Die Formel 1 fährt 2011 erst zum dritten Mal auf Yas Island - der Yas Marina Circuit ist 5,554 Kilometer lang und fordert die Piloten im Rennen am Sonntag 55 Runden lang heraus. In Sachen zurückgelegter Renndistanz ist der Grand Prix mit 305.361 Kilometern der viertkürzeste Lauf des Jahres. Über eine Runde verteilen sich insgesamt 21 Kurven - die Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt im Regelfall 197 Stundenkilometer.

Der Start ist in Abu Dhabi nicht unwichtig - das Rennen ist bisher nicht gerade für seine vielen Überholmanöver bekannt, Foto: Sutton
Der Start ist in Abu Dhabi nicht unwichtig - das Rennen ist bisher nicht gerade für seine vielen Überholmanöver bekannt, Foto: Sutton

Besonders auf eine Rückkehr an den Ort seines ersten Titelgewinns freuen, dürfte sich Sebastian Vettel - der Red-Bull-Pilot ist nach seinen Triumphen 2009 und 2010 der einzige Sieger auf dem hochmodernen Kurs im Wüstenstart. Aufpassen muss er aber auf Jenson Button, der noch um den Vizetitel kämpf und dem die Strecke ebenfalls bestens zu liegen scheint - auch der Brite stand bei zwei Versuchen in Abu Dhabi bereits zwei Mal auf dem Podium. Die Charakteristik der Anlage kam bei den beiden bisherigen F1-Auftritten vor allem Red Bull und McLaren entgegen und erfordert in puncto Abtrieb eine mittlere Abstimmung.

Die Höchstgeschwindigkeiten sollten bei geöffnetem DRS um die 320 Stundenkilometer betragen. Ohne den Einsatz des verstellbaren Heckflügels dürfte sich dieser Wert auf 307 Stundenkilometer belaufen. Ganze sechzig Prozent der Runde stehen die Fahrer dabei voll auf dem Gas. So werden für die Renndistanz mindestens 150 Kilogramm Sprit benötigt. Der Bremsverschleiß auf Yas Island befindet sich im Normalbereich. Es gibt zwölf Bremspunkte - 16 Prozent der Runde steigen die Piloten in die Eisen.

Hohe Konzentration erfordert

Spektakuläre Kulisse: Jenson Button durchfährt bei Nacht das Yas Hotel, Foto: Sutton
Spektakuläre Kulisse: Jenson Button durchfährt bei Nacht das Yas Hotel, Foto: Sutton

Bei den Boxenstopps wird mit einem Gesamtzeitverlust von über 21 Sekunden gerechnet. Wichtig wird es in Abu Dhabi auch, die Konzentration aufrecht zu erhalten, denn das Rennen auf dem Yas Marina Circuit, ist der einzige F1-Grand-Prix im Kalender, der in der Abenddämmerung gestartet wird und den die Fahrer erst in der Nacht wieder beenden. Der von Herman Tilke entworfene Kurs ist zudem besonders für seine langen Geraden und engen Kurven bekannt. Als Wahrzeichen dient das bunt erleuchtete Yas Hotel, unter dem die Fahrer am Ende jeder Runde sogar hindurchfahren. Auf der Strecke gibt es gleich sechs Kurven, die mit weniger als einhundert Stundenkilometern durchfahren werden - nur in Monaco, Singapur und Valencia gibt es noch mehr langsame Kurven.

Überholvorgänge waren bei den beiden bisherigen Auftritten der Königsklasse auf dem Wüstenkurs daher eher selten. Das Rennen im letzten Jahr zeigte jedoch, wie wichtig die richtige Strategie ist und das falsche Entscheidungen die Weltmeisterschaft kosten können. Nach einem strategischen Patzer der Ferrari-Crew, kehrte Fernando Alonso nach einem Boxenstopp hinter einem langsameren Fahrzeug auf die Strecke zurück und konnte dieses dann nicht mehr überholen.

Dank des DRS und der Pirelli-Reifen sollte das Überholen auf der langen Gegengeraden in diesem Jahr einfacher sein, Foto: Sutton
Dank des DRS und der Pirelli-Reifen sollte das Überholen auf der langen Gegengeraden in diesem Jahr einfacher sein, Foto: Sutton

Das diesjährige Rennen in Abu Dhabi wird folglich der ultimative Härtetest, inwieweit der DRS-Flügel und die Pirelli-Reifen die Überholchancen in der Formel 1 wirklich verbessert haben. Es wird zwei DRS-Zonen auf der Strecke geben und mit der langen Gegengeraden nach der Haarnadelkurve, sollte das Überholen langsamerer Autos kein großes Problem mehr sein. Nach dem Grand Prix im Vorjahr, hatten die Streckenverantwortlichen vor Ort ursprünglich vor, Veränderungen am Kurs vorzunehmen, um Überholvorgänge zu fördern - durch den Erfolg des DRS und der Pirelli-Pneus entschied man sich schlussendlich aber doch gegen diese Maßnahme.

