Viele Jahre galt der Norisring als ultimative Sprint-Strecke der DTM, doch schon lange ist das Privileg des kürzesten Kurses im DTM-Kalender auf die Insel gewandert. Die Indy-Variante der Traditionsrennstrecke Großbritanniens wird seit 2006 befahren und ist mit nur 1,929 Kilometern genau 371 Meter kürzer als die Stadt-Rennstrecke von Nürnberg. Für die 19 Piloten ist Brands Hatch trotzdem eine Herausforderung, denn schon der kleinste Fehler in einer der nur fünf Kurven kann im Qualifying über mehrere Positionen und Sieg oder Niederlage entscheiden.
"Auf einem so kurzen Kurs ist jede Zehntel Gold wert", weiß auch Timo Scheider, der das heutige Formel 3-Zeittraining aufmerksam verfolgte. "Die Formel 3 zeigt, was uns morgen noch erwarten wird." Bei den Nachwuchsfahrer, zu denen viele DTM-Piloten vor einigen Jahren noch selbst zählten, lagen die ersten 22 innerhalb von nur 0,6 Sekunden - enger geht es kaum. Wie Scheider berichtet, bedeutet jeder noch so kleine Fehler einen erheblichen Zeitverlust: "Hier ist es doppelt schwer, die richtige Zeit zu fahren, denn jeder kleinste Fehler kann auf dem Rest der Runde nicht mehr vollständig ausgeglichen werden."

Im Gegensatz zu Mugello, die mit 5,245 Kilometer die längste Strecke des Jahres ist, sind die Boliden statt 1:45 Minuten nur knappe 43 Sekunden unterwegs - für die Zuschauer natürlich purer Luxus, denn sie können die Fahrer fast die komplette Runde verfolgen und werden sie am Sonntag 82 Mal sehen. Für die Fahrer sind die zwei Kilometer aber eher ein Horrortrip. " Auf dieser Strecke hat man keine Zeit nachzudenken. 82 Runden sind extrem anstrengend, aber ich bin gut trainiert", sagt Mercedes-Pilot Bruno Spengler gegenüber dem adrivo Motorsport Magazin. "In der Senke hat man ein Gefühl wie auf der Achterbahn, man spürt die volle G-Kraft." Auch die Arbeit der Ingenieure wird nicht erleichtert: "Die Kurven hier sind sehr speziell, ganz anders als auf anderen Kursen. Unsere Arbeit ist hier nicht einfacher als sonst..."
Einer, der sich in Brands Hatch besonders wohl fühlt, ist Maro Engel. Der Mücke-Pilot war mehrfach mit der nationalen Formel 3 in der Grafschaft südlich von London unterwegs und kennt sich auch auf dem längeren Grand Prix-Kurs perfekt aus. "Die lange Version von Brands Hatch fand ich schon immer toll - und die Kurzversion ist ja letztlich nur ein Teil der langen", so der seit Mittwoch 23-Jährige. Für die kurze Indy-Variante hat er schon das richtige Rezept gefunden: "In jeder Kurve muss man das Maximum erreichen, denn die Zeitabstände sind extrem klein. Dafür hat man aber auch die Chance, weiter vorne zu stehen als sonst."
"Jede Runde ist eine Challenge. Wenn man hier einen Fehler macht, schlägt man direkt ein. Hier hat man nicht die Gelegenheit wie auf anderen Strecken, nach einem Ausflug durchs Gras einfach weiterzufahren", erläuterte Bernd Schneider, der die Strecke schon seit mehr als zwei Jahrzehnten kennt. Bereits 1984 war der Routinier zum ersten Mal in Brands Hatch unterwegs gewesen, seitdem hätte sich kaum etwas verändert. "Es sind an der einen oder anderen Stelle Auslaufzonen hinzugekommen. Obwohl es nur fünf bis sechs Kurven sind, ist die Strecke sehr interessant. Die Bergab-Rechts und die schnelle Schikane sind sehr anspruchsvoll."

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