Bei Mercedes hatte George Russell im Sprint-Qualifying der Formel 1 in Singapur am Freitag klar die Oberhand. Mit der alten Spezifikation des Silberpfeils war der Brite klar schneller als Teamkollege Kimi Antonelli und belegte hinter Pole-Setter Max Verstappen den zweiten Platz. Russell ist nach einem starken Tag wieder obenauf, der WM-Leader hingegen ist aufgeschmissen. Nur P7 mit einem durch das Update unberechenbaren Auto. Ist das Rennwochenende mit dem Update-Mercedes noch zu retten?

"Schon im FP1 hatte ich Schwierigkeiten, und bei diesem Paket gibt es noch immer sehr viel zu verstehen. Das Auto ist wirklich sehr schwierig und sehr unberechenbar, und es ist extrem schwer, eine Runde zusammenzubekommen", erklärt Antonelli. In allen drei Sessions des Qualifyings war er klar langsamer als Russell. Im SQ1 fehlte fast eine Sekunde, im zweiten Teil waren es über vier Zehntel und im Finale schlussendlich sechs Zehntelsekunden.

Zum Start ins Wochenende hatten sich die beiden Mercedes-Fahrer für unterschiedliche Varianten entschieden. Russell fuhr bereits im Training mit der alten Spec des Mercedes F1 M17 E Performance die Bestzeit. Auf der anderen Seite der Garage fuhr Antonelli hingegen das große Update, das vor einer Woche in Malaysia debütierte und dort bereits spürbare Defizite aufwies. "Es ist schade, weil ich mit großen Hoffnungen hierhergekommen bin. Aber bislang war es sehr schwierig", sagt der 20-jährige Italiener.

Formel-1-Update von Mercedes zickt auch in Singapur

"Wir sehen hier ein ähnliches Muster. Das neue Auto ist schwieriger zu fahren. Es ist nicht unbedingt langsamer, da steckt auch Gutes drin, aber wir haben vielleicht noch nicht das Feintuning gefunden, um alles zusammenzubringen. Das alte Auto ist stabil und liefert Grip", erklärt Mercedes-Teamchef Toto Wolff. "Aber wir brauchen noch mehr Zeit, um Informationen für eine wirkliche Schlussfolgerung zu sammeln."

Russell sammelte an diesem Freitag bisher eindeutige Daten. Schon im Training brummte er Antonelli monumentale 1,251 Sekunden auf. "Ich kann auf jeden Fall bestätigen, dass die alte Version nicht schlecht ist. Mal sehen, was morgen mit Kimi und dem Upgrade geht. Als Team haben wir nach wie vor nichts, was uns eindeutig sagt, dass es nicht funktioniert. Aber letztlich entscheidet die Stoppuhr, und die Ergebnisse auf der Stoppuhr waren mit dem Upgrade bislang nicht besonders gut", so der 28-Jährige.

Durch das Parc-fermé-Reglement muss Antonelli morgen den Sprint mit der gegenwärtigen Spezifikation seines Mercedes überstehen. Die derzeitige Lage lässt den WM-Führenden jedoch zweifeln. "Es wird ein schwieriges Wochenende, sofern wir morgen nicht noch irgendetwas finden. Ansonsten wird es sehr hart. Im Moment sehe ich ehrlich gesagt nicht, wo wir sieben Zehntel finden sollen", so Antonelli, der vor allem in den langsamen Passagen massiv gegenüber Russell einbüßt. Seine letzte Hoffnung sind die Masterminds in der Mercedes-Garage: "Vielleicht finden Bono und die Ingenieure heute Nacht noch etwas am Auto. Und ich werde natürlich versuchen, auch fahrerisch noch etwas herauszuholen."

Großchance für George Russell vor Motorenstrafe am Sonntag

Für George Russell könnte der Sprint über 21 Runden am Samstag in Singapur das höchste der Gefühle bleiben. Er hat eine +40-Gridstrafe für den Grand Prix. Die Pole wäre unter Umständen sogar noch drin gewesen. Verstappen fuhr im SQ3 nur einen Run, Russell verbesserte sich mit dem zweiten Versuch auf seinem Reifensatz am Ende noch und kam auf 0,120 Sekunden an den Red Bull-Fahrer heran.

"Wir wussten natürlich, dass Max schnell ist, und er hat im SQ3 eine etwas andere Strategie als wir gewählt und nur diese eine Runde gefahren. Wer weiß, was am Ende die bessere Variante war. Aber mit Platz zwei bin ich ziemlich zufrieden", sagt er dennoch. Verstappen drohte wegen eines möglichen Gelbvergehens im SQ1 noch eine Strafe, die Russell nachträglich hätte auf Startplatz eins hieven könnte. Das wäre auf dem Stadtkurs in Singapur ein willkommenes Geschenk gewesen. Der Niederländer wurde jedoch freigesprochen.

"Ich denke, es wird sehr schwierig. Der Grip-Unterschied zwischen der linken und der rechten Seite [des Grids] ist hier ziemlich groß. Die Fahrer auf der Pole-Seite hatten im vergangenen Jahr einen deutlichen Vorteil. Deshalb werde ich wohl zunächst einmal versuchen, Platz zwei zu verteidigen", so Russells Prognose für den Rennstart.