2022 fuhr Sebastian Vettel seine letzte Formel 1-Saison. Damals beendete der vierfache Weltmeister seine Formel-1-Karriere bei Aston Martin. Von 2015 bis 2020 ging er allerdings für Ferrari an den Start. So auch heute: Vettel fuhr Michael Schumachers Ferrari F2002 für eine Runde über das Autodromo Nazionale di Monza im Vorfeld des Italien GP.
Der F2002 seinerseits ist noch mit einem V10-Motor bestückt. Die heutige Formel 1 kommt dagegen mit einem 50:50-Split zwischen Verbrenner und Elektro daher. Das sorgte während der ganzen Saison für Diskussionen rund um das Jo-Jo-Racing. "Ich stimme wahrscheinlich nicht mit allem überein, was wir derzeit aus Fahrersicht im Reglement haben, aber mit Blick auf die Zukunft denke ich, dass dort eine riesige Chance liegt", sagt Sebastian Vettel.
Vettel versteht Fahrersicht: "Will das beste F1-Auto haben und gewinnen"
Berühmtester Kritiker der neuen Auto-Generation dürfte Max Verstappen sein. Schon zu Beginn der Saison kritisierte der Niederländer den hohen Elektro-Anteil. Da werden auch Erinnerungen an Sebastian Vettel wach, der 2014 die damals neue Turbo-Hybrid-Ära regelmäßig kritisierte. Auch 2019 schimpfte er bei seinem Ausfall in Russland noch am Funk: "Bringt die verdammten V12s zurück!"
Nach seinem Auftritt in Monza ist Vettel differenzierter. "Aus der Sicht eines Fahrers geht es natürlich darum, dass ich das beste Auto fahren und Rennen gewinnen will", beschreibt der Deutsche heute. Sobald er sich jedoch von der Fahrersicht löst, wird Vettels Perspektive deutlich positiver.


"Was ist dann das beste Auto? Das Auto von 2002 war damals auf dem neuesten Stand der Technik, ein Vorreiter und stand für vieles, wofür die Formel 1 stand", so Vettel. "Die Autos von heute tun dasselbe. Es geht um Leistung, Präzision, Disziplin, aber auch um Verantwortung. Darum, vorwärts zu denken, also auch die Sorge um die Zukunft zu haben. Das versuchen diese Autos zu leisten."
Auch für viele Hersteller war genau dieser Aspekt relevant für den Formel-1-Einstieg. Beispielsweise pochte Audi auf einen hohen Elektro-Anteil, um die Formel 1 umweltfreundlicher zu machen.
Dass die Rennserie ihrerseits umweltfreundlicher werden will, zeigt auch das Projekt "Net Zero by 2030". Bis 2030 will die Königsklasse ihre Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 2018 stark gesenkt haben. Bisher sollen sie um rund 35% gesunken sein.
Sebastian Vettel: Umwelt-Verantwortung muss Rennsport-Herz nicht ausschließen
Von diesen Zielen ist Sebastian Vettel Fan. Mit seinem Projekt "Race for Trace" fährt er alte Rennwagen mit CO2-neutralem Kraftstoff und zeigt, dass Rennsport auch klimaneutral möglich ist.

"Wir müssen uns an einem Moment wie heute daran erinnern, was der Sport war, was der Sport ist und was der Sport sein sollte und in Zukunft sein kann – auf verantwortungsvolle Weise."
Dabei findet der vierfache Weltmeister, dass ein stärkerer Fokus auf Umweltschutz nicht auf Kosten des Rennsports gehen muss. Nicht umsonst denkt auch die Formel 1 mittlerweile über eine Rückkehr zu Verbrennern auf Basis von klimaneutralem Kraftstoff nach. "Das eine muss das andere nicht ausschließen. Wir müssen Wege finden, all das, was wir lieben, miteinander zu verbinden."



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