Nachdem sich Tom Kristensen mit seinem achten Le-Mans-Sieg vor zwei Wochen in die Geschichtsbücher eintrug, ist der Däne wieder im harten DTM-Alltag angekommen. Auch auf dem Norisring präsentierte sich Kristensen voller Zuversicht und Tatendrang - am Ende schien er erneut wie vom Pech verfolgt. So blieb wieder nur die Fortführung der Schicksalsgemeinschaft mit Bernd Schneider. In der Meisterschaftstabelle bilden die beiden Routiniers auf den Rängen sieben und acht die Schlusslichter in Neuwagenreihen. Weniger Einigkeit herrschte heute trotz ähnlichen Rennergebnisses auf der Strecke...

"Mir war nach dem schlechten Qualifying klar, dass ich im Rennen keine großen Chancen habe. Das Qualifying ist zurzeit zu wichtig - aber es funktioniert bei mir momentan nicht", spricht der sechstplatzierte Bernd Schneider gegenüber der adrivo Sportpresse über seine Achillesferse. Nach seinem siebten Platz im Qualifying waren Schneider im Rennen wieder einmal die Hände gebunden: "Das liegt an mir, denn ich war über das ganze Wochenende hinweg schnell - nur im letzten Qualifying habe ich nicht die Performance gebracht. Keine Ausreden - dafür bin ich zu alt."

Auch Tom Kristensen spricht offen über das Alter - und mutmaßliche Nebenwirkungen. "Ich hatte nach der halben Distanz kein gutes Gefühl mehr. Dann bekam ich auch noch einen Krampf und musste mit dem rechten Bein bremsen", erklärt der am Ende siebtplatzierte Däne im Gespräch mit uns die Ursachen seiner am Ende zahlreichen Verbremser. "Dadurch hatte ich kein Feeling mehr für die Bremse." So unterlief dem Dänen im Kampf gegen Bernd Schneider ein weiteres Missgeschick - das die beiden Routiniers unterschiedlich interpretierten.

Tom Kristensen zeigte sich unfreiwillig verkrampft, Foto: Sutton
Tom Kristensen zeigte sich unfreiwillig verkrampft, Foto: Sutton

"Mit Bernd hatte ich kein Duell. Ich hatte mich verbremst, dadurch ist er vorbeigekommen", schildert Kristensen - sagt damit laut Bernd Schneider jedoch nur die halbe Wahrheit: "Toms Aktion war ein bisschen verrückt. Er hätte weiter rechts bleiben müssen. Ich hatte für ein Auto Platz gelassen, aber dann fuhr er von der Auslaufzone mitten auf die Strecke. Ich hatte damit gerechnet, dass er auch mir Platz lässt, so wie ich auch ihm Platz gelassen habe." An der Performance der ohnehin schon lädierten C-Klasse änderte das nur noch wenig: "Mein Auto war vorher schon ein wenig kaputt durch eine Berührung mit Martin Tomczyk am Start."

Auch Kristensen kam nicht ganz ohne Lackaustausch durch den fünften Saisonlauf - verspürte jedoch keine Auswirkungen. "Ich hatte lange ein Duell mit di Resta. Er war vor mir, ich hatte ihn ein wenig berührt - gedreht hat er sich ein paar Runden später alleine." Ein langer wie fairer Kampf gegen Gary Paffett zählte für Tom Kristensen zu den Highlights des Rennens. Als weniger angenehm empfand den engen Vierkampf des Abt-Audi-Quartetts zu Beginn des Rennens.

"Eigentlich sind Kämpfe gegen die Teamkollegen unangenehm. Ich hatte einen guten Start und habe die Mercedes unter Druck gesetzt; leider konnte ich nur di Resta überholen, nachdem er sich drehte", führt Kristensen aus, "dadurch ist ein Stau entstanden; wir kamen uns sehr nahe." Am Ende schien Kristensen von seinen Teamkollegen ähnlich abgeschieden wie Bernd Schneider...