Formel 1

Formel 1, 24. Todestag: Fünf Fakten über Roland Ratzenberger

Am 30. April jährt sich zum 24. Mal der Todestag von Roland Ratzenberger, dessen Schicksal für alle Zeiten im Schatten des Namens Ayrton Senna stehen wird.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Roland Ratzenberger war bei seinem Einstieg in die Formel 1 eher ein Nebendarsteller im Fahrerlager. Zum Zeitpunkt seines Debüts bereits 33 Jahre alt und dazu noch in Diensten des Hinterbänkler-Teams Simtek, wäre er in den Geschichtsbüchern des Sports wohl auch nur eine Randnotiz geblieben. Doch durch seinen tödlichen Unfall am 'schwarzen Wochenende von Imola' 1994 nahm Ratzenberger einen traurigen Platz in der Geschichte der Formel 1 ein.

Wie für jeden Formel-1-Piloten war der Einstieg in die Königsklasse des Motorsports für Ratzenberger die Erfüllung eines Lebenstraums. Und wie viele Fahrer zu dieser Zeit, hatte der Österreicher dafür einen langen und beschwerlichen Weg auf sich genommen und viele Opfer gebracht. Am 30. April 1994 endete dieser Traum jedoch, als er im Qualifikationstraining zum Großen Preis von San Marino in der 'Curva Villeneuve' von der Strecke abkam und mit über 300 km/h in die Betonmauer einschlug.

Es war der erste Todesfall bei einem Formel-1-Grand-Prix seit zwölf Jahren, doch selbst diese tragische Aufmerksamkeit war nur von kurzer Dauer: Beim Rennen am Folgetag starb mit Ayrton Senna der vielleicht schnellste Formel-1-Fahrer dieser Epoche und zugleich eine Leitfigur des gesamten Sports. Der Tod Ratzenbergers wurde in den Medien unweigerlich zur Nebensache.

Wir erinnern an Roland Ratzenberger, den "vergessenen Mann der Formel 1", wie ihn Johnny Herbert nach den Geschehnissen von Imola nannte, dessen Schicksal auf ewig im Schatten des Namens 'Ayrton Senna' stehen wird.

1. Lieferjunge und Fahrlehrer

Zu Beginn seiner Karriere musste Ratzenberger sich sein Hobby mit unterschiedlichen Jobs finanzieren. Er fuhr für eine Bäckerei Brötchen aus, arbeitete als Instruktor und Mechaniker in der Rennfahrer-Schule des österreichischen Motorsport-Urgesteins Walter Lechner, und er brachte als Fahrlehrer in Italien den Bodyguards von Prominenten und Politikern das Fahren im Grenzbereich bei.

Ratzenberger als Sieger des Formel-Ford-Festivals 1986 - Foto: Sutton

2. BMW-Werksfahrer

Zum ersten Mal in meinem Leben verdiene ich mit dem Rennfahren Geld.
Roland Ratzenberger

Ratzenberger versuchte sich auf seinem Weg in die Formel 1 nicht ausschließlich in Formelfahrzeugen. Im Jahr 1986 gewann er als erster und bisher einziger deutschsprachiger Fahrer das traditionelle Formel-Ford-Festival in Brands Hatch. Durch diese Leistung bekam er vom damaligen BMW-Motorsportchef Wolfgang Peter Flohr die Chance, für das Schnitzer-Team einen BWM M3 für die 1987 erstmals ausgetragene Tourenwagen-Weltmeisterschaft zu testen - und erhielt prompt einen Werksvertrag. "Zum ersten Mal in meinem Leben verdiene ich mit dem Rennfahren Geld", sagte Ratzenberger damals. Mit drei Podestplätzen rechtfertigte er das Vertrauen von BMW und startete in der Folge auch in der japanischen Tourenwagen-Meisterschaft für die Bayern.

Ratzenberger als BMW Werksfahrer in der Tourenwagen-WM 1987 - Foto: Sutton

3. Japan-Connection

Ende der 1980er Jahre starteten viele europäische Rennfahrer in die japanische Formel-3000-Meisterschaft. Der Grund dafür war simpel: Im Gegensatz zur europäischen Formel 3000 musste man in Japan kein Geld mitbringen, um ein Cockpit zu bekommen, sondern wurde für sein Engagement entlohnt. Zusammen mit Fahrern wie Eddie Irvine, Mika Salo und Heinz-Harald Frentzen verbrachte Ratzenberger drei Saisons im Land der aufgehenden Sonne. Mit einigen Podiumsplatzierungen sowie einem Sieg konnte er zudem bei Toyotas Sportwagen-Programm andocken und wurde damit der erste europäische Werksfahrer beim japanischen Autohersteller.

1993 für Toyota in Le Mans - Foto: Sutton

4. Späte Chance in der Formel 1

Ende 1993 hatte Ratzenberger den Traum von der Formel 1 eigentlich schon abgeschrieben. In Japan verdiente er mit dem Rennfahren schließlich Geld und obendrein war er ja auch schon 32 Jahre alt. Doch dann lief er in Monaco der Sport- und Musik-Managerin Barbara Behlau über den Weg. Erst durch diese Begegnung konnte Ratzenberger das Budget für die Formel 1 auftreiben, wenn auch nur für die ersten fünf Saisonrennen, und so als Paydriver beim neu gegründeten Simtek-Team anheuern. Nach dem Tod Ratzenbergers zeigte sich sein Sponsor derart beeindruckt von der Art und Weise wie das Team mit dem Verlust umging, dass die Entscheidung getroffen wurde Simtek auch weiterhin finanziell zu unterstützen. "Das hat uns unglaublich geholfen, sowohl wirtschaftlich als auch emotional", so der damalige Teamchef Nick Wirth.

Formel-1-Debüt 1994 mit Simtek: Ratzenberger hatte sich seinen Lebenstraum erfüllt - Foto: Sutton

5. Niki Lauda hielt seine Grabrede

Ich bin also zu seiner Beerdigung gegangen, weil alle zu Sennas gingen. Ich hielt es für wichtig, dass auch jemand zu seiner geht.
Max Mosley

Roland Ratzenberger wurde am 7. Mai 1994 in Salzburg zu Grabe getragen. Die Beerdigung Sennas fand am 4. Mai im viele Flugstunden entfernten São Paulo statt. Aus diesem Grund, und natürlich auch aufgrund Sennas Popularität, entschieden sich die Meisten aus dem Formel-1-Paddock dazu, Sennas Beerdigung beizuwohnen. Gerhard Berger nahm die Reisestrapazen auf sich und war bei beiden Zeremonien anwesend. Ebenfalls auf der Beerdigung Ratzenbergers waren Heinz-Harald Frentzen, Karl Wendlinger, Johnny Herbert und Niki Lauda, der die Grabrede für seinen verstorbenen Landsmann hielt. Auch der damalige FIA-Präsident Max Mosley war damals in Salzburg und nicht in São Paulo: "Roland wurde vergessen. Ich bin also zu seiner Beerdigung gegangen, weil alle zu Sennas gingen. Ich hielt es für wichtig, dass auch jemand zu seiner geht."

Max Mosley zusammen mit Simtek-Teamchef Nick Wirth im Jahre 1994 - Foto: Sutton

Weitere Inhalte:
Wir suchen Mitarbeiter