles spricht dafür, dass am Sonntag Abend in Hockenheim irgend etwas vorgefallen ist, was bei BMW größeren Ärger auslöste und möglicherweise nach einer disziplinarischen Maßnahme verlangte.

Aus gewissen internen Kreisen war zu hören, Villeneuve sei in seiner betont emotionalen Art mal wieder völlig ausgerastet, nachdem er sich in der offiziellen BMW-Pressemitteilung ungerecht behandelt fühlte, das Gefühl hatte, ihm werde fälschlicherweise die Schuld an dem Unfall in der ersten Runde mit Nick Heidfeld zugeschoben. Ob er deswegen das Briefing schwänzte, einfach verschwand - und deswegen auch jetzt nichts von sich hören lässt, weil er genau weiß, dass der Fehler bei ihm lag? So lange alle direkt Beteiligten schweigen, sind das freilich nur Spekulationen... Die allerdings so schnell nicht verstummen werden - denn eines haben die BMW-Oberen offenbar noch nicht gelernt: Sich im Niveau von Verschleierung - oder sollte man sagen, zumindest nicht die ganze Wahrheit zu erzählen - dem allgemein in der Formel 1 gepflegten Level anzupassen. Was ja aber gar kein schlechtes Zeichen sein muss...