So viele Fans wie Juan Pablo Montoya hat wohl kaum ein anderer Formel-1-Pilot in Indianapolis. Vor allem seine kolumbianischen Landsleute, die in Miami eine eigene kleine Kolonie bilden, pilgern alljährlich auf einen bestimmten Block der Haupttribüne, um Montoya anzufeuern. Aber das nützt anscheinend auch nicht mehr viel - diesmal schaffte es Montoya im Qualifying nicht einmal unter die Top Ten. Und auch wenn er nur knapp langsamer war als sein Teamkollege Kimi Räikkönen, der gerade noch hineinrutschte - was hängen bleibt, ist immer dasselbe: Soviel wie Räikkönen kann der Kolumbianer eben nicht aus seinem Auto herausholen.
"Die vergangenen paar Rennen waren schon schwierig für uns, aber manchmal läuft es eben gut, manchmal schlecht. Es geht nur darum, ob das Auto für einen funktioniert oder nicht. Da gibt es keine Wunderheilung." Ein großes Problem für Montoya: Der McLaren mit seiner leichten Tendenz zum Untersteuern passt nicht besonders zu seinem aggressiven Fahrstil, sondern viel eher zu dem runderen seines Teamkollegen Kimi Räikkönen. "Kimi ist schon lange genug hier, so dass die Ingenieure ganz genau wissen, was er vom Auto will. Sein Auto wird immer ganz einfach abgestimmt. Wir müssen dagegen immer erforschen, wie wir das Auto für mich schneller machen können."
Auch wenn sich Montoya ein bisschen damit tröstet, "dass ja auch Kimi keine Rennen gewinnt" - leicht genervt ist er schon von der Kritik, der er sich zunehmend ausgesetzt sieht: "Es ist manchmal frustrierend, wenn die Arbeit, die man macht, nicht ausreichend gewürdigt wird. Ich denke, das Team schätzt die Stunden und Mühen, die ich investiere."
Was sich McLaren-intern freilich manchmal etwas anders anhört, denn da hat sich Montoya ein paar Mal mit vorschneller Kritik an Auto und Motor ziemlich unbeliebt gemacht. So ist es eher unwahrscheinlich, dass sein Vertrag für 2007 noch einmal verlängert wird - im Verhältnis zu seinen Gehaltsvorstellungen hat er in den vergangenen zwei Jahren einfach zu wenig Zählbares abgeliefert. Aber auch bei anderen Teams steht er nicht gerade auf der Wunschliste, weder bei Red Bull noch bei BMW oder Williams - auch wenn immer wieder Gerüchte aufkommen, dass er dort Verhandlungen führe. Böse Zungen behaupten ja schon, die streue er regelmäßig selbst, um im Gespräch zu bleiben...
So besteht für seine amerikanisch-kolumbianischen Fans durchaus die Chance, dass sie ihn im nächsten Jahr öfters sehen: Wenn Montoya nämlich mangels Alternativen in der Formel 1 nichts anderes übrig bleibt, als wieder in die amerikanische ChampCar-Serie zurück zu wechseln - dorthin, wo er ja auch vor seinem Formel-1-Einstieg seine größten Erfolge feierte - als Meister und Indy-Sieger.

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