Auch wenn der Große Preis von Großbritannien mit Charles Leclerc einen verdienten Überraschungssieger hervorbrachte, fühlten sich viele Formel-1-Fans im Ziel um ein hochdramatisches Finale betrogen. Der Grund für den Unmut: Das Rennen wurde nach einer späten Safety-Car-Phase vor der Zielflagge nicht noch einmal freigegeben. Warum das so war und wie die Regeln in diesem Fall exakt greifen, erklärt Markus hier:

Wäre es nach den Tribünen in Silverstone und den Zuschauern vor den TV-Bildschirmen gegangen, hätte es in der allerletzten Runde den ultimativen Showdown um den Sieg gegeben. Stattdessen spiegelte sich der Frust der Fans in zahlreichen Memes auf Social Media wider. "Uns allen wurde ein richtiger, sportlicher Abschluss dieses Grand Prix genommen", sprach Martin Brundle während seiner Live-Kommentierung bei Sky vielen aus der Seele.

Brundle kritisiert Entscheidung

Dem Briten stieß vor allem die Entscheidung sauer auf, abzuwarten bis die überrundeten Fahrzeuge sich dem Feld wieder angeschlossen hatten. "Der Sinn des Zurückrundens besteht darin, dass die Überrundeten die Spitzenfahrer bei einem echten Restart nicht behindern oder entscheidend ins Renngeschehen eingreifen. Wenn sie zu diesem Zeitpunkt aber eine halbe Silverstone-Runde entfernt sind, werden sie bei nur noch einer verbleibenden Runde ohnehin niemanden mehr im Weg stehen. Man muss also im Sinne des Sports nicht darauf warten, dass sie gemächlich wieder ans Ende des Feldes heranfahren", kritisierte Brundle das Prozedere scharf.

Im sportlichen Reglement heißt es: Wenn der Rennleiter es für sicher hält, wird die Meldung an alle Teilnehmer gesendet: Lapped cars may now overtake. Nachdem die Fahrzeuge auf der Führungsrunde überholt wurden, löscht das Safety Car seine Lichter. Genau hier sieht Brundle den entscheidenden Fehler in der Interpretation der Offiziellen: "Nirgends im Reglement steht geschrieben, dass man zwingend warten muss, bis die Überrundeten wieder komplett aufgeschlossen haben. Es heißt lediglich, dass sie sich mit angemessener Geschwindigkeit fortbewegen müssen."

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Software-Fehler sorgt für Verwirrung

Die FIA verwies in ihrer Stellungnahme nach dem Grand Prix auf den Paragrafen Artikel B5.13.5. "Die Regelung für Safety-Car-Phasen in Artikel B5.13.5 schreibt zwingend vor, dass nach dem Abschluss des Zurückrundens eine weitere volle Runde absolviert werden muss. Dieses Verfahren wurde von der Rennleitung strikt eingehalten." Auslöser der Safety-Car-Phase war der Abflug von Max Verstappen in der schnellen Stowe-Kurve, nur fünf Runden vor dem Ende. Laut Red Bull war der Heckflügel schuld, doch das ist nicht das Einzige, was Max Verstappen sauer aufstößt.

In Runde 51 - sprich der vorletzten Runde - keimte kurz die Hoffnung auf, als auf den Monitoren die offizielle FIA-Meldung "SAFETY CAR IN THIS LAP" aufleuchtete. Ein finaler Sprint schien perfekt. Doch das Safety Car bog nicht in die Boxengasse ab, sondern blieb bis zur Zielflagge draußen. Laut der FIA war ein Software-Fehler im System der Rennleitung Schuld. Als die Kommissare das Missgeschick auf den Bildschirmen realisierten, lösten sie sofort ein Weiterlaufen der Safety-Car-Phase mit einer neuen "SAFETY CAR DEPLOYED"-Meldung aus und verhinderten damit gerade noch rechtzeitig einen handfesten Regelbruch.