eSports

DTM-Star Eng beim Sim-Racing: Im Rennen BMW-Ingenieur angerufen

BMW-Fahrer Philipp Eng ist seit vielen Jahren begeisterter Sim-Racer. Er erklärt, warum virtueller und realer Rennsport immer mehr verschmelzen.
von Daniel Geradtz

Motorsport-Magazin.com - Das Sim-Racing erlebt derzeit einen Boom. Wegen der Corona-Krise könnten derzeit keinen realen Motorsport-Events stattfinden. Deswegen schließen sich Rennfahrer und Pro-Gamer bei zahlreichen Events zusammen, um virtuelle Rennen gegeneinander zu bestreiten. Am virtuellen Bahrain GP der Formel 1 nahmen beispielsweise Lando Norris, Nicholas Latifi und Nico Hülkenberg teil. Der Emmericher feierte am vergangenen Wochenende seine eSport-Premiere. Er hatte bislang noch keine Erfahrung im eSports.

Anders sieht es bei DTM-Pilot Philipp Eng aus, der seit geraumer Zeit einen eigenen Simulator besitzt. Er beendete das Rennen auf dem dritten Platz. Für Eng war das Formel-1-Rennen nicht das einzige Sim-Racing-Event des vergangenen Wochenendes. Er bestritt wie Hülkenberg zusätzlich ein Turnier auf dem virtuellen Grand-Prix-Kurs in Indianapolis. Als Dritter seines Qualifikationslaufs erreichte Eng das Finale, das von den Pro-Gamern dominiert wurde.

Für den Salzburger ist es keine Überraschung, dass professionelle Rennfahrer in den virtuellen Rennen häufig von erfahrenen Sim-Racern geschlagen werden. "Das liegt hauptsächlich an der unglaublichen Menge an Zeit, die diese Jungs über Jahre hinweg im Simulator verbracht haben", sagt der BMW-Werksfahrer. "Ich vergleiche das gerne mit Fitnesstraining: Wenn ich regelmäßig dabei bin und 350 Kilometer in der Woche auf dem Rad verbringe, dann bin ich entsprechend fit. Dann mache ich aber wieder zwei Wochen lang gar nichts, weil ich unterwegs bei Rennen bin, und schon sinkt mein Niveau wieder. Genauso ist der Unterschied zwischen mir, der in einer normalen Saison nur unregelmäßig im Simulator sitzt, und einem professionellen Sim-Racer, der dazu noch sehr talentiert ist."

eSports: So bestreitet DTM-Star Philipp Eng Sim-Rennen: (00:59 Min.)

Probleme beim Umstieg in den realen Motorsport

Auch im umgekehrten Fall sieht Eng Schwierigkeiten. Wechseln virtuelle Racer in den realen Motorsport, treffen sie auf ein entscheidendes Problem, das den Umstieg erschwert. Sie müssen sich über die Konsequenzen ihres Handelns bewusst sein. "Die Besten haben bestimmt das nötige technische Verständnis und das fahrerische Potenzial, aber ich denke, in einem echten Rennfahrzeug müssen sie erst einmal damit umgehen lernen, dass ihnen hier etwas passieren kann, wenn sie einen Fehler machen. Das merke ich an mir selbst. Ich riskiere im Simulator immer mehr als in einem echten Rennfahrzeug", erklärt der DTM-Sechste des Vorjahres.

Populäre Simulationen wie rFactor, iRacing und Assetto Corsa erlauben den Spielern, zwischen verschiedenen Fahrzeugentypen zu wechseln. Eng fährt somit nicht nur Formelfahrzeuge wie am vergangenen Wochenende. Er nutzt auch Sportwagen. Mit seinem BMW-Kollegen Nicky Catsburg bestritt er im vergangenen Jahr das 'BMW 120 at Le Mans'-Event, bei dem sie einen virtuellen BMW M8 GTE pilotierten.

Bei jenem virtuellen Langstreckenrennen stießen sie im vergangenen Jahr auf ein Problem, das auch im realen Motorsport eine Rolle spielt: "Als Nicky den letzten Stint im Auto gefahren ist, habe ich einen unsere Le-Mans-Ingenieure angerufen, um mir beim Berechnen des Treibstoffverbrauchs zu helfen, weil wir keine Ahnung hatten. Sicherlich werden wir beim nächsten Mal BMW bitten, einen Ingenieur zur Hilfe zu bekommen. Den brauchst du einfach auf diesem Level."

Eng fuhr erste eSports-Rennen am Schreibtisch

Angefangen mit dem Sim-Racing hat Eng bereits lange vor dem Aufkommen professioneller Simulatoren. "Ich glaube, ich war 17, und mein Simulator sah damals so aus, dass ich meine Schulhefte zur Seite geräumt, mein Lenkrad am Schreibtisch festgeklemmt und die Pedale mit Tape am Fußboden befestigt habe. Die Entwicklung, die das Sim-Racing seitdem und vor allem in den vergangenen Monaten genommen hat, ist schon sehr beeindruckend."

Deswegen hat eSports für Eng eine Berechtigung in der Welt des Motorsports erhalten. Schließlich nutzen heute viele Autohersteller und Motorsportteams die unterschiedlichen Plattformen, um Nachwuchspiloten zu finden. "Ich stelle es mir so vor: Als Motorsport-Fan schaue ich nachmittags das DTM-Rennen auf dem Nürburgring und abends im Livestream das Sim-Rennen meinetwegen in Sebring", sagt er.


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