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Formel E, virtueller ePrix: Oliver Rowland siegt in Berlin

Oliver Rowland siegt, weil sich Stoffel Vandoorne und Daniel Abt im Weg stehen. Maximilian Günther und Pascal Wehrlein kollidieren im Meisterschaftskampf.
von Florian Niedermair

Motorsport-Magazin.com - Die zweite Hälfte der virtuellen Formel-E-Meisterschaft ging in Berlin los. Auf der Formel-E-Strecke im ehemaligen Flughafen Tempelhof endete die Serie der deutschen Rennsiege. Oliver Rowland gewann den fünften Lauf der Serie weil sich Stoffel Vandoorne und Daniel Abt im Kampf um die Führung gegenseitig behinderten. Zwischen den beiden Meisterschaftsführenden, Pascal Wehrlein und Maximilian Günther kommt es hingegen zu einer Kollision.

Ausgangslage

In den ersten vier Saisonrennen hat sich ein Titelkampf zwischen zwei Deutschen abgezeichnet. Nachdem Maximilian Günther in den ersten beiden Rennen der Saison erfolgreich war, übernahm Pascal Wehrlein das Zepter von seinem Landsmann und gewann die beiden folgenden Läufe in Monaco und Hongkong, was ihm aufgrund eines Ausfalls von Günther sogar die Gesamtführung einbrachte.

Stoffel Vandoorne war der dritte im Bunde, der die erste Hälfte der Meisterschaft geprägt hatte. Der belgische Mercedes-Pilot, der bei den ersten beiden Läufen jeweils von Platz 1 startend gecrasht war, ging mit einem Rückstand von zwölf Punkten in das fünfte Rennen der Saison und auch Robin Frijns war mit 24 Zählern Rückstand vor dem Rennen in Berlin noch in Schlagdistanz.

Die relativ breite Strecke auf dem ehemaligen Flughafen Berlin-Tempelhof bot deutlich mehr und bessere Überholmöglichkeiten als noch die Kurse in Hongkong und Monaco und lieferte deshalb wenig überraschend ein aufregendes Rennen, das erst in der letzten Runde entschieden wurde.

Pro-Rennen: Wenn zwei sich streiten…

Die Qualifying-Session war eine klare Angelegenheit für Stoffel Vandoorne. Daniel Abt, der überraschend auf Rang 2 fuhr, hatte fast drei Zehntel Rückstand. Abt hatte in der bisherigen Meisterschaft noch keine außergewöhnlich guten Resultate erzielt und hatte vor dem Rennen noch gar keine Punkte erzielt. Rang 3 belegte Oliver Rowland vor den beiden Meisterschaftsführenden Pascal Wehrlein und Maximilian Günther

Vandoorne verteidigte zwar in der ersten Kurve die Rennführung, wurde aber schon während der ersten Runde von Daniel Abt überholt und auch Oliver Rowland ging an dem Belgier vorbei, während Maximilian Günther Platz 4 von seinem Meisterschaftsrivalen übernahm.

Doch schon nach wenigen Runen wurde es hitzig zwischen dem BMW-Piloten und dem Mahindra-Fahrer. Wehrlein überholte Günther mit einem späten Bremsmanöver und drückte ihn am Kurvenausgang in die Wand, Günther drehte daraufhin sich und war aus dem Kampf um die Podiumspositionen draußen.

Stoffel Vandoorne übernahm Platz 2 und machte Jagd auf Abt. Der Berlin-ePrix-Sieger aus der Saison 2017/18 verteidigte mit allen Mitteln, wurde aber von Vandoorne mit einem Stoß aufs Heck aus dem Weg manövriert. Abt konterte und die beiden tauschten in einem heißspornigen Kampf die Führungsposition mehrmals aus. Doch frei nach dem Motto: "Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte", nutzte Oliver Rowland die Situation aus und schlüpfte an den beiden vorbei, als Abt bei einem Manöver Vandoorne nach außen drückte.

