Wie hat das Team die Disqualifikation von Hockenheim weggesteckt?
Johnny Herbert: Wir hatten diese Flügelelemente am Auto - wir dachten, dass sie okay wären, aber die FIA sah das anders. Sie waren schon lange am Auto, aber die FIA sagte, dass sie über der Grenze waren, aber es war für uns kein Problem sie zu verändern.
Hier macht das also keinen Unterschied?
Johnny Herbert: Nein, in Ungarn macht das keinen Unterschied. Insgesamt verändert sich dadurch an der Balance des Autos nichts.
Wie ist Ihr Eindruck von Markus Winkelhock als Testfahrer?
Johnny Herbert: Er ist sehr gut und sein Feedback ist sehr präzise. Das ist für uns am Freitag sehr wichtig. Wir brauchen jemanden, der mit den Ingenieuren spricht und ihnen genau erklärt, was im Auto geschieht. Darin ist Markus gut, außerdem fährt er sehr konstant. Hinzu kommt, dass er bis Hockenheim lange nicht im Auto gesessen hat und trotzdem tolle Arbeit geleistet hat. Natürlich kannte er dort die Strecke, aber dennoch ist es nicht einfach ein F1-Auto zu fahren, wenn man ansonsten das ganze Jahr nicht gefahren ist.
Hat er sich hier genauso gut geschlagen, obwohl er die Strecke hier nicht kannte?
Johnny Herbert: Er kann Strecken sehr schnell und gut lernen. Er hat am Freitag nur wenige Runden dafür zur Verfügung, erledigt seinen wichtigen Job aber sehr gut.
Mit Adrian Sutil haben Sie noch einen deutschen Testfahrer - kann man ihn mit Markus vergleichen?
Johnny Herbert: Sie gehen beide sehr methodisch vor, wenn sie beschreiben, wie sich das Auto oder die Reifen verhalten. Sutil hat etwas weniger Erfahrung, aber sie schlagen sich beide sehr gut.

Sie möchten also keinen der beiden besonders hervorheben?
Johnny Herbert: Das ist sehr schwierig: Der Speed des Autos ist auf unterschiedlichen Strecken anders. Als Sutil in Magny Cours im Auto war, waren die Reifen sehr gut und er kannte die Strecke - deshalb hat er sehr gute Arbeit geleistet. Dadurch ist es aber auch schwierig einen Vergleich zu diesem Wochenende zu ziehen, denn hier herrschen andere Bedingungen vor und sind die Reifen nicht ganz so gut. Trotzdem konnte Markus heute eine starke Leistung zeigen. Der einzige Weg beide miteinander zu vergleichen, ist es auch beide am gleichen Tag ins Auto zu setzen und gegeneinander antreten zu lassen. Aber eines vorweg: Sie würden garantiert sehr eng beieinander liegen.
Gibt es eine Chance, dass wir beide noch einmal als Freitagstester sehen?
Johnny Herbert: Noch ist nichts entschieden.
Helfen sie dem Team also mehr als beispielsweise Giorgio Mondini?
Johnny Herbert: Ich war von Mondini positiv überrascht. Er hat sich im Laufe der Zeit verbessert. Am Anfang hatte er noch konditionelle Probleme, aber das wurde immer besser. Markus und Adrian hatten natürlich weniger Gelegenheit für das Team zu fahren und haben trotzdem gute Leistungen gezeigt. Aber auch hier gilt: Andere Strecken bringen andere Umstände mit sich.
Würden Sie einen von ihnen gerne als Stammfahrer nächstes Jahr wiedersehen?
Johnny Herbert: Es gibt Chancen, aber es kommt auch auf die Situation des Teams an. Man muss einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Erst wenn die Zukunft des Teams klar ist, können wir eine Entscheidung treffen.
Wann können wir eine Entscheidung über die Zukunft des Teams erwarten?
Johnny Herbert: Lieber früher als später. Wir führen viele Gespräche mit Motorenherstellern und müssen abwarten, welcher der richtige für das nächste Jahr ist. Das gleiche gilt auch für die Fahrer.

Wie schätzen Sie die Chancen ein, dass das Team verkauft wird?
Johnny Herbert: Wir machen derzeit Fortschritte, aber so lange es keine Einigung gibt, wird nichts geschehen. Aber egal wie: Das Team wird auf jeden Fall für das nächste Jahr gerüstet sein.
Dann noch einmal zurück in die Gegenwart: Wer wird in diesem Jahr Weltmeister?
Johnny Herbert: Hm, in Hockenheim waren Michael, Ferrari und Bridgestone überlegen. An diesem Wochenende scheint es für sie schwieriger zu sein. So dürfte es für den Rest der Saison weitergehen: Auf manchen Strecken wird Ferrari vorne sein, auf anderen Renault. Vor Hockenheim hätte ich Fernando als Weltmeister getippt - jetzt wird es enger. Ich tippe noch immer auf ihn, denn er hat noch einen Vorsprung, aber es wird ein harter Fight. Am wichtigsten wird es für beide sein immer ins Ziel zu kommen und nicht auszufallen. Letztlich würde ich mir wünschen, dass Michael seine Karriere mit einem Titel abschließt und dann zurücktritt.

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