Eines muss man schon zur Halbzeit der Formel-1-Saison 2006 festhalten: Was Fernando Alonso gerade in einem Renault vollbringt, ist eine Sensation. Er hat 74 von möglichen 80 Punkten geholt in einer Saison, in der sein Auto zwar wohl das Beste ist, das aber nicht in jedem Rennen. Er hat keine Fehler gemacht. Sein Team auch nicht – abgesehen von dem Tankfehler in Malaysia, der Alonso den Sieg kostete. Aber nur zugunsten seines Teamkollegen Giancarlo Fisichella.
Eigentlich ist der Doppelpack Alonso-Renault zu perfekt für die Formel 1, die wieder dringend Spannung bräuchte. Ähnliche Gefühle hatte man in den Jahren 2000 bis 2005 oft dank Michael Schumacher und Ferrari. In diesen Jahren legte Schumacher den Grundstein für seine eigene Legende. Fünf Titel in Folge, sieben insgesamt - wer sollte das noch toppen?
Ob Alonso das Zeug dazu hat, wird sich zeigen. Auf jeden Fall hat er Schumacher und Ferrari erst mal zu Verfolgern degradiert, bei denen sich eher Ratlosigkeit statt Hoffnung auf die zweite Halbzeit durchsetzt. Hat nicht Ross Brawn gesagt, dass die Hochgeschwindigkeitsstrecke in Montreal den Ferraris entgegenkommt? Das Ergebnis sieht ernüchternd aus. Ferrari hatte zwar die höchsten Top-Speeds in Montreal, war aber nach der Uhr gemessen nicht mal das beste Bridgestone-Team.
Das Ergebnis des Qualifyings ist für Schumacher und Ferrari die Höchststrafe. Zwei Renault in der ersten Startreihe, das ließ Flavio Briatores Faust sogar noch Minuten nach dem Qualifying kraftvoll zucken, als er schon auf dem Weg in die Garage war. Und bei Schumacher wieder einen dieser Hoffnung zerschmetternden Tiefschläge ankommen. Ausgerechnet bei dem Rennen, das der Anfang einer ohnehin nicht mehr ganz realistischen Aufholjagd sein sollte, muss er nun davon ausgehen, dass er mindestens vier weitere Punkte gegen Alonso verliert.
Wenn 2006 Schumachers letzte Saison in der Formel 1 sein sollte, dann ist es vielleicht enttäuschend, dass er sie nicht mit dem Titel beenden kann. Aber keinesfalls bitter. Wegen des womöglich zu verlierenden Titels weiterzumachen und auf 2007 zu hoffen, wäre wohl auch keine Lösung. Jede Ära in der Formel 1 geht irgendwann zu Ende. Schumacher und Ferrari haben versucht, das Jahr 2005 nur als Betriebsunfall in der Geschichte der Formel 1 stehen zu lassen. Sie haben alles dafür getan. Und doch sieht es danach aus, dass die nächste Ära schon da ist. Und sie trägt blau. Genau so wie ihr Held.

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