Wie für die Region üblich, soll das Wetter das ganze Wochenende über stabil bleiben. Die Temperaturen dürften sich bei 30 Grad einpendeln. Da es sich aber um ein Rennen in der Abenddämmerung und der Nacht handelt, sollte im Hinterkopf behalten werden, dass die Temperaturen nachts bis auf 19 Grad fallen können.

Die Reifenfrage

Pirelli bringt die Reifenmischungen soft (gelbe Markierung) und medium (weiße Markierung) nach Abu Dhabi. Genau die gleiche Kombination wie zuvor bereits in Valencia, Deutschland, Belgien, Italien und Japan. Von den Testfahrten im vergangenen Winter kennt Pirelli die Rennstrecke in Abu Dhabi bereits gut. Durch die geographische Nähe zur Wüste ist die Strecke zu Beginn des Wochenendes immer etwas sandig. Allerdings verbessern sich die Streckenbedingungen im Laufe der Veranstaltung kontinuierlich, so dass auch die Rundenzeiten fallen werden.

Abu Dhabi ist immer gut für ungewohnte Perspektiven, Foto: Sutton
Abu Dhabi ist immer gut für ungewohnte Perspektiven, Foto: Sutton

Deshalb ist das richtige Timing im Qualifying immer von großer Bedeutung. Besonders wichtig ist es hierbei, ganz zum Schluss der Session auf die Strecke zu gehen. Dann, wenn der meiste Grip auf der Ideallinie liegt und die Strecke die schnellsten Rundenzeiten zulässt. Im Zusammenhang mit der Rennstrategie ist die zeitliche Differenz zwischen den beiden Reifenmischungen entscheidend. Auch nach fast einer kompletten Saison mit Pirelli, gibt es immer noch einige Fragezeichen für die Teams. Erst kürzlich etwa fanden die Rennställe heraus, dass die härteste Reifenmischung zum Ende eines Rennens hin konkurrenzfähiger ist, als zuvor angenommen.

In Deutschland betrug der Unterschied zwischen den soft und medium Reifen 1,5 Sekunden pro Runde. Die Strategen versuchten deshalb, die Autos so lange wie möglich auf der weichen Mischung fahren zu lassen und den medium Reifen erst zu Rennende hin einzusetzen. Vettel und Massa wechselten in Deutschland etwa erst eingangs der letzten Runde auf die medium Variante. Der Unterschied zwischen der soften und harten Mischung in Japan betrug hingegen nur 1,2 Sekunden.

Die kühleren Bedingungen am Abend werden die Lebensdauer der Reifen in Qualifying und Rennen verlängern. Deshalb werden die von den Teams während der Freien Trainingssitzungen 1 und 3 gesammelten Daten nicht so relevant sein. Schließlich finden die Trainings zu deutlich früheren Zeitpunkten statt als Qualifying und Rennen. Einzig das zweite Freie Training ist von großer Bedeutung, da diese Sitzung zeitlich mit Qualifying und Rennen korreliert.

Anzahl und Zeitpunkt der Boxenstopps

Einzigartig: Wer die Boxengasse verlässt muss durch den Tunnel, Foto: Mercedes GP
Einzigartig: Wer die Boxengasse verlässt muss durch den Tunnel, Foto: Mercedes GP

Die Abu Dhabi-Reifenmischungen wurde letztmalig in Japan eingesetzt. Die drei Erstplatzierten stoppten damals jeweils dreimal. Alle fuhren den medium Reifen nur im letzten Stint. In Suzuka gibt es aber auch deutlich mehr Hochgeschwindigkeitskurven, als in Abu Dhabi. Dieser Aspekt setzt der Haltbarkeit der Reifen zusätzlich zu. Wahrscheinlich werden deswegen in Abu Dhabi nur zwei Boxenstopps eingelegt werden. Trotz der Nutzung von DRS und der damit verbundenen Möglichkeit leichter zu überholen, werden die Team-Strategen auch in Abu Dhabi versuchen, ihre Fahrer nach den Boxenstopps in eine Lücke zurückfallen zu lassen.

Die Fahrer müssen deswegen versuchen, bis zum ersten Stopp 20 Sekunden auf die Verfolger herauszufahren. Selten ist ein Einsatz des Safety Cars - bei den bisherigen beiden Grand Prix, die auf dem Yas Marina Circuit stattfanden, kam das Schrittmacherfahrzeug lediglich im vergangenen Jahr nach einem Unfall in der ersten Runde für fünf Umläufe auf die Strecke.