Eine erfolgreiche Positionsverteidigung durch Timo Scheider in der Grundigkehre, dann die Attacke von Jamie Green: Für den Audi-Piloten überraschend stach Green vor dem Schöller-S in die Lücke zwischen A4 und Leitplanke und zog mit Scheider gleich - um mit sichtlichem Lackaustausch als Spitzenreiter aus der Schikane zu kommen. Derweil taumelte Scheider als geschlagener Vierter aus der Rechts-/Links-Kombination. "Über kleine Details, wo wir mit Mercedes Meinungsverschiedenheiten haben, werden wir uns aussprechen", sagte Dr. Wolfgang Ullrich, ließ aber offen, welche "Meinungsverschiedenheiten" genau gemeint waren.
Auch Timo Scheider übte keine offene Kritik am Manöver Greens, lässt aber durch sein verwendetes Vokabular nur mäßige Begeisterung durchblicken. "Zum Schluss ließ die Balance an der Hinterachse nach. Meine Gegner haben mich 'aufgefressen' und Jamie Green hat mich auch noch angeschoben. Ich stand quer, und so fuhr der ganze Zug vorbei", schildert Scheider aus seiner Sicht die Ursachen seines Rückfalls von Position eins auf vier. "Ärgerlich, aber so ist das eben." Jamie Green selbst verschweigt nicht, dass sein Manöver mit einigem Risiko behaftet war.
"Ich habe zwei Runden vor Schluss vor der Schikane eine harte Linie gewählt, es war sehr riskant, und ich wusste nicht, ob sich das ausgeht", gesteht der nun fünffache DTM-Rennsieger. "Innen war die Wand, ich habe versucht, auf seine Höhe zu kommen. Timo kam weit nach außen, ich kam gut aus der Schikane heraus und so hat das Manöver perfekt funktioniert." Die leise Kritik an Greens entscheidendem Manöver kann man bei Mercedes natürgemäß nicht nachvollziehen.
So zeigt Maro Engel Alternativen auf, wie Scheider der Berührung mit Green hätte aus dem Weg gehen können. "Dann soll Timo nicht einlenken und auf die Bremse treten. Wenn Jamie in diese Lücke nicht reinfahren darf, dann weiß ich auch nicht", verteidigt Engel seinen Markenkollegen. "Timo weiß als Rennfahrer, dass er das Risiko eingeht, mehr als nur einen Platz zu verlieren, wenn er sich in dieser Situation noch wehrt."

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