Valtteri Bottas führte am Samstag beim Formel-1-Rennen in Baku ein trostloses Schattendasein. Vom Start weg war er selbst am Ende des Feldes nur ein Nebendarsteller. Als sein einziger Sparrings-Partner Fernando Alonso dann auch noch ausschied, eierte er eine halbe Minute hinter Cadillac-Teamkollege Sergio Perez alleine um den Baku City Circuit. In der vorletzten Runde schickte ihn sein Auto dann auch noch in die Wand.

"Vor Kurve 15 hatte ich extrem starkes Superclipping. Und als ich anschließend auf die Bremse trat, hatte ich plötzlich kaum noch Verzögerung, fast so, als würde ich an der Hinterachse gar keine Energie mehr rekuperieren. Irgendetwas ist da im System durcheinandergeraten", erklärt Bottas seinen Unfall auf den letzten Metern des Rennens in Runde 50 von 51. Als sich die Leader George Russell und Max Verstappen auf ihrer letzten Runde befanden, sorgte Bottas unmittelbar vor dem Schlusssektor damit noch einmal für gelbe Flaggen. Russell wäre deshalb beinahe noch vom Red Bull-Fahrer abgefangen worden.

Bottas vermutet, dass ein Fahrfehler zu Beginn der 50. Runde zu dem Unfall geführt haben könnte. "Zunächst einmal hatte ich in derselben Runde einen Verbremser in Kurve eins und bin weit gegangen. Danach sind die Systeme meiner Meinung nach etwas durcheinandergekommen, wahrscheinlich wegen der zusätzlichen Wegstrecke", erklärt der 37-Jährige. "Wir müssen uns noch ansehen, was da genau passiert ist. Es war jedenfalls eine merkwürdige Situation, denn es fühlte sich so an, als hätte ich die Bremsen an der Hinterachse verloren."

Die Angelegenheit landete dann noch bei den Stewards, weil Bottas sich nachdem er das Fahrzeug verlassen hatte nicht sofort von der Unfallstelle entfernte. Stattdessen inspizierte er wegens eines Verdachts der fehlenden Bremsleistung die Hinterachse - das Rennen war aber vorbei. Dementsprechend wurde keine Strafe ausgesprochen. "Unter Berücksichtigung der Umstände, einschließlich der Position des Autos und der zu diesem Zeitpunkt herrschenden Streckenbedingungen, kamen die Stewards zu dem Schluss, dass von der Situation keine erhebliche Gefahr ausging. Die Stewards berücksichtigten zudem die Erklärung des Fahrers und seine Zusicherung, die Strecke unter vergleichbaren Umständen künftig schneller zu verlassen", heißt es im Urteil.

Valtteri Bottas fährt in Baku einsames Rennen gegen Fernando Alonso

Für ihn war das 15. Saisonrennen von Runde eins an ein aussichtsloses Unterfangen. Während Sergio Perez von Startplatz 20 mit den beiden Audi-Fahrern am Ende des Mittelfeldes kämpfte, fiel er sofort zurück, obwohl er im Grid einen Platz vor dem Mexikaner stand. Mit Fernando Alonso lieferte er sich einen engen Schlagabtausch um die letzten beiden Positionen. In Runde 20 war Perez bereits um mehr als 30 Sekunden vor ihnen enteilt - und dann musste Alonso auch noch mit einem Defekt abstellen.

"Ganz ehrlich: Wir hatten überhaupt keine Pace. Ich konnte eigentlich nur mit Fernando kämpfen. Sicher haben wir dort etwas Zeit verloren, aber davon abgesehen waren wir einfach deutlich zu weit weg", so Bottas, dessen schnellste Rennrunde mit 1:48.852 Minuten ganze anderthalb Sekunden langsamer als die von Perez war.

Als sich die überrundeten Fahrzeuge bei der Safety-Car-Phase nach Alex Albons Unfall in Runde 31 wieder zurückrunden durften, wurde nur Bottas am Feld vorbeigewunken. Er war als Einziger nicht mehr auf der Lead-Lap. "Wir mussten ein bisschen Lift-and-Coast machen. Nichts so Extremes wie früher, aber gegen Ende konnten wir wieder etwas mehr machen. Ich denke, es ging dabei eher darum, auf Nummer sicher zu gehen", sagt Bottas.

Cadillac erwartet schweren Stand beim Formel-1-Comeback in Malaysia

Wenn die Formel 1 in einer Woche im Rahmen des Bahrain GP nach Malaysia zurückkehrt, ist Bottas einer von zehn Fahrern, die beim letzten Rennen in Sepang 2017 schon dabei waren. Mit Cadillac erwartet er auf dem Highspeed-Kurs allerdings einen schweren Stand: "Das könnte ein schwieriges Wochenende werden. Wenn es heiß ist, überhitzen unsere Reifen ziemlich stark, und in schnellen Kurven sind wir nach wie vor nicht besonders gut. Es ist eine schöne Strecke, zu der wir zurückkehren, und eines ist sicher: Es wird heiß."