Dennoch setzte sich Vandoorne gegen Abt durch und machte Jagd auf den neuen Führenden Oliver Rowland. Auf den letzten beiden Runden war der ehemalige Formel-1-Pilot von McLaren direkt am Heck des Briten. Er fand aber keinen Weg vorbei. Oliver Rowland gewann somit das fünfte Rennen der Meisterschaft und ist damit der erste Nicht-Deutsche, der sich in die Siegerliste der virtuellen Formel-E-Meisterschaft einträgt. Stoffel Vandoorne musste sich mit Platz 2 abfinden, Daniel Abt platzierte sich auf dem dritten Rang. Pascal Wehrlein und Edoardo Mortara komplettierten die Top 5. Dahinter folgte Nico Müller. Maximilian Günther kämpfte sich nach dem umstrittenen Vorfall mit Pascal Wehrlein noch bis auf Platz 7 nach vorne. Andre Lotterer, Antonio Felix Da Costa und Mitch Evans rundeten die ersten zehn Positionen ab.

Oliver Rowland sagte über seinen Sieg: "Nachdem die letzten paar Wochen für mich etwas unglücklich verlaufen sind, wollte ich mich heute nur aus allen Schwierigkeitn heraushalten. Das habe ich geschafft und als dann Abt und Vandoorne gekämpft haben, habe ich meine Chance genutzt und die Führung übernommen."

Konfusion um Daniel Abt: War er es wirklich

Hinter der Performance von Daniel Abt steht allerdings ein kleines Fragezeichen. Seine ungewöhnliche Leistungssteigerung bei diesem Renen ließ bei seinen Konkurrenten einen Verdacht aufkommen, den Stoffel Vandoorne und Jean Eric Vergne nach dem Rennen bei den Interviews äußerten. Vandoorne meinte: "Ich bezweifle, dass es wirklich Daniel war, der da gefahren ist". Jean Eric Vergne sagte nach dem Rennen zu den Moderatoren des Events: "Bitte fragt Daniel, beim nächsten Mal seinen Zoom-Video anzumachen, wenn er fährt, denn ich bin ziemlich sicher, dass das nicht er war".

Update: Abt ausgeschlossen

Daniel Abt wurde in der Zwischenzeit von der Wertung ausgeschlossen. Statt ihm pilotierte offenbar Sim-Racer Lorenz Hörzing den Wagen. Abt wurde außerdem mit einer Strafe von 10.000 Euro belegt, die er an eine gemeinnützige Organisation seiner Wahl spenden muss.

Rennergebnis

Position Fahrer
1. Oliver Rowland
2. Stoffel Vandoorne
3. Pascal Wehrlein
4. Edoardo Mortara
5. Nico Müller
6. Maximilian Günther
7. Andre Lotterer
8. Antonio Felix Da Costa
9. Mitch Evans
10. Neel Jani

Meisterschaftsstand

Position Fahrer Punkte
1. Pascal Wehrlein 85
2. Stoffel Vandoorne 78
3. Maximilian Günther 73
4. Robin Frijns 48
5. Oliver Rowland 43
6. Nico Müller 29
7. Edoardo Mortara 27
8. Neel Jani 25
9. Oliver Turvey 20
10. James Calado 19

Challenge-Grid: Kevin Siggy steht vor Titelgewinn

Der Meisterschaftsführende Kevin Siggy setzte sich zum zweiten Mal in der Saison durch. Wie schon in Monaco lieferte er erneut ein sauberes Rennen bei einem Start-Ziel-Sieg. Petar Brljak sicherte sich Rang 2, Lucas Müller, der in der letzten Woche erfolgreich war, sicherte sich den dritten Platz. Position 4 und 5 belegten Peyo Peev und Marius Golombeck. In der Meisterschaft hat Siggy somit bereits mehr als ein Rennen Vorsprung auf die Konkurrenz und ist klar auf Kurs in Richtung virtuellem Formel-E-Titel.

Challenge-Grid, Meisterschaftsstand

1. Kevin Siggy 102
2. Lucas Müller 73
3. Petar Brljak 70
4. Peyo Peev 66
5. Joshua Rogers 45

Die nächste Runde der Meisterschaft findet am nächsten Samstag wie üblich um 16.30 Uhr statt. Die Rennstrecke wird wieder erst am Tag zuvor bekanntgegeben.


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