Michelin gegen die FIA: Seit dem Indy-Fiasko im Juni schwelt ein Flächenbrand zwischen Clermont-Ferrand und Paris. Die FIA schiebt die Schuld für Indygate auf den Reifenhersteller und erweckt bei diesem dabei den Eindruck, dass man Michelin aus der F1 vertreiben möchte.

Eine verlorene Ausschreibung für die Tourenwagen-WM an Yokohama gibt den Franzosen den Rest: Sie poltern öffentlich gegen die FIA und deren Präsidenten Max Mosley. Von Einheitsreifen möchten sie ohnehin nichts wissen und als die FIA die Wiedereinführung von Reifenwechseln ab der Saison 2006 bekannt gibt, sehen sich die Michelin-Männchen endgültig betrogen. Schließlich haben sie viel Geld in die Entwicklung von langlebigen Rennreifen gesteckt, welche am Ende 18 von 18 Rennen gewannen. Der einzige Bridgestone-"Sieg" geschah am 19. Juni in Indianapolis.

"Wir stimmen dem überhaupt nicht zu", bestätigte der scheidende Motorsportdirektor Pierre Dupasquier erneut die Einstellung seines Arbeitgebers. "Mosley wollte alles tun um die Kosten und die Geschwindigkeiten zu senken. Wir schlugen deshalb einen Reifen für einen gesamten Grand Prix vor und nach einer Saison voller spannender Rennen bin ich damit zufrieden."

Die Rückkehr der Reifenwechsel würde hingegen den Wert eines Grand Prix senken. "Aber wir haben keine Probleme mit der FIA", schob Dupasquier in der Gazzetta dello Sport hinterher. "Wir haben in diesem Jahr die Früchte unserer harten Arbeit seit 2001 geerntet: 18 Siege und zwei WM-Titel."

Nun geht es wieder bei "Null" an. Ob Michelin aber noch länger als 2006 in der Königsklasse vertreten sein wird, ist fraglich. Schließlich gelten die Franzosen als klare Gegner eines Reifenmonopols. "Edouard Michelin hat sich noch nicht entschieden, aber es steht im Gegensatz zum Wettbewerbsgedanken zwischen den Reifenherstellern", so Dupasquier. "Ohne diesen Aspekt verliert man einen der wichtigsten Gründe für die Teilnahme an einer Weltmeisterschaft. Natürlich abgesehen von der Leidenschaft."