Ferrari ging am Formel-1-Freitag in Singapur als Favorit ins Finale des Sprint-Qualifyings. Im SQ3 konnten Charles Leclerc und Lewis Hamilton den eigenen Erwartungen jedoch nicht gerecht werden. Max Verstappen und George Russell waren für die Roten am Ende eine Nummer zu groß. Leclerc konnte sich nach Platz drei trotzdem nichts vorwerfen, Hamilton hingegen schon. Platz sechs war die Folge einer strategischen Fehlentscheidung des Rekordweltmeisters.
"Wir hatten einen etwas anderen Run-Plan als die anderen. Das war meine Entscheidung, und ich denke, damit lagen wir falsch", erklärt Lewis Hamilton nach dem letzten Sprint-Qualifying des Jahres auf dem Marina Bay Street Circuit. Der 41-Jährige hatte sich zusammen mit Charles Leclerc als Favorit herauskristallisiert, nachdem der Monegasse und er im zweiten Teil des Qualifyings die Plätze eins und zwei belegt hatten. Im SQ1 hatte Hamilton lange die Bestzeit gehalten. "In Q1 und Q2 sah es eigentlich gut aus, und danach weiß ich ehrlich gesagt nicht genau, wo es verloren gegangen ist."
Im Shootout der Top 10 mussten die Fahrer allerdings auf den Soft-Reifen (C5) von Pirelli zurückgreifen, nachdem zuvor auf Medium gefahren worden war. Auf dem weichen Compound setzten die Teams auf unterschiedliche Strategien. Mercedes und McLaren schickten ihre Fahrer sofort raus, Charles Leclerc folgte ihnen mit etwas Abstand. Sie konnten alle zwei Versuche fahren. Lewis Hamilton hingegen wartete noch länger, sodass er nur einen Run absolvieren konnte.
"Letztlich hatte das Auto auf dieser letzten Runde sehr starkes Übersteuern. Ich weiß nicht, ob die Hinterreifen noch nicht bereit waren oder ob sie überhitzt waren. Das ist schwer zu sagen. Aber das Auto war extrem nervös, hatte sehr starkes Übersteuern und insgesamt war es einfach keine gute Runde", so Hamilton. "Auf den Mediums war es gut. Auf den Softs war es dann komplett anders. Es gab viel Grip, aber nur an der Vorderachse und praktisch keinen an der Hinterachse."
Charles Leclerc maximiert Ferraris Potenzial
Charles Leclerc hingegen hatte mit seinem ersten Versuch für die Konkurrenz vorgelegt und die provisorische Pole Position inne. Mit dem zweiten Schuss verbesserte er seine Rundenzeit sogar noch einmal um anderthalb Zehntelsekunden, doch am Ende waren Max Verstappen und auch George Russell schneller. "Ich denke, ich habe die Rundenzeit gefunden, die ich finden musste. Die anderen hatten einen etwas anderen Run-Plan. Ich glaube, sie haben zwei Cooldown-Runden gemacht, wir nur eine", sagt er mit Blick auf Russell. Verstappen fuhr wie Hamilton nur eine fliegende Runde.
Aber auch mit der Strategie der Konkurrenz wäre es für Ferrari am Ende wohl nichts mit der Pole geworden. "Das soll keine Ausrede sein. Was die reine Pace angeht, haben wir in den vergangenen drei, vier Rennen an Performance verloren. Wir sind im Moment nicht schnell genug, um gegen sie zu kämpfen", stellt Leclerc klar. Für das Qualifying sieht er dennoch Chancen: "Ich habe das Gefühl, dass noch mehr Potenzial im Auto steckt. Vielleicht können wir die Lücke hier mit etwas Feintuning schließen und um die Pole kämpfen."
Dass er im Sprint-Qualifying noch von Russell abgefangen wurde, macht für ihn unter dem Strich keinen Unterschied. Auch dass er mit P3 die bessere Seite des Grids für sich hat, sei auf dem Stadtkurs von Singapur kein entscheidender Vorteil: "Es ist keine schlechte Startposition, aber auf einer Strecke wie dieser willst du natürlich wirklich von P1 starten. Überholen wird schwierig, also müssen wir sehen, was möglich ist."